bagfa-Dialog-Forum

Über die Rolle der Freiwilligenagenturen in der Ukraine-Hilfe

Zwei Hände halten eine kleine Lichterkette

Was können Freiwilligenagenturen dazu beitragen, geflohene Ukrainer/-innen zu unterstützen? Das war die Frage beim Dialog-Forum der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa) am 11. April, gestellt vor dem Hintergrund eines andauernden Kriegs, der immer mehr Vertreibung und Zerstörung bringt und auch die Hoffnung schneller Rückkehr raubt.

26.04.2022

Ein zentraler Teil der Antwort, gegeben von den zwei Gesprächspartner/-innen Birgit Bursee, Freiwilligen-Agentur Magdeburg e.V., Wolfgang Krell, Freiwilligen-Zentrum Augsburg gGmbH, aber auch aus dem Kreise der Teilnehmenden, lautete: Man ist schnell und kompetent gewesen, spontanes Engagement zu koordinieren. Die Strukturen und die Vernetzung mit Kooperationspartner/-innen, aufgebaut in der Fluchtmigration 2015f, ließen sich schnell aktivieren – und sie funktionieren. Wenn Medien kritisieren, man habe aus den Fehlern damals nichts gelernt, kann man das für das Engagement nicht bestätigen, im Gegenteil.

Die Lage in der Ukraine ist schlimm, die der Geflüchteten auch – umso wichtiger war es Moderator Tobias Kemnitzer, zum Einstieg nach Positivem zu fragen. Was brachten die Kolleg(-inn)en hier ein? Unter anderem, dass es besser laufe als vor sieben Jahren, als die letzte große Welle der Zuwanderung begann. In der sechsten Woche nach Kriegsbeginn und erstem Eintreffen von Geflüchteten sei man schon so weit wie damals nach einem Jahr.  

Auch sei die Hilfs- und Kooperationsbereitschaft größer. Hervorgehoben wurde nicht zuletzt das Engagement derer, die vor einigen Jahren nach Deutschland geflohen sind. Menschen aus Syrien oder Afghanistan etwa wollen jetzt etwas zurückgeben.

Was ist die Rolle von Freiwilligenagenturen, um Geflüchteten zu helfen, was sollte sie sein?

Für Wolfgang Krell, Freiwilligen-Zentrum Augsburg, ist die zentrale Rolle von Freiwilligenagenturen in allen Krisenfällen: das viele spontane Engagement einbinden und koordinieren. Darauf müsse man sich vorbereiten, wie das am besten gelingt. Keine leichte Aufgabe, denn die Menschen kommen ja erst zu einem bestimmten, unvorhersehbaren Zeitpunkt. Deshalb sei langfristige Vernetzung so wertvoll. Kolleg(-inn)en ergänzten, diese Vorbereitung auf den Ernstfall solle strategisch erfolgen, etwa auch durch eine Erweiterung des Qualitätsmanagementsystems.      

Eine weitere Rolle sieht Wolfgang Krell darin, das Freiwilligenmanagement von etwa ukrainischen Vereinen zu unterstützen, die jetzt enorm viele weitere Aufgaben übernehmen.

Dazu passt, was Teilnehmende diskutierten: Es müsse zentral auch darum gehen, wie die Hilfsbereitschaft auch längerfristig erhalten werden, viele Sorgen bestehen, Freiwillige könnten sich überlasten und ausbrennen.

Teilnehmende brachten unter anderem noch die Aufgabe von Freiwilligenagenturen als „Informationsdrehscheibe“ ein. Und es solle darum gehen, Helferstrukturen zusammenzubringen, indem man alle relevanten Akteure vernetzt, auch um die „Entlastung von Freiwilligen“ zu erreichen.

Was sind Herausforderungen bei der Versorgung der Geflüchteten?

Vielerorts sind zentrale Ressourcen knapp. Schulen und Kita-Betreuung, sagt Wolfgang Krell für Augsburg, seien ohnehin schon überlastet, und freie Wohnungen, die mit den Mietobergrenzen der Jobcenter bezahlbar wären, eher selten.

In Austauschrunden wurden die Menschen thematisiert, die Ukrainer/-innen privat untergebracht haben. Weil sie für die Wohnraumversorgung wie für die sonstige Unterstützung eine zentrale Rolle spielen, sei umso wichtiger, auch sie zu unterstützen in ihrem weitreichenden Engagement. Allerdings ist es schwer, an diese Gruppe heranzukommen. Man versucht sich bislang mit stadtteilbezogenen Austauschtreffen, offenen Angeboten wie Cafés. Insgesamt  war eine allgemeine Einschätzung, müsse man jetzt Räume organisieren, dass Menschen zusammen kommen können.

Gibt es Ungleichbehandlungen der Geflüchteten und Konkurrenzen?

Ja, fand etwa Birgit Bursee, Freiwilligenagentur Magdeburg, sie seien ja unübersehbar. So könnten Ukrainer/-innen kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen, während anderen Geflüchteten das nicht gestattet ist oder möglich war. In Magdeburg hat die Kommune auch Dolmetscher richtig angestellt, um diese wichtige Aufgabe nicht ans Ehrenamt abzuwälzen.

Auch mögen sich manche Menschen eher für Ukrainer/-innen engagieren. In Ostdeutschland gebe es eine kulturelle Nähe, auch weil viele noch Russisch sprechen und sich leichter verständigen könnten. Anders als Geflüchtete aus Syrien oder Afghanistan finden Ukrainer/-innen in vielen Städten eine Community mit Landsleuten vor, die sich sehr stark in der Hilfe einbringen.

Woher sollen die Mittel für all die viele Arbeit kommen?  

Noch ist das nicht geklärt. Die bagfa wird das Bundesfamilienministerium ansprechen. Wenn 100 Milliarden für die Bundeswehr bereitgestellt werden, dann wäre es nicht zu viel verlangt, wenn es eine Milliarde für die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements gibt.  

Eine Teilnehmerin verwies darauf, dass dies gerade die Zeit der Stiftungen sei. Schließlich könnten die, anders als staatliche Akteure, ohne langen Vorlauf fördern. Auch könnte sich lohnen, Unternehmen gezielt anzusprechen, nicht nur auf Zeit-, sondern auch auf Geldspenden.  

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V.  vom 12.04.2022

Redaktion: Pia Kamratzki

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