Saarland
Modellphase mit „WUSCHEL-App“ testet Sprachstand von 2.000 Vierjährigen im Saarland
Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sind häufig benachteiligt. Nach intensiver Forschung geht im April 2026 das digitale Kinderspiel „WUSCHEL“ in saarländischen Kitas an den Start. Ziel ist es, den Sprachstand von Vierjährigen flächendeckend zu testen, um bei Bedarf individuelle Fördermaßnahmen auf den Weg zu bringen.
05.05.2026
„WUSCHEL ist ein innovatives und vor allem wissenschaftlich fundiertes Verfahren, das die Kommunikationskompetenz von Vorschulkindern messen kann – unabhängig von deren persönlichen Biografien“, erklärt Prof. Dr. Stefanie Haberzettl, Lehrstuhl Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Universität des Saarlandes. Die Germanistin betreut den Einsatz der WUSCHEL-App, mit der im Saarland ab April rund 2.000 Kinder getestet werden sollen. Dies gehört zur Modellphase des Programms „Startklar Deutsch – alle Chancen für alle Kinder“, das das saarländische Ministerium für Bildung und Kultur ausgerufen hat. Geplant ist, im Rahmen der Schulanmeldung künftig den Sprachstand aller Kinder zu erfassen.
Grundlage für konkrete Fördermaßnahmen schaffen
Die App misst die Sprachkompetenzen von vier- bis sechsjährigen Kindern – es ist ein Serious Game mit dem Hund „Wuschel“. Das zu testende Kind wird über ein Tablet spielerisch in eine 25-minütige Abenteuergeschichte verwickelt, wobei es dem etwas schusseligen Hund intuitiv zur Seite steht. Es muss ihm in Form von Instruktionen, Beschreibungen oder Berichten immer wieder aus der Patsche helfen. Die Sprache des Kindes wird dabei transkribiert und durch einen linguistischen Algorithmus ausgewertet. Es entsteht eine differenzierte Aussage über die kommunikativen Fähigkeiten des Kindes, auf deren Grundlage bei Bedarf konkrete Fördermaßnahmen abgeleitet werden können. Haberzettl betont: „Durch den Einsatz von WUSCHEL sparen die Fachkräfte in den Kitas Zeit und gewinnen Hinweise, wie sie den Erwerb des Deutschen frühzeitig unterstützen können.“
Seinen Startpunkt fand das mit 1,3 Millionen Euro geförderte Projekt „Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ bereits im Jahr 2014 im Rahmen der Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ der Daimler und Benz Stiftung. Prof. Dr. Jörg Roche, Institut für Deutsch als Fremdsprache der Ludwig-Maximilians-Universität München, war langjähriger Projektleiter: „Begonnen haben wir mit völlig ergebnisoffener Grundlagenforschung zur Entwicklung dieses spielerischen Diagnose-Tools. Unser Ziel war es, ein praktisches und einfach handhabbares Werkzeug für den Einsatz im Kita-Alltag zu entwickeln.“
Das interdisziplinäre Forscher*innenteam hat durch das Förderprojekt den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, dass man die Sprachstandsdiagnose valide, objektiv und fair gestalten kann. Auf Basis einer solchen Erhebung lassen sich Kinder mit Förderbedarf dann zielgerichtet unterstützen. Nach der langjährigen Entwicklungsarbeit freuen sich Roche und Haberzettl über den großflächigen Praxiseinsatz der innovativen WUSCHEL-App im Saarland. Sie hoffen, dass das spielerische Diagnose-Tool in allen deutschsprachigen Ländern Standard wird. „Im Augenblick arbeiten wir zusätzlich an einem WUSCHEL-Förderkosmos“, gibt Roche einen Ausblick. Geplant sind weiterführende Materialien, die in Kitas und Schulen zur individuellen Sprachförderung eingesetzt werden können und damit die WUSCHEL-App komplettieren.
Ladenburger Kollegs
Die Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ bietet Wissenschaftler*innen die Möglichkeit, innerhalb eines interdisziplinären Forschungsverbunds Themenstellungen über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Unter der Leitung eines wissenschaftlichen Koordinators mit Sprecherfunktion wird das Forschungsthema von mehreren Arbeitsgruppen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland bearbeitet.
Daimler und Benz Stiftung
Die Daimler und Benz Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung. Dazu richtet sie innovative und interdisziplinäre Forschungsformate ein. Ein besonderes Augenmerk legt die Stiftung durch ein Stipendienprogramm für Postdoktorand*innen sowie die Vergabe des Bertha-Benz-Preises auf die Förderung junger Wissenschaftler*innen. Mehrere Vortragsreihen sollen die öffentliche Sichtbarkeit von Wissenschaft stärken und deren Bedeutung für unsere Gesellschaft betonen.
Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen vom 16.03.2026
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