Kindergesundheit

Klimakrise – Folgen für chronisch kranke Kinder besonders gravierend

Chronisch kranke Kinder sind durch Klimaveränderungen besonders betroffen, wie der Sommer 2025 zeigte. Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin fordert umfassende Maßnahmen für 2026, darunter Evakuierungspläne und Notfalltaschen. Aktuelle Hitzeschutzmaßnahmen reichen nicht aus, um die Gesundheit dieser Kinder zu schützen.

31.10.2025

Chronisch kranke Kinder leiden unter den sich verschärfenden Klimabedingungen in ganz besonderer Weise. Dies hat der Sommer 2025 wieder eindeutig gezeigt. Bereits bestehende Ungleichheiten im Vergleich mit Kindern ohne chronische Krankheiten vergrößern sich so weiter. Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) fordert daher im Hinblick auf den Sommer 2026 Maßnahmen, die weit über den bisher praktizierten vorbeugenden Hitzeschutz
hinausreichen.

Auf diese dringenden Erfordernisse haten zuletzt auch Ursula Anders aus Potsdam und Dr. Stephanie Boßerhoff aus Wesel von der AG Klimaschutz der DGSPJ beim Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig hingewiesen und dies mit Daten und Fakten belegt. Schlechte Klimabedingungen würden etwa laut Boßerhoff bei Kindern mit atopischer Dermatitis einen erhöhten Juckreiz auslösen, der durch Schweiß und zusätzlichen Stress entsteht. Bei Kindern mit Epilepsie verschärften sich bereits bestehende Schlafstörungen durch Hitze zusätzlich und erhöhten auch das Stresserleben insbesondere bei Extremweterereignissen. Diese häte auch für Kinder mit Behinderungen gravierende Auswirkungen, weil ihr Selbstschutz durch eingeschränkte Mobilität und mangelndes Gefahrenbewusstsein reduziert ist. Schlechter gewappnet gegen Klimaveränderungen sind nach den Erfahrungen von Ursula Anders chronisch kranke Kinder aber auch deshalb, weil 30 Prozent von ihnen zusätzlich mit klinisch relevanten psychischen Belastungen – etwa in Gestalt von Ängsten oder
Essstörungen – leben müssen.

Um all diese Auswirkungen zu bewältigen, reichten derzeitige Hitzeschutzmaßnahmen (Verschatung, Klimatisierung, vermehrte Flüssigkeitszufuhr, Anpassung der Medikation) bei weitem nicht aus, erläutert Boßerhoff. Dringend erforderlich sei darüber hinaus

  • das Aufstellen von Evakuierungsplänen (etwa für wichtige Hilfsmitel wie Rollstühle)
  • das Vorhalten von Notfalltaschen (passend zu Art und Schwere der chronischen Erkrankung)
    sowie
  • eine ausreichende Vorratshaltung von Medikamenten von bis zu drei Monaten.

Ursula Anders fordert darüber hinaus dazu auf, kostenfreies Informationsmaterial in Printform oder als Videomaterial in den jeweiligen Wartezimmern in Kliniken und Praxen anzubieten oder auch spezielle Kinderbücher bereitzustellen, die die Klimakrise kindgerecht aufbereiten.

Besonders hilfreich sind zudem die beiden von der DGSPJ – insbesondere für Ärzte und andere mit Kindern arbeitenden Fachgruppen – erstellten Checklisten „Klimafreundliches Arbeiten im Team“ und „Klimakrise im Patient*innen-Kontakt.“ Dort werden unter anderem wichtige medizinische Besonderheiten bei der Erkennung klimabedingter Faktoren benannt und Potenziale aufgezeigt, wie Fachleute die eigene positive Vorbildfunktion gegenüber den Eltern und der Öffentlichkeit zeigen und kommunizieren können.

Mehr unter htps://www.dgspj.de/wp-content/uploads/papiere-der-qaulitaetszirkel-klima-checklisten-2024.pdf.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin vom 16.10.2025

Redaktion: Paula Joseph