Neue Expertise

Handlungsempfehlungen für die Erfassung und Förderung der sprachlichen Entwicklung in der frühen Kindheit

Der Paritätische Gesamtverband hat in Zusammenarbeit mit dem Volkssolidarität Bundesverband und Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen die Expertise „Erfassung und Förderung der sprachlichen Entwicklung im Kontext der Kindertagesbetreuung“ vorgelegt. Sie bündelt interdisziplinäre Erkenntnisse zum kindlichen Spracherwerb, zu wirksamer Sprachbildung und zu gelingender multiprofessioneller Kooperation und benennt zentrale Handlungsbedarfe für eine bedarfsgerechte sprachliche Bildung von Kindern in der Kita.

09.01.2026

Die Expertise gibt Handlungsempfehlungen, wie in Kindertageseinrichtungen eine bedarfsgerechte sprachliche Bildung umgesetzt werden kann, die eine gezielte individuelle Unterstützung von Kindern in Alltagssituationen bietet. Grundlage dafür sind die regelmäßig erfassten Entwicklungsstände der Kinder und tragfähige pädagogische Beziehungen mit qualifizierten Fachkräften. Denn die wirksamsten Bedingungen für Sprachentwicklung entstehen nachweislich in interessengeleiteten Interaktionen innerhalb authentischer Kommunikationssituationen.

Für eine qualifizierte Unterstützung der sprachlichen Entwicklung in allen Sprachen, muss zudem Mehrsprachigkeit stärker als Ressource anerkannt und in den Alltag von Kindertageseinrichtungen besser integriert werden. Denn die Aneignung der deutschen Sprache gelingt schneller und besser, wenn Kinder auch in ihren Familiensprachen unterstützt werden.

Gleichzeitig macht die Expertise deutlich, dass nicht alle Probleme der Kommunikations-, Sprach- und Sprechentwicklung in Kindertageseinrichtungen gelöst werden können. Daher muss die Diagnostik und Förderung der sprachlichen Entwicklung zwischen Kindertageseinrichtungen, Kinderärzt*innen, Sprachtherapie und Frühförderstellen besser abgestimmt werden. Hierfür sind kommunale Netzwerke zu schaffen, um Informationen verantwortungsvoll und datenschutzkonform zusammenzuführen, Beobachtungen abzustimmen und Übergänge zwischen Institutionen zu gestalten. Das setzt voraus, dass ausreichende Kapazitäten für die pädiatrische und logopädische Versorgung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig muss die Zusammenarbeit mit den Sorgeberechtigten intensiviert werden, damit alle Kinder auch in ihren Familien von einem sprachanregendem Umfeld profitieren – etwa über Kinderbücher, die ausgeliehen werden können.
Die Expertise zeigt: Ein funktionierendes Gesamtsystem ist unverzichtbar, um Doppelstrukturen, Fehldiagnosen und verspätete Interventionen zu vermeiden. Nur durch abgestimmte Verfahren, gemeinsame Standards und verlässliche Schnittstellen können Kinder frühzeitig und passgenau unterstützt werden.

Als Autor*innen an der Expertise haben mitgewirkt: Prof. Dr. Timm Albers (Universität Paderborn), Prof. Dr. Peter Cloos (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Christian Glück (Universität Leipzig), Prof. Dr. Claudia A. Hruška (ASH Berlin), Prof. Dr. Wiebke Scharff Rethfeldt (Hochschule Bremen) sowie Niels Espenhorst (Paritätischer Gesamtverband) und Dr.in Sophie Koch (Volkssolidarität Bundesverband).

Dokumente zum Download 

Erfassung und Förderung der sprachlichen Entwicklung im Kontext der Kindertagesbetreuung Handlungsempfehlungen für geeignete Maßnahmen und Konzepte aus interdisziplinärer Sicht (429 KB) 

Kontakt

Referent Kindertageseinrichtungen
Niels Espenhorst 
Telefon: 030 24636-445 

E-Mail: kifa@paritaet.org 
X: @NEspenhorst 

Quelle: Der Paritätische Gesamtverband vom 08.01.2026

Redaktion: Zola Kappauf