Erziehungshilfen

Wirksame Hilfe für Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf

Nicht alle Kinder und Jugendliche, die Hilfe benötigen, werden mit den herkömmlichen Angeboten von Erziehungshilfen erreicht. Daher bietet die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie für diese Fälle seit 2018 mit der Berliner „Koordinierungsstelle zur Entwicklung flexibler Hilfesettings für Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf“ ein bundesweites Konzept an. Ein Evaluationsbericht zeigt, dass die Arbeit der Koordinierungsstelle wirksam ist.

07.11.2022

Aufgrund komplexer Problemsituationen wie Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung und durch häufige Beziehungsabbrüche innerhalb der Familie und im Hilfesystem können sich einige jungen Menschen nur schwer auf Hilfsangebote und Bezugspersonen einlassen. Herkömmliche Angebote der Jugendhilfe stoßen in diesen Fallkonstellationen häufig an ihre Grenzen. Die Berliner „Koordinierungsstelle zur Entwicklung flexibler Hilfesettings für Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf“ soll genau solche Fälle auffangen. 

Bereits über 60 Fälle wurden hier mit neuer Methodik und in neuen Strukturen beraten und neue Hilfswege erarbeitet. Dafür wurde im Doppelhaushalt 2022/2023 das Team nun um eine dritte Stelle aufgestockt. Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Koordinierungsstelle wurde über zwei Jahre in einer Evaluation die Arbeit untersucht. Das siebenköpfiges Team des Studiengangs Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) stellt danach fest: Die Methoden und Kompetenzen der Koordinierungsstelle bieten sehr gute Voraussetzungen für die Schaffung individueller, bedarfsgerechter und tragfähiger Hilfen.

Unter der Leitung von Professor Dr. Robert Wunsch (EHB) und Professorin Dr. Viktoria Bergschmidt (EHB) bescheinigt die Evaluation eine positive und wirksame Arbeitsweise, die die Jugendlichen stark in den Mittelpunkt, in Prozesse einbindet stellt und ihre Wüsche berücksichtigt. Zusätzlich zeigt die Evaluation auf, welche Faktoren zur individuellen Unterstützung und Begleitung dieser jungen Menschen förderlich und welche hemmend sind.

Astrid-Sabine Busse, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie betont, dass die Hilfsangebote nachhaltig wirksam sein müssen. Mit der Berliner Koordinierungsstelle sei dies nun nachweislich gelungen, so Busse. Sie hebt besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Mitbestimmung der Betroffenen als Chancen für junge Menschen, deren Familien und das soziale Umfeld, hervor. Auch Professorin Dr. Viktoria Bergschmidt, Forschungsleitung, zeigte sich davon beeindruckt, wie gut es gelingt, die Hilfen konsequent am Willen und an den Vorstellungen der jungen Menschen zu orientieren und basierend auf einer für die Zielgruppe entwickelten Methode des Fallverstehens umzusetzen.

Neben der intensiven Einbeziehung der betroffenen Kinder und Jugendlichen gehört zu den neuen Ansätzen auch ein Fallberatungsgremium, das gleichermaßen mit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie besetzt ist. Mit einem „Team auf Zeit“ bestehend aus allen beteiligten Fachkräften werden die Kinder und Jugendlichen eng begleitet. Dies ist ein zentraler Faktor im Konzept.

Fazit der Evaluation

Die Methoden und Kompetenzen der Koordinierungsstelle bieten gute Voraussetzungen für die Schaffung individueller, bedarfsgerechter und tragfähiger Hilfen. Die Koordinierungsstelle wirkt dabei sowohl nach „Innen“, in die einzelnen Erziehungshilfeverläufe hinein, und nach „Außen“, in das System der Kinder- und Jugendhilfe sowie in die weiteren beteiligten Systeme, z.B. die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Und auch für die Berliner Jugendämter und beteiligten Akteur:innen ergeben sich neue, verbindliche Arbeitsstrukturen und Prozesse für den fachlichen Austausch und die gemeinsame Planung.

Dem Forscher:innenteam gehörten unter Leitung von Prof. Dr. Viktoria Bergschmidt und Prof. Dr. Robert Wunsch auch Prof. Dr. Mathias Schwabe, Professor für Soziale Arbeit, Prof. Dr. Florian Hinken, Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe sowie die studentischen Mitarbeiter:innen Lea Thomes, Rebecca Kronsteiner und Andreas Flotow an.

Der ausführliche Evaluationsbericht kann auf der Website der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin nachgelesen werden.

Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin vom 28.10.2022

Redaktion: Johanna Fock

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