Finanzierung der Schuldigitalisierung
Strukturelle Defizite bremsen digitale Bildung in Deutschland
Die Digitalisierung der Schulen in Deutschland wird durch strukturelle Defizite gebremst. Trotz des DigitalPakts Schule zeigt eine Studie, dass die Finanzierungs- und Steuerungsarchitektur unklar und nicht nachhaltig ist. Unklare Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie fehlende langfristige Finanzierungsmodelle behindern die digitale Transformation.
23.04.2026
Die Digitalisierung der Schulen in Deutschland kommt trotz umfangreicher Programme wie dem DigitalPakt Schule nur schleppend voran. Eine neue Studie zeigt: Zentrale Ursache ist weniger ein grundsätzlicher Mangel an Mitteln als vielmehr eine strukturell unklare und nicht nachhaltig angelegte Finanzierungs- und Steuerungsarchitektur. Obwohl bereits ein Großteil der Mittel aus dem DigitalPakt Schule verplant ist, bleibt die Wirkung vieler Investitionen begrenzt. Insbesondere die hergebrachte Zuständigkeitsverteilung zwischen Ländern, Kommunen und Bund erweist sich als Hemmnis für eine wirksame und dauerhafte digitale Transformation des Bildungssystems.
„Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter kann nicht mit den Entscheidungsstrukturen des vergangenen Jahrhunderts betrieben werden. Wir müssen weg vom Denken in Geräten und Anschlüssen und hin zur pädagogischen Kernfrage: Was brauche ich an digitaler Unterstützung für guten Unterricht?“, sagt Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland.
Unklare Zuständigkeiten und fehlende Verstetigung
Die Studie zeigt, dass die klassische Trennung zwischen inneren und äußeren Schulangelegenheiten den Anforderungen digitaler Bildung nicht mehr ausreichend gerecht wird. Während die Länder für pädagogische Fragen zuständig sind, tragen Kommunen einen Großteil der Kosten für Infrastruktur, Geräte und IT-Support. Digitale Technologien lassen sich jedoch selten eindeutig zuordnen, mit der Folge, dass Verantwortung häufig zwischen den Ebenen verschoben wird. Zugleich fehlt es an langfristig gesicherten Finanzierungsmodellen. Investitionen in Geräte und Infrastruktur erfolgen oft ohne nachhaltige Finanzierung für Wartung, Support oder Lizenzkosten. Temporäre Förderprogramme können diese strukturellen Defizite nicht ausgleichen.
Belastungen für Schulen und fragmentierte Systeme
Schulleitungen und Lehrkräfte sehen sich im Alltag mit instabiler Technik, fehlendem Support und komplexen rechtlichen Vorgaben konfrontiert. Gleichzeitig erwarten Politik und Gesellschaft, dass Schulen die digitale Transformation aktiv gestalten. Diese Diskrepanz führt zu erheblichen Belastungen im Schulalltag. Auch auf Systemebene zeigen sich Probleme: Unterschiedliche technische Standards, Datenschutzbewertungen und Beschaffungsprozesse in den Bundesländern erschweren die Zusammenarbeit und hemmen Innovationen, etwa für EdTech-Unternehmen und Bildungsanbieter.
Vier zentrale Ansatzpunkte für eine nachhaltige Lösung
Die Studie identifiziert vier zentrale Hebel für eine zukunftsfähige Finanzierung der Schuldigitalisierung: eigenverantwortliche schulische Digitalbudgets mit pädagogischem Fokus, eine dauerhaft abgestimmte Finanzierung über alle föderalen Ebenen hinweg, der Ausbau regionaler Supportstrukturen sowie transparente und innovationsfreundliche Beschaffungsmodelle. Erst im Zusammenspiel dieser Ansätze kann ein stabiles und leistungsfähiges System entstehen.
Methodik der Studie
Die Studie wurde vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) durchgeführt. Autor*innen sind Ewa Bacia, Dieter Dohmen, Janaki Koch, Jakob Klingemann und Judith Wenninger. Methodisch beruht die Untersuchung auf einer Kombination aus Dokumentenanalysen, Expert*inneninterviews auf Bundes- und Landesebene, Gesprächen mit Schulleitungen, Schulträgern, Schulaufsichten und Medienzentren sowie einer ergänzenden Befragung von EdTech-Unternehmen. Die Datensammlung konzentrierte sich auf drei Länder: Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg. Zwei Fokusgruppendiskussionen dienten der Validierung und Weiterentwicklung der zentralen Befunde.
Quelle: Vodafone Stiftung vom 25.03.2026
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