Kinderschutz

Expertise zu sexualisierter Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen vorgestellt

Alter Teddy liegt auf dem Asphalt

Ein Fachkreis beim Bundesfamilienministerium mit rund 20 Expert(inn)en unterschiedlicher Professionen und Arbeitsfelder hat sich intensiv mit dem Thema „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ beschäftigt und nun eine Expertise mit Empfehlungen an Politik und Gesellschaft vorgestellt. Darin finden sich u.a. Informationen zur Datenlage und dem Forschungsstand sowie zu Schutz und Hilfen für Betroffene.

18.04.2018

Sexualisierte Gewalt hat viele Formen und Facetten. Spätestens mit der Aufdeckung des unvorstellbaren Ausmaßes von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Jahr 2010 wurde deutlich, welche enormen gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen ihre Bekämpfung voraussetzt. Politik und Gesellschaft in Deutschland haben in den vergangenen Jahren viele Aspekte diskutiert und Initiativen auf den Weg gebracht.

Tabuthema mit Praxisrelevanz

Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen ist nach wie vor ein tabuisiertes und kontrovers diskutiertes Thema. Repräsentative wissenschaftliche Studien zur Häufigkeit und den Folgen liegen nicht vor. Demgegenüber stehen jedoch eine Vielzahl an Berichten, Befragungen und Fachliteratur, die eine hohe Relevanz in der Praxis aufzeigen. Diese Diskrepanz führt in der Öffentlichkeit sowie im fachlichen Diskurs oftmals zu Verständigungsproblemen und Uneinigkeiten. Berichte Betroffener und professioneller Unterstützer/-innen, aber auch eine nicht unerhebliche Zahl beim Fonds sexueller Missbrauch gestellter Anträge beschreiben eindringlich die Notlage: Für Menschen mit diesen Erfahrungen ist es oft besonders schwer, Schutz und angemessene Unterstützung zu erhalten und gehört zu werden.

Expertise mit Empfehlungen an Politik und Gesellschaft

Um das Thema voranzubringen, wurde 2016 ein Fachkreis beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit etwa 20 Expert(inn)en unterschiedlicher Professionen und Arbeitsfelder eingerichtet und durch die Kinderschutz-Zentren zusammen mit dem Projektpartner ECPAT koordiniert. Ein Ergebnis der intensiven Arbeit ist eine Expertise mit Empfehlungen an Politik und Gesellschaft, die am 12. und 13. April 2018 Zuge eines thematischen Fachtages im BMFSFJ in Berlin vorgestellt wurde.

Sensibilisierung und interdisplinäre Zusammenarbeit

Das Ziel des Fachtages war es, das Thema sichtbar zu machen, es ernst zu nehmen und die Fachöffentlichkeit zu sensibilisieren. Dies gelang Dank der eingeladenen Expert(inn)en, die eine sachlich fundierte und unaufgeregte  Auseinandersetzung vermittelten. Und auch die Teilnehmenden des Fachtages aus Politik, Justiz, Polizei, Verwaltung, Pädagogik, Fachberatungsstellen und dem Gesundheitswesen diskutierten entschlossen mit und machten die Veranstaltung zu einem wirklichen Austausch der Professionen. So konnte mit dem Fachtag und den veröffentlichten Empfehlungen ein wichtiger Schritt gegangen werden. Denn nur durch eine starke interdisziplinäre Zusammenarbeit lassen sich komplexe Gewaltstrukturen aufbrechen, Unterstützung und Hilfe für Betroffene gewährleisten und das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Schutz in Zukunft sicherstellen.

Die Expertise zum Thema Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen (PDF, 302 KB) mit Empfehlungen an Politik und Gesellschaft kann von der Internetseite der Kinderschutz-Zentren abgerufen werden.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e.V. vom 17.04.2018

Redaktion: Melanie Welters

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