Bildungsforschung

Geringere Arbeitslosigkeit durch Bildungsinvestitionen

Investitionen in Bildung lohnen sich - und zwar noch deutlich mehr als bisher angenommen. Neue Berechnungen des DIW Berlin zeigen deutlich höhere, in Einzelfällen fast verdoppelte Bildungsrenditen. Neu ist an den DIW-Berechnungen vor allem die Berücksichtigung des durch bessere Bildung sinkenden Arbeitslosigkeitsrisikos. Wenn man diesen Faktor mit einbezieht, dann zeigt sich: Gerade in Deutschland lohnen sich Bildungsinvestitionen sowohl für Privatpersonen als auch für den Staat.

03.02.2010

Wer investiert, der erwartet eine Rendite. In den meisten Fällen lässt die sich vorher berechnen - das gilt für Wertpapiere ebenso wie für Bildung. Bildungsrendite bedeutet in diesem Fall üblicherweise: Wer eine längere und aufwändigere Ausbildung absolviert, der verzichtet währenddessen auf einen Teil seines Gehalts und erhält dafür später umso mehr. In Deutschland liegen diese Bildungsrenditen nach Angaben der OECD zwischen 6 und 10 Prozent - und damit über den Renditen auf dem Kapitalmarkt. Darüber hinaus gibt es auch eine fiskalische Bildungsrendite: Das Plus an Steuereinnahmen, das der Staat erhält, wenn seine Bürger mehr verdienen. Die Rendite liegt in Deutschland durchschnittlich bei etwa sieben Prozent.

Ungebildete in Deutschland besonders oft arbeitslos

Bisher wurde dabei aber nicht berücksichtigt, dass besser Gebildete auch seltener arbeitslos werden. Viktor Steiner, Leiter der Abteilung „Staat“ am DIW Berlin hat jetzt erstmals Bildungsrenditen mit Hilfe von Daten des soziooekonomischen Panels (SOEP) untersucht und dabei das Arbeitslosigkeitsrisiko mit einbezogen. Das Ergebnis: Die Bildungsrenditen sind mit durchschnittlich ein bis drei Prozentpunkten mehr deutlich höher als bisher angenommen. Denn in kaum einem anderen Land ist das Arbeitslosigkeitsrisiko so sehr vom Bildungsstand abhängig wie in Deutschland. „Wir haben in Deutschland ohnehin schon eine recht hohe Arbeitslosenquote“, sagt Viktor Steiner. „Aber unter den Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss haben wir eine Quote von fast 20 Prozent, viel mehr als in anderen Ländern.“

Höhere Renditen im Osten und für Frauen

Mit der neuen Berechnungsmethode steigt die Bildungsrendite vor allem da, wo das Arbeitslosigkeitsrisiko ohnehin am größten ist: Für Männer im Osten steigt der Ertrag einer Berufsausbildung von vorher knapp 7 Prozent auf 13,7 Prozent. Generell gilt, dass die Renditen für Berufsausbildungen etwas höher sind als die von Hochschulausbildungen. „Die Unterschiede sind so groß zwar nicht“, sagt Viktor Steiner. „Trotzdem zeigt sich hier die hohe Qualität der betrieblichen Berufsausbildung.“

Dazu fällt auf, dass Frauen prinzipiell höhere Renditen einfahren als Männer. „Lange Zeit gab es weniger Frauen mit höherer Bildung, die um Arbeitsplätze konkurriert haben - dadurch hatten gebildete Frauen bessere Chancen, einen gut bezahlten Job zu bekommen“, erklärt Viktor Steiner. Im Zuge der Bildungsexpansion der letzten Jahre würde sich das aber langsam ändern.

In Zahlen ausgedrückt sind die Bildungsrenditen für mittlere Abschlüsse bei Frauen im Osten am höchsten - 18,35 Prozent ist ein eindeutiger Spitzenwert. In den alten Bundesländern liegt die Bildungsrendite für Frauen bei mittleren Abschlüssen noch immer bei 14,34 Prozent. Bei den Hochschulabschlüssen liegen ostdeutsche Frauen dagegen nur knapp vor ostdeutschen Männern (12,83 und 12,51 Prozent), in den alten Bundesländern liegen die Renditen mit 8,85 für Frauen und 8,61 für Männer deutlich darunter.

Die Schlussfolgerung: Bildungsinvestitionen sinnvoll und notwendig

Durch die Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit steigen nicht nur die privaten, sondern auch die fiskalischen Bildungsrenditen - weniger Arbeitslose kosten den Staat weniger Geld in Form von Sozialausgaben. „Die Bildungsrenditen liegen in Deutschland über den Finanzierungskosten des Staates“, sagt Viktor Steiner und folgert daraus: Eine Ausweitung der staatlichen Bildungsinvestitionen ist ökonomisch wie gesellschaftlich sinnvoll.

Gleichzeitig sei es vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse aber auch vertretbar, zum Beispiel Studierende stärker an den Kosten eines Studiums zu beteiligen - mit einer wichtigen Einschränkung: „Das geht nur mit geeigneten nachgelagerten Finanzierungsmodellen, etwa in Form von Darlehen oder Stipendien“, so Steiner. Denn in Deutschland gäbe es ohnehin schon nicht genug Studierende.

„Denn ohne derartige Regelungen bestünde die Gefahr, dass auch fähige Jugendliche, die ein Studium absolvieren möchten, davon wegen finanzieller Beschränkungen abgehalten werden.“

Weitere Informationen unter: <link http: www.diw.de documents publikationen diw_01.c.346682.de _blank external-link-new-window external link in new>www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.346682.de/10-5.pdf

Quelle: DIW Berlin

 

Redaktion: Ilja Koschembar

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