Sozialpolitik

Wohnungslosigkeit steigt – Familien und junge Menschen besonders betroffen

Wohnungslosigkeit in Deutschland nimmt spürbar zu – mit besonders dramatischen Folgen für junge Menschen und Familien. Die AWO schlägt Alarm: Der Wohnungsmarkt ist überhitzt, soziale Ungleichheit wächst. Gefordert sind entschlossene politische Maßnahmen, um Wohnraum zu sichern und soziale Ausgrenzung zu verhindern.

21.07.2025

Die am 08.07.2025 vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg.

Zum Stichtag 31. Januar 2025 waren in Deutschland rund 474.700 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht – das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr (2024: 439.500). Besonders alarmierend: 41 Prozent der Betroffenen sind unter 25 Jahre alt, und Paare mit Kindern bilden mit 34 Prozent die größte Gruppe.

„Es kann und darf nicht sein, dass in einem reichen Land wie Deutschland weiterhin so viele Menschen – darunter Familien mit Kindern, Jugendliche und alleinerziehende Frauen – ohne eigene Wohnung leben müssen. Der Wohnungsmarkt ist vielerorts überhitzt. Es ist höchste Zeit zu handeln!“,

 so AWO-Präsident Michael Groß.

Die AWO begrüßt die Verlängerung der Mietpreisbremse, betont jedoch: Das alleine reicht nicht. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Wohnungslosigkeit (NAP W) – mit klaren Zielen, verbindlichen Maßnahmen und ausreichender Finanzierung.

Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter: Alleinerziehende, Jugendliche ohne familiären Rückhalt, Menschen mit Behinderung oder geflüchtete Menschen ohne Zugang zum Wohnungsmarkt. Viele Betroffene leben verdeckt – etwa bei Bekannten – und diese Anzahl ist in der vorgelegten Statistik nicht inkludiert. Das heißt, die Zahl von Menschen, die keine Wohnung haben, ist noch höher. Wohnungslosigkeit ist ein Ausdruck von Armut – und führt häufig zu sozialer Ausgrenzung. Menschen ohne Wohnung sind in vielerlei Hinsicht besonders verletzlich: Sie haben oft keinen Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung oder gesellschaftlicher Teilhabe. Besonders alarmierend ist die zunehmende Gewalt gegen wohnungslose Menschen. Immer häufiger werden sie Opfer von Übergriffen, Diskriminierung und Ausgrenzung – sei es auf der Straße, in Unterkünften oder im öffentlichen Raum. Diese Entwicklung ist zutiefst besorgniserregend und zeigt, wie dringend Schutz, Anerkennung und politische Maßnahmen notwendig sind.

Forderungen der AWO

  • Die Förderung von Wohngemeinnützigkeit und Gesetzesänderungen für einen stärkeren Mieter*innenschutz
  • Mehr sozialen Wohnungsbau mit langfristiger Bindung
  • Recht auf Wohnen gesetzlich verankern
  • Prävention stärken und Angebote ausbauen, z. B. durch Mietschuldenberatung und Hilfen bei drohendem Wohnungsverlust
  • Teilhabe sichern, zum Beispiel durch niedrigschwellige Angebote in Bildung, Arbeit und Gesundheit

Quelle: AWO Bundesverband e.V. vom 09.07.2025

Redaktion: Klara Neumann