Neue Bedarfsanalyse zur Jugendbeteiligung
Zuhören statt Vermuten
Wie können junge Menschen am besten dabei unterstützt werden, ihre Interessen selbst zu vertreten? Eine neue Untersuchung aus dem Netzwerk von Generation Europe – The Academy zeigt: Während Fachkräfte der Jugendarbeit oft über notwendige Rahmenbedingungen nachdenken, wünschen sich Jugendliche vor allem zwei Dinge: Praktische Teilhabe und das Handwerkszeug für effektive Interessenvertretung.
27.02.2026
Genau solche Angebote entwickeln aktuell neun europäische Jugendorganisationen gemeinsam im Rahmen der Erasmus+ Projektpartnerschaft „Youth Voices Rising: Empowering Through Local and EU Advocacy“. Jetzt haben sie eine umfassende Bedarfsanalyse (PDF: 3,98 MB) veröffentlicht, die auf der Projektwebsite zur Verfügung steht.
Drei Perspektiven für ein besseres Verständnis
Interessenvertretung – oder Advocacy – funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Doch decken sich die Angebote der Organisationen immer mit den Wünschen der jungen Menschen? Um das herauszufinden, haben die Projektpartner nicht nur aktive Jugendliche, sondern auch Verantwortliche von NGOs der Jugendarbeit und Jugendhilfeträgern aus verschiedenen europäischen Ländern befragt. Dieser Rundumblick ist wichtig, denn Jugendarbeit findet in einem komplexen Ökosystem statt. Die Analyse macht sichtbar, wo die Wahrnehmungen übereinstimmen und wo sie auseinandergehen.
Weniger Theorie, mehr Praxis
Der Wunsch vieler junger Menschen ist pragmatisch: „Less Theory, More Action“. Sie wollen lernen, wie man selbstbewusst vor Gruppen spricht, eine Kampagne plant und Entscheidungsträger*innen auf Augenhöhe begegnet. Gleichzeitig zeigt der Blick der Fachkräfte auf andere, ebenso wichtige Hürden. Sie sehen oft strukturelle Probleme, wie etwa fehlende Ressourcen und Sprachbarrieren, die den Zugang erschweren. Die Analyse bringt diese Puzzleteile zusammen: Benötigt werden starke Strukturen, die von Fachkräften bereitgestellt werden, gefüllt mit Methoden, die das Selbstvertrauen und die Selbständigkeit der Jugendlichen stärken.
Vom Papier direkt in die Aktion
Die Ergebnisse der Analyse haben direkte Auswirkungen auf die Praxis. Im Rahmen von „Youth Voices Rising“ haben die beteiligten Jugendorganisationen ein internationales Lobbying-Training in Thessaloniki und ein Multiplier-Training für lokale Lobbyist*innen in Bad Liebenzell geplant. An ihnen nehmen nicht nur Fachkräfte der Jugendarbeit teil, sondern vor allem auch Teilnehmer*innen
von europäischen Jugendprojekten selbst. Statt auf trockene Theorie setzt das Programm auf Simulationen, Public-Speaking-Übungen und direkte Begegnungen mit der Praxis. In den kommenden Monaten sollen die jungen Teilnehmer*innen des Multiplier-Trainings dabei helfen, lokale Lobbying-Trainings für Jugendgruppen in sechs europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Portugal, Ungarn, Griechenland und Spanien) zu organisieren.
Ein Werkzeug für die Community
Die Aktiven veröffentlichen den Report, um unseren Arbeitsprozess transparent zu machen und Wissen zu teilen. Sie betonen, dass die Ergebnisse starke Argumente für die Planung neuer Projekte liefern und auch dabei helfen können, Förderer von der Notwendigkeit praktischer Advocacy-Arbeit zu überzeugen. Zuletzt ist im Rahmen von Generation Europe – The Academy bereits das Policy Paper „Young Voices for Youth Work“ erschienen, in dem junge Menschen aus neun europäischen Ländern gemeinsam ihre Vision für eine nachhaltige, gut finanzierte und inklusive Jugendarbeit in Europa formuliert haben.
Mehr Informationen
- Generation Europe – The Academy ist ein internationales Netzwerk von Organisationen der Jugendarbeit und ein Förderprogramm für europäische Zusammenarbeit. Es wird koordiniert vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB e.V.) in Dortmund. Ziel ist es, junge Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen der Eltern und bisherigem Erfolg im formalen Bildungssystem zu aktiver europäischer Bürger*innenschaft zu befähigen.
- Die Kooperationspartnerschaft Youth Voices Rising wird kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen ausschließlich denen der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die der Europäischen Union, der Europäischen Kommission oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union, die Europäische Kommission noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.
- Pressekontakt: Rolf van Raden, IBB e.V., Tel.: 0231-95209624, E-Mail: vanraden@ibb-d.de
Quelle: IBB e.V. vom 25.02.2026
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