SOS-Kinderdörfer
Kriege und mangelnde Prävention befeuern den weltweiten Kinderhandel
Jedes dritte Opfer von Menschenhandel ist ein Kind. Mit der weltweiten Zunahme bewaffneter Konflikte wächst die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Krisenregionen vielfältigen Formen der Ausbeutung ausgesetzt sind. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer anlässlich des Internationalen Tags gegen Menschenhandel am 30. Juli hin.
24.08.2026
Dass viele Länder in den letzten Jahren zudem Maßnahmen zur Prävention, Aufdeckung und Bekämpfung von Kinderhandel reduziert haben, begünstigt den Negativtrend.
So sind etwa Kampagnen zur Geburtenregistrierung, eines der wirksamsten Mittel gegen Kinderhandel, seit 2016 um mehr als die Hälfte eingespart worden.
„Wenn Kinder zur Kriegsbeute und Ware werden, hinterlässt das tiefe körperliche und seelische Narben, die ein Leben lang bleiben. Die internationale Gemeinschaft muss dringend in Präventions- und Schutzmaßnahmen investieren und sicherstellen, dass in Krisenregionen der humanitäre Zugang bedingungslos gewährt wird. Auf internationaler Ebene ist auch die Rechenschaftspflicht der Täter lückenlos durchzusetzen",
sagt Boris Breyer, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.
Die Schwächsten der Schwächsten stellen die größte Gruppe der Opfer
Neben Frauen sind Kinder am häufigsten von Menschenhandel betroffen, vor allem die in der Altersgruppe der 9- bis 17-Jährigen. Generell sind die Ausbeutungszwecke stark geschlechtsspezifisch geprägt, so auch in bewaffneten Konflikten. Mädchen werden zumeist zur sexuellen Sklaverei, Kinderheirat und Hausarbeit genötigt, Jungen für Kampfeinsätze rekrutiert und zur Kriminalität gezwungen. Das Risiko des Menschenhandels durch Konfliktparteien ist besonders hoch für unbegleitete Kinder auf der Flucht und in Geflüchtetencamps. Auch sind Kinder aus armutsbetroffenen Familien sehr gefährdet und die, die einer ethnischen Minderheit angehören.
Mädchen und Frauen sind am stärksten von Menschenhandel betroffen. Mit 61 Prozent ist die sexuelle Ausbeutung die verbreitetste Form des Menschenhandels.
Brennpunkte des Kinderhandels in bewaffneten Konflikten
- Im Südsudan wird der Kinderhandel durch die Vertreibung hunderttausender Menschen aus dem Sudan, durch den mangelnden Zugang zu humanitärer Hilfe und Angriffe auf Schulen extrem befeuert. Zu den Konfliktparteien zählen staatsnahe und oppositionelle Truppen sowie kriminelle Banden. Sie verschleppen Mädchen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und häuslichen Knechtschaft. Jungen werden für Kampfeinsätze und Angriffe auf Zivilisten zwangsrekrutiert. Laut des Hochkommissariats für Menschenrechte kommt in 44 Prozent der Fälle von Rekrutierung körperliche Gewalt zum Einsatz.
- Infolge politischer Instabilität üben in Haiti allein im Großraum Port-au-Prince rund 26 rivalisierende Banden übermäßige Gewalt aus. Gemäß UN betreiben fast alle Kinderhandel. Dazu werden gezielt Kinder aus armutsbetroffenen und marginalisierten Familien anvisiert, die nach Zugehörigkeit und Schutz suchen. Ihnen werden zum Beispiel regelmäßiger Lohn oder Drogen versprochen. Dafür müssen Jungen Schutzgelder eintreiben und Menschen überwachen, teils werden sie gezwungen, Tötungen auszuführen.
- In Myanmar herrscht seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Militärjunta und Oppositionellen. Vor allem im Bundesstaat Rakhine sind Kinder und Jugendliche von Rebellengruppen für Kampfeinsätze zwangsrekrutiert worden. Auch im benachbarten Bangladesch sind Kinder, die der Ethnie der Rohingya angehören, massiv dem Kinderhandel ausgesetzt. Aus ihrer Heimat Myanmar geflüchtet leben etwa 600.000 von ihnen in Geflüchtetencamps. Laut UN werden dort insbesondere unbegleitete Kinder häufig Opfer von Kinderehen und zu Zwangsarbeit und kriminellen Handlungen gezwungen.
Quelle: SOS-Kinderdörfer weltweit vom 29.07.2026
Termine zum Thema
-
16.09.2026
Umsetzung des institutionellen Schutzauftrages in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung und Inobhutnahme
-
17.09.2026
Kinderschutz im (internationalen) Jugendkulturaustausch und bei Begegnungsreisen
-
29.09.2026
Ein weiterer Blick - Kinderschutz migrationssensibel umsetzen
-
29.09.2026
Mobbing erkennen und handeln
-
30.09.2026
Workshop: Zwischen Verantwortung und Selbstschutz - Selbstfürsorge als professionelle Kompetenz im Kinderschutz
Materialien zum Thema
Projekte zum Thema
-
Kindersprachbrücke Jena e.V.
PARTS - Programm zur Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz
-
MUTPraxis
Traumapädagogische Stabilisierung und psychosoziale Prävention im pädagogischen Alltag (MUTPraxis)
-
Deutsches Jugendinstitut; Institut für Soziale Arbeit; BAG Die Kinderschutz-Zentren
Qualitätsentwicklungsverfahren im jugendamtlichen Kinderschutz in Nordrhein-Westfalen
-
Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
„Kinderschutz im Saarland“ – bundesweite E-Learning-Angebote für Fachkräfte und Ehrenamtliche
-
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention gegen Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierte Gewalt e.V.
Fortbildungsnetz sG - Datenbank für Fortbildungsangebote zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend
Institutionen zum Thema
-
Verband / Interessenvertretung
Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e. V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
AMYNA e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
AMYNA e.V. - Schutz von Mädchen* und Jungen* vor sexueller Gewalt
-
Sonstige
GAMESHIFT / EDUCATION Y
-
Sonstige
Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V.