Jugendforschung

Aktuelle Studie zeigt Österreichs Jugend als verunsicherte Generation

Mädchen sitzt vor Wand mit Grafitti

Eine aktuelle Studie des Instituts für Jugendkulturforschung befragte erstmals für Österreich in einer groß angelegten Generationenmonitor-Umfrage 1.000 jungen Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren. Die Ergebnisse zeigen eine verunsicherte Generation, die mit brennenden Zukunftsfragen ringt.

02.12.2015

Wie blicken junge Menschen auf ihre eigene Generation? Wie schätzen sie ihre Zukunftschancen ein? Wie denken sie über das Alter? Was werden sie tun, wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig werden? Und wie wollen sie leben, wenn sie selbst 70+ sind? Diese und weitere Fragen hat das Institut für Jugendkulturforschung erstmals für Österreich in einer groß angelegten Generationenmonitor-Umfrage unter 1.000 jungen Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren untersucht. Die Ergebnisse lassen aufhorchen.

7 von 10 Jugendlichen und jungen Erwachsenen bezeichnen die heutige Jugendgeneration als eine "verunsicherte Generation"

In der öffentlichen Debatte kursieren unzählige Generationenbilder, besonders populär sind unscharfe Begriffe wie "Generation Y" und "Generation Z". Was ihnen gemeinsam ist, ist, dass sie wenig aussagen und lediglich nahelegen, dass die heute Jungen anders ticken als ihre Vorgänger¬generationen. 16- bis 29-Jährige sind in der Etikettierung ihrer eigenen Generation deutlich konkreter: Die am häufigsten genannten Schlagworte, mit denen sie die eigene Generation beschreiben, sind verunsichert (72%), angepasst (58%) und planlos (56%).

Politisch sehen sich die Jungen mit ihren Anliegen schlecht vertreten. 86% der Befragten sind der Ansicht, dass ihre Generation unter den Fehlern der heutigen Politik in Zukunft zu leiden haben wird.
 
Nur knapp jede/r Vierte hofft darauf, einmal ein besseres Leben zu haben als die Elterngeneration
Geht es darum, die Zukunft der heutigen Jugend zu sichern, sehen die jungen Österreicher und Österreicherinnen die Politik am Zug. Arbeitsplätze und eine Pensionsreform werden von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Schlüsselthemen genannt, und zwar unabhängig von Geschlecht, Bildung oder sozialem Milieu.

Eine Senkung der Steuerbelastung ist vor allem für junge Menschen in weniger privilegierten Sozialpositionen ein wichtiges Thema: 77% der Befragten mit niedriger und mittlerer Bildung sagen, dass die Politiker die Steuerbelastung senken müssen, um die Zukunft der jungen Generation zu sichern; in der bildungsnahen Vergleichsgruppe sind Steuersenkungen für 51% relevant.

Betreuung pflegebedürftiger Eltern wird zur persönlichen Herausforderung

Bei der Lösung der Pflegemisere wären die heute Jungen wichtige Partner, allerdings erwarten sie sich entsprechende Rahmenbedingungen und auf ihre Lebensrealitäten abgestimmte Angebote. Die breite Mehrheit hat, wie der aktuelle Generationenmonitor zeigt, nicht vor, die pflegebedürftigen Eltern in ein Pflegeheim zu stecken, sondern würde es bevorzugen, die Eltern in der gewohnten sozialen Umgebung zu lassen und mit professioneller Unterstützung zu pflegen. Angesichts wachsender Mobilitäts- und Flexibilitätszwänge, die die neue Arbeitswelt prägen und die für die berufliche Zukunft bestimmend sein werden, wird ein Einlösen dieses Anspruchs für viele allerdings vermutlich zu einer persönlichen Herausforderung. 

Mangelnde Solidarität in Generationenfragen ist aus Sicht der Jugend kein Thema

Den Interessenskonflikt zwischen Jung und Alt zu schüren, haben junge Leute großteils nicht im Sinn. Das gilt vor allem auch im Hinblick auf den viel zitierten Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt: Lediglich 20% meinen, dass man, immer dann, wenn Arbeitsplätze knapp werden, die Jobs den jüngeren Menschen geben und die Älteren in die Arbeitslose schicken sollte.
Doch trotz solidarischer Haltung in generationenpolitischen Grundsatzfragen grenzt sich die Jugend von älteren Generationen ab. Ihr "way of life" ist stärker erlebnisorientiert, lustbetont und – in Bezug auf Ausbildung und Beruf – zugleich stärker erfolgsfixiert als der der Eltern. Und auch in ihrer Haltung gegenüber dem modernen Wohlfahrtsstaat zeigen die heute Jungen andere Positionen als ihre Vorgängergeneration.

Abschied von der Vorstellung, dass staatliche Pensionen ein gutes Leben im Alter garantieren

Von der Idee, den Lebensunterhalt im Alter vorrangig von der staatlichen Pension zu bestreiten, haben sich die heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen verabschiedet: Geht es nach den heute 16- bis 29-Jährigen, wird sich ihre Generation ein gutes Leben im Ruhestand nicht einmal zu 40% aus der staatlichen Pension finanzieren können.

Dass sich Kinderbetreuungszeiten nicht negativ auf die Höhe der Pension niederschlagen sollten, scheint in der nachrückenden Generation breiter Konsens: In Zeiten der Lebensabschnittspartnerschaften befürworten 3 von 4 Befragten das Konzept des Pensionssplittings und vertreten die Ansicht: Wenn ein Paar Kinder bekommt und einer bei den Kindern zuhause bleibt, soll der, der im Beruf steht, die erworbenen Pensionsversicherungszeiten mit der Partnerin bzw. dem Partner teilen, damit der, der sich um die Kinder kümmert, später eine höhere Pension hat.

Leben in 50 Jahren: Die heute Jungen werden anders altern als ihre Eltern

Vorstellungen, wie die heute Jungen im Alter leben werden, sind noch unscharf. Doch eines ist klar: Die nachrückende Generation wird anders altern als ihre Eltern und Großeltern. Schon heute kündigt sie für ihr Leben im Alter neue Lebensweisen und Wohnformen an. "Es wird Bedarf an flexiblen Formen des Mehrgenerationenwohnens geben. Und vor allem in den bildungsnahen Milieus werden Wohnformen, die heute als Privileg der Jugend gelten, wie beispielsweise WGs, als neue Formen des Seniorenwohnens wichtiger werden", sagt Studienleiterin Dr. Beate Großegger. In den bildungsnahen Milieus gibt laut aktuellem Generationenmonitor des Instituts für Jugendkulturforschung bereits heute rd. jede/r Sechste an, mit 75 Jahren am liebsten in einer selbstorganisierten Senioren-Wohngemeinschaft leben zu wollen.

Vermutlich wird diese Generation so manches, womit sie sich heute vom Lifestyle ihrer Eltern abgrenzt, auch ins Alter mitnehmen. "Man darf davon ausgehen, dass Trends, die den Alltag der heute 16- bis 29-Jährigen prägen, wie etwa der Fitnesstrend, ‚digital living’ oder der Trend zu ‚my home is my couch-castle’ in den Lebenskonzepten der Alten von übermorgen deutlich spürbar weiterwirken werden", resümiert Großegger.

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung – jugendkultur.at vom 2.11.2015.

Redaktion: Svenja Karrenstein

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