Rechtsanspruch 2026
GEW fordert verbindlichen Rahmen für Ganztagsförderung
Eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) warnt, dass der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ab 2026 ins Leere laufen wird, wenn nicht schnell gehandelt wird.
15.09.2025
Ohne einen bundesweit verbindlichen Rahmen wird der ab 2026 schrittweise geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ins Leere laufen. Das macht eine neue, durch die Max-Traeger-Stiftung der GEW geförderte Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen deutlich. Fehlende Standards, unklare Zuständigkeiten in der Zusammenarbeit und eine angespannte Personalsituation gefährden Qualität, Zugang und Verlässlichkeit der geplanten Angebote. Wenn hier nicht nachgesteuert wird, träfe das insbesondere Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien. Damit stünde ein zentrales bildungs- und sozialpolitisches Versprechen der Politik auf der Kippe.
„Im Augenblick ist es dem unermüdlichen und engagierten Einsatz der Beschäftigten zu verdanken, dass der Ganztag funktioniert.“
(Anja Bensinger-Stolze)
„Alle Kinder haben das Recht auf einen guten Ganztag – unabhängig von Wohnort, Familieneinkommen und Herkunft. Derzeit ist die Qualität des Angebots jedoch noch ein Lotteriespiel nach Postleitzahlen“, sagte Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule. „Wir brauchen bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für die Arbeit im Ganztag, die allen Kindern gute Bildungschancen sichern. Im Augenblick ist es dem unermüdlichen und engagierten Einsatz der Beschäftigten zu verdanken, dass der Ganztag funktioniert.“
Zentrale Weichen stellen
Die Studie zeige, dass zentrale Weichen noch gestellt werden müssen. „Es braucht eine verlässliche Kooperation zwischen Schulen und Trägern der Jugendhilfe, eine sozialraumorientierte Ressourcensteuerung, den Abbau von Zugangsbarrieren sowie bessere Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen für die Fach- und Lehrkräfte sowie das pädagogische Personal“, betonte Bensinger-Stolze.
„Ohne gut ausgebildete Fachkräfte und weiteres Personal wird der Rechtsanspruch ein leeres Versprechen bleiben.“
(Doreen Siebernik)
Doreen Siebernik, GEW-Vorstandmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit, unterstrich: „Ohne gut ausgebildete Fachkräfte und weiteres Personal wird der Rechtsanspruch ein leeres Versprechen bleiben. Deshalb müssen gute Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung im Ganztag endlich umgesetzt werden. Dazu gehören eine Bezahlung nach Tarif, gesicherte Verträge und ausreichend Zeit für Kooperation sowie Vorbereitung. Nur so können multiprofessionelle Teams ihr Potenzial entfalten.“
Ganztag darf kein Privileg sein
Die soziale Dimension sei dabei ein zentraler Faktor. „Ganztag darf kein Privileg sein. Beitragsfreiheit, transparente Vergabe und barrierefreie Angebote sind notwendig, damit Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien nicht ausgeschlossen werden“, sagte Siebernik. „Wir brauchen eine Ressourcensteuerung, die gezielt in sozio-ökonomisch benachteiligte Viertel investiert. Nur so können wir echte Chancengleichheit erreichen.“
Das sagen Menschen aus der Praxis
Hardy (Hartmut) Krüger ist Erzieher und Personalrat in Berlin. Er liebt seine Arbeit, doch er ist gestresst und körperlich erschöpft.
„Es sind zu wenige Fachkräfte, zu wenig pädagogisches Personal, zu wenige Räume, kaum Zeit für Vor- und Nachbereitung. Viele Kolleg*innen verlassen den Job. Das stresst uns und mich – ich schlafe schlecht, bin angespannt – einfach erschöpft."
Iris Grimm, Kita-Leitung in Freiberg in Sachsen, fordert, Zugangsbarrieren in den Ganztag endlich abzuschaffen.
„Alle Kinder wünschen sich, nachmittags mit Freund*innen im Ganztag zu sein, doch für viele geht das nicht. (…) Viele Eltern können sich den Ganztagsbeitrag nicht leisten. Ihre Kinder bleiben zu Hause – während andere Kinder Selbstvertrauen tanken und Lernerfahrungen sammeln. Gerade die Familien, die vom Ganztag profitieren könnten, werden ausgeschlossen."
Klare gesetzliche und finanzielle Grundlagen: jetzt!
Bensinger-Stolze und Siebernik mahnten Bund, Länder und Kommunen, jetzt klare gesetzliche und finanzielle Grundlagen zu schaffen. Nur wenn verbindliche Standards und verlässliche Kooperationen festgeschrieben werden, könne der Ganztag sein Versprechen einlösen:
- mehr Bildungsgerechtigkeit,
- bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie
- eine nachhaltige Stärkung des Bildungs- und Sozialstaats.
Links
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Downloads
15 Punkte für einen guten Ganztag (PDF: 3,79 MB)
Ganztagsförderung für Grundschulkinder (PDF: 9,63 MB). Policy Briefing der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ganztagsförderung für Grundschulkinder (PDF: 1,17 MB). Projektbericht
©
Dieser Artikel wurde am 12.09.2025 von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.
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