Kommission für Jugendmedienschutz
Pornografie-Konsum und Neigung zu sexueller Gewalt bei Jugendlichen eng verknüpft
Eine neue britische Studie verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Pornografie-Konsum von Jugendlichen und Gewalt: 79 Prozent der Befragten waren vor ihrem 18. Lebensjahr mit gewalthaltiger Pornografie in Berührung gekommen.
02.02.2023
Laut dem Bericht neigen häufige Nutzer:innen von Pornografie eher zu körperlich aggressiven sexuellen Handlungen. Fast die Hälfte (47 Prozent) sind der Ansicht, dass Mädchen Gewalt als Teil von Sex „erwarten“. Die repräsentative Umfrage wurde im November 2022 unter 1.000 jungen britischen Menschen im Alter von 16 bis 21 Jahren durchgeführt.
Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der KJM:
„Pornos sind kein Kinderprogramm. Und Pornografie-Konsum hat Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Das führt diese Studie einmal mehr deutlich vor Augen. Eine Alterskontrolle für Porno-Plattformen ist unverzichtbar. Zumal unser EMR- Gutachten zeigt, dass Kinder in immer jüngeren Altersgruppen regelmäßig online sind. Viele Jugendliche sind, der Studie zufolge, zufällig mit Pornografie in Berührung gekommen. Der Prozess könnte sich also weiter verschärfen.“
Gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien NRW führt die KJM Verfahren gegen die relevantesten Porno-Plattformen in Deutschland, weil sie pornografische Angebote frei zugänglich machen, ohne sicherzustellen, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugang dazu erhalten.
Viele Beschwerden zu Pornografie verzeichnet
Im Mai 2022 hatte die KJM erstmals Systeme zur Alterskontrolle ohne Ausweis positiv bewertet. Diese schätzen das Alter von Nutzer*innen mittels maschinellen Lernens anhand biometrischer Merkmale.
Dr. Marc Jan Eumann:
„Die Gesetzgeber*innen haben Pornografie mit gutem Grund als nicht für Kinder geeignet eingestuft. Gleichzeitig war es nie so niederschwellig möglich wie heute, eine gesetzeskonforme Alterskontrolle einzusetzen. Wir fordern eindringlich auf, dies auch zu tun. Die KJM und die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten werden weiter konsequent Recht durchsetzen, um Kinder und Jugendliche zu schützen.“
Studien zeigen, dass Kinder in Deutschland im Durchschnitt mit 12,7 Jahren mit Pornografie in Berührung kommen. Die KIM-Studie 2020 belegt, dass es vor allem sexualisierte Inhalte sind, die von Kindern als unangenehm im Netz wahrgenommen werden. Auch ein großer Anteil der bei der KJM eingehenden Beschwerden bezieht sich auf Sexualität und Pornografie.
Hier geht’s zum Gutachten des Instituts für Europäisches Medienrecht (EMR).
Quelle: Die Medienanstalten vom 01.02.2023
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