Arbeitsforschung

Abschlüsse im Gesundheits- und Sozialwesen 2021 unter OECD-Durchschnitt

In der Bevölkerung mit tertiärem Bildungsabschluss in Deutschland hatte 2021 knapp jede:r Zehnte einen Abschluss der Fächergruppe Gesundheits- und Sozialwesen (9,5%). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lag der Anteil damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 13,0%.

21.10.2022

Der Unterschied beruht unter anderem darauf, dass Pflege- und Sozialberufe in zahlreichen OECD-Staaten – anders als in Deutschland – als akademische Qualifikation dem tertiären Bildungsbereich zugerechnet werden. Zu den tertiären Bildungsabschlüssen zählen akademische Abschlüsse wie Bachelor und Master, aber auch berufsorientierte Qualifikationen wie Meister- oder Technikerabschlüsse.

In der Corona-Krise rückten auch die Fächergruppen Pädagogik sowie Informatik und Kommunikationstechnologie in den Blickpunkt. Während in Deutschland der Anteil der Bevölkerung mit tertiären Abschlüssen in der Pädagogik mit 13,5 % den OECD-Durchschnitt von 12,3 % übertraf, lag er in der Informatik und Kommunikationstechnologie mit 4,2 % unter dem OECD-Durchschnitt von 4,8 %. Zur Fächergruppe Pädagogik zählen in Deutschland vor allem tertiäre Abschlüsse im Bereich der Erziehungswissenschaft, Lehramtsausbildung sowie interdisziplinäre Programme und Qualifikationen, die einen pädagogischen Schwerpunkt haben.

Die Anteile dieser Fächergruppen an allen tertiären Bildungsabschlüssen in der Bevölkerung waren in den Bundesländern unterschiedlich hoch. So betrug der Anteil der Fächergruppe Gesundheit- und Sozialwesen in Baden-Württemberg 7,6 % (Tiefstwert) und in Mecklenburg-Vorpommern 13,4 % (Höchstwert). Der Anteil der Fächergruppe Pädagogik variierte zwischen 9,5 % in Hamburg und 17,8 % in Sachsen-Anhalt. In der Fächergruppe Informatik und Kommunikationstechnologie (IKT) lag Berlin mit 6,4 % deutlich vor Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg mit rund 5 %. Eine geringere Rolle spielte diese Fächergruppe dagegen in Brandenburg (3,2 %), Niedersachsen (3,0 %) und Thüringen (2,7 %). Zu berücksichtigen ist, dass die jeweiligen Anteilswerte auch von der Bedeutung anderer Fächergruppen in den einzelnen Bundesländern abhängen.

Beschäftigungsquote der Bevölkerung mit tertiärem Abschluss über dem OECD-Durchschnitt

In Deutschland lagen 2021 die Beschäftigungsquoten für Personen mit tertiärem Bildungsabschluss in den Fächergruppen Gesundheits- und Sozialwesen (88,6 %) sowie Informatik und Kommunikationstechnologie (90,8 %) knapp einen Prozentpunkt über dem OECD-Durchschnitt, in Pädagogik (87,2 %) waren es fast zwei Prozentpunkte. Auch der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung mit einem Abschluss im Tertiärbereich insgesamt übertraf in Deutschland mit 88,3 % den OECD-Durchschnitt von 86,1 %.

Innerhalb der Bundesländer variierten die Beschäftigungsquoten unterschiedlich stark nach den Fächergruppen der Bildungsabschlüsse. So betrugen die Beschäftigungsquoten der Fächergruppe Gesundheit- und Sozialwesen in Rheinland-Pfalz 86,1 % und in Sachsen 92,0 %. In der Fächergruppe Pädagogik variierte diese zwischen 85,6 % in Sachsen und 89,9 % in Brandenburg. In der Fächergruppe Informatik und Kommunikationstechnologie (IKT) lag Berlin mit 86,0 % deutlich hinter Thüringen mit rund 95,9 %. Die Beschäftigungsquote für alle Personen mit tertiärem Bildungsabschluss variierte zwischen den Ländern weniger stark als bei Betrachtung der einzelnen Fächergruppen. Sie reichte von 86,4 % in Sachsen-Anhalt bis hin zu 89,7 % in Bayern.  

Weitere Informationen

Diese und weitere Ergebnisse enthält die Veröffentlichung „Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich – Ausgabe 2022“ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Publikation steht im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes im Themenbereich „Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich“ und im gemeinsamen Statistik-Portal der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zum Download bereit. Darin werden auch Indikatoren zu den Themen Bildungszugang, Bildungsbeteiligung, Bildungsverlauf und Bildungsausgaben sowie zum Lernumfeld und zur Organisation von Schulen dargestellt. Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder bieten mit dieser Publikation eine Ergänzung zur am 4. Oktober 2022 erschienenen OECD-Veröffentlichung „Bildung auf einen Blick“. Ausgewählte OECD-Indikatoren für Deutschland werden hier in einer Gliederung nach Bundesländern dargestellt.

Weitere Daten und Fakten zum gesamten Bereich der formalen Bildung von der Schule bis zur Berufsbildung und zum Studium sind im multimedial aufbereiteten Digitalen Magazin von Destatis zu finden. Thematisiert werden darin auch Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Bildungsbereich.

Hinweise zur Mikrozensus-Erhebung ab Berichtsjahr 2020

Die dargestellten Indikatoren werden aus den Ergebnissen des Mikrozensus berechnet. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar. Damit zwischen dem Ende des Erhebungsjahres und der Ergebnisbereitstellung möglichst wenig Zeit vergeht, werden seit dem Jahr 2020 zunächst Erstergebnisse und mit einigem zeitlichen Abstand Endergebnisse veröffentlicht. Bei den in dieser Pressemitteilung veröffentlichten Zahlen handelt es sich um Erstergebnisse des Berichtsjahres 2021.

Ausführliche Informationen zu den Änderungen sowie den Auswirkungen der Neugestaltung und der Corona-Krise auf den Mikrozensus sind auf einer eigens eingerichteten Sonderseite verfügbar.

Quelle: Destatis vom 05.10.2022

Redaktion: Laura Burger

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