Starkes Zeichen für sichere Kinderwege
120.000 demonstrieren europaweit bei den Kidical Mass Aktionswochen
In den letzten zwei Wochen beteiligten sich allein in Deutschland knapp 27.000 Kinder, Familien und Engagierte an bunten Fahrraddemos und Aktionen im ganzen Land. Gemeinsam forderten sie die Städte und Gemeinden zum Handeln auf: Damit sich Kinder endlich sicher und selbstständig bewegen können, braucht es Schulstraßen, Tempo 30-Zonen sowie sichere Fuß- und Radwegenetze.
19.05.2026
In den letzten zwei Wochen war viel Bewegung auf den Straßen: Bundesweit fanden 127 Kidical Mass Aktionen statt – darunter bunte Fahrraddemos, temporäre Schul- und Spielstraßen sowie Fahrradbusse. Unter den rund 27.000 Teilnehmenden waren Kinder und Erwachsene in kleinen und großen Städten. Sie alle fordern einen Straßenverkehr, der sich an den Bedürfnissen von Kindern orientiert und ihre Wege sicherer gestaltet.
Zu den Aktionswochen aufgerufen hatte das Kidical Mass Aktionsbündnis, dem über 400 lokale Organisationen und Initiativen sowie überregionale Partner*innen angehören. Das Bündnis sieht sich durch die hohe Beteiligung in seinen Forderungen bestärkt: Temporäre und dauerhafte Schulstraßen sind unerlässlich, um die Sicherheit von Schulwegen zu erhöhen. Die Bundesregierung sollte Schulstraßen daher im Straßenverkehrsrecht verankern, wie in Österreich bereits geschehen. Zugleich sind die Bundesländer gefordert, den Beispielen von Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu folgen und ihre Kommunen per Erlass zur Einrichtung von Schulstraßen zu ermutigen.
Forderung: Handlungsspielraum konsequent nutzen
Darüber hinaus ruft das Bündnis die Kommunen dazu auf, den im Zuge der StVO-Novelle im Herbst 2024 gewonnenen Handlungsspielraum konsequent zu nutzen. Dazu gehören Maßnahmen wie der Ausbau sicherer Fuß- und Radwegenetze sowie die Einrichtung von Tempo 30-Bereichen und Schulstraßen.
Simone Kraus, Co-Initiatorin der Kidical Mass:
„Die Kidical Mass Aktionswochen senden ein klares Signal: Kinder müssen sich selbstständig und sicher im Straßenverkehr bewegen können. Dass viele Maßnahmen trotz der neuen Möglichkeiten durch die StVO-Novelle weiter nur schleppend umgesetzt werden, ist für viele Familien nur schwer nachvollziehbar. Hier braucht es mehr Tempo und Verbindlichkeit – bei Schulstraßen ebenso wie bei sicheren Querungen, Zebrastreifen und Tempo 30 auf Schulwegen.”
Christiane Rohleder, VCD-Bundesvorsitzende:
„Verkehrssicherheit ist vielen Menschen ein wichtiges Anliegen – das haben die Kidical Mass Aktionswochen eindrücklich gezeigt. Zehntausende Menschen jeden Alters fordern eine kindgerechte Verkehrswende. Denn Städte, die die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen, schaffen automatisch lebenswerte Räume für alle Generationen. Es ist Zeit, dass dieses Bewusstsein endlich auch in der Politik ankommt und Schulstraßen, Tempolimits sowie sichere Rad- und Fußwege umgesetzt werden. Dass Kinder sich frei und sicher im Verkehr bewegen können, gehört ins Zentrum der Verkehrspolitik.”
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes:
„Es ist überragend, dass so viele Kinder und Erwachsene für die Forderungen der Kidical Mass auf den Straßen unterwegs waren. Wir müssen Kinder und Jugendliche auch im Bereich der Stadt- und Verkehrsplanung kontinuierlich, umfassend und möglichst frühzeitig mitbestimmen lassen. Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten in eigener Sache, auch wenn es um ihre Sicherheit im Straßenverkehr geht. Wir brauchen endlich eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Verkehrspolitik und eine echte Mobilitätswende.”
Milena Rauhaus, Changing Cities e.V.:
„Wer mit Kind Fahrrad fährt, sieht die Straßen mit anderen Augen. Für die Kleinsten gilt noch mal mehr als für uns Erwachsene: Sie brauchen geschützte Radwege und Fahrradstraßen, die den Namen verdienen. Autos sollten in der Stadt nicht schneller als 30 km/h fahren. Die große Beteiligung an den Kidical Mass Demos hat gezeigt, wie viele Eltern und Kinder sich eine bessere Verkehrspolitik wünschen. Zeit, dass die Politik ins Handeln kommt.”
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