Freiwilligendienste
„Politik gefährdet Vertrauen der Jugend“
Der Deutsche Caritasverband fordert ein Freiwilligendienste-Stärkungsgesetz und erhält Rückenwind von der Deutschen Bischofskonferenz, die die Stärkung freiwilligen Engagements als zentralen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft betont. Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa: „Wenn die Politik weiter zögert, verlieren wir das Vertrauen einer ganzen Generation - das können wir uns nicht leisten."
16.10.2025
Der Deutsche Caritasverband (DCV) appelliert an Bundesfamilienministerin Prien, umgehend ein Freiwilligendienste-Stärkungsgesetz vorzulegen. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa warnt eindringlich:
„Wenn wir jetzt nur den Wehrdienst attraktiver machen, ohne parallel die Jugendfreiwilligendienste auszubauen, misslingt der große Schulterschluss für mehr Resilienz in der Krise und wir verlieren das Vertrauen der jungen Generation, die bereit ist aktiv Verantwortung zu übernehmen und die sich wünscht, das im guten Miteinander gegen äußere, innere und soziale Bedrohungen zu gestalten.”
Der DCV fordert die gleichwertige Stärkung der Jugendfreiwilligendienste, der Dienste im Zivilschutz und eines freiwilligen Wehrdienstes. Bisher liegt nur der Gesetzentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes vor. Flankierend braucht es dringend einen Gesetzentwurf aus dem Bundesfamilienministerium, der allen jungen Menschen einen Zugang zu einem freiwilligen Dienst garantiert: durch eine faire Vergütung als Rechtsanspruch, Anerkennung der Dienstzeiten auf Ausbildung und Studium, verbindliche Beratungsangebote für Schulabgänger*innen und gesellschaftliche Wertschätzung.
Sicherheit umfassend verstehen
„Deutschland steht mitten in einer Zeit sich überlagernder Krisen: Autokraten drohen mit militärischer Gewalt, Pandemien und Naturkatastrophen erschüttern unseren Alltag- und das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz bleibt weit hinter dieser Realität zurück. Ein Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienstplatz ist sofort möglich - ohne Grundgesetzänderung und wesentlich besser vereinbar mit unserer freiheitlichen Ordnung als jedes Pflichtjahr”,
so Welskop-Deffaa.
Die steigenden Zahlen der Kriegsdienstverweigerung machen den Handlungsdruck deutlich: 2021 stellten 200 Menschen einen Antrag, 2022 bereits 1.100, 2024 waren es 3.000. Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden schon 1.700 Anträge registriert – für das Gesamtjahr ist mit deutlich über 3.500 zu rechnen.
Heute leisten bereits rund 100.000 junge Menschen einen Freiwilligendienst – davon allein über 5.500 im Freiwilligen Sozialen Jahr in Einrichtungen der Caritas. Nach Einschätzung der Caritas ließe sich dieses Potenzial mithilfe des geforderten Gesetzes kurzfristig verdoppeln.
In der Debatte um ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr verweist der Deutsche Caritasverband auf die dafür notwendige Grundgesetzänderung. Da für diese Grundgesetzänderung die nötigen Mehrheiten erkennbar fehlen, sieht der Deutsche Caritasverband die besondere Chance und Notwendigkeit, die umfassende Stärkung der Freiwilligendienste unverzüglich in Angriff zu nehmen.
Rückenwind erhält diese Forderung aus der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Die Bischöfe betonen, dass Freiwilligkeit Vorrang vor Pflicht haben muss. Sie sprechen sich gegen eine vorschnelle Wiedereinführung der Wehrpflicht aus und setzen stattdessen auf einen überzeugend gestalteten Freiwilligendienst, der jungen Menschen echte Perspektiven bietet und einen eigenständigen Beitrag zu einer solidarischen und widerstandsfähigen Gesellschaft leistet.
Quelle: Deutscher Caritasverband e. V. vom 26.09.2025
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