Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Kinderschutz in der Kulturellen Bildung
Wo Kreativität und Begegnung entstehen, braucht es auch klare Grenzen. Warum Prävention sexualisierter Gewalt in der Kulturellen Bildung so zentral ist – und wie Einrichtungen Kinder und Jugendliche aktiv in den Schutz einbeziehen können. Drei Fragen an Anna Müller und Annina Hessel von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ).
25.11.2025
Anna Müller ist als Fortbildungsreferentin und Projektleiterin für Kinderrechte im Projekt „Start2Act“ der BKJ tätig.
Annina Hessel gehört als Referentin für Kinderrechte zum „Start2Act“-Team der BKJ.
Warum ist Prävention von sexualisierter Gewalt in der Kulturellen Bildung wichtig?
Annina Hessel: „Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist überall wichtig, wo sie sich aufhalten - aber Orte der Kulturellen Bildung haben ein paar besondere Herausforderungen und Potentiale. In vielen Sparten spielen Berührungen und der Körper eine wichtige Rolle, z.B. im Tanz, Theater oder auch beim Musizieren. Gleichzeitig entstehen in gemeinsamen Projekten teils tiefe Bindungen, Nähe und Vertrautheit. Diese Kontexte bergen Risiken für Grenzverletzungen, bieten aber zugleich Chancen, gemeinsam einen guten Umgang zu gestalten und Selbstbestimmung aktiv zu fördern.“
Anna Müller: „Die Prävention sexualisierter Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Umso entscheidender ist es, dass Akteur*innen der Kulturellen Bildung aktiv dazu beitragen.
Ein sensibler Umgang mit Nähe sowie offene Möglichkeiten, über persönliche Grenzen zu sprechen, stärken Sicherheit und positive Erfahrungen. Auf diese Weise werden Kinder und Jugendliche wirksam geschützt und ihre Rechte gestärkt.“
Mit welchen Maßnahmen können Grenzverletzungen frühzeitig erkannt und verhindert werden?
Annina Hessel: „An Orten der Kulturellen Bildung können Kinder und Jugendliche empowert werden und erleben, was gelebte Prävention bedeutet.: z.B. in dem dort gut mit ihren persönlichen Grenzen umgegangen wird, weil es ein funktionierendes Beschwerdesystem gibt oder Ansprechpersonen, die sie erst nehmen und auf sie eingehen.“
Ein gelebtes Schutzkonzept gibt allen Beteiligten Handlungssicherheit, es kann das Risiko von Grenzverletzungen und Übergriffen vor Ort minimiert und Betroffene stärken.“
Anna Müller: „Um Grenzverletzungen wahrnehmen und ansprechen zu können, benötigen Einrichtungen eine gemeinsame Haltung sowie Sensibilisierung für das Thema. Dazu gehört auch die Einsicht, dass Grenzverletzungen grundsätzlich in jeder Einrichtung vorkommen können.
Gleichzeitig muss das Thema gegenüber Kindern und Jugendlichen altersgerecht besprochen werden, sodass sie ihre Erfahrungen äußern und Unterstützung suchen können.“
Welche Rolle spielen Kinder und Jugendliche selbst bei der Prävention, und wie können sie aktiv in den Schutz vor sexualisierter Gewalt eingebunden werden?
Anna Müller: „Kinder und Jugendliche sollen in Entscheidungen, die sie betreffen, altersangemessen und sensibel einbezogen werden. Sie sind Expert*innen ihres eigenen Lebens und wissen oft sehr genau, was sie brauchen, um sich sicher und geschützt zu fühlen.
Die Beteiligung junger Menschen ist ein zentraler Baustein der Prävention.
Gleichzeitig bleibt die Verantwortung klar bei den Erwachsenen: Fachkräfte und Leitungspersonen müssen die notwendigen Schutzmaßnahmen entwickeln, verankern und dauerhaft sicherstellen.“
Annina Hessel: „Junge Menschen sollten aktiv einbezogen werden, weil sie am besten wissen, was ihnen guttut und wann Grenzen überschritten werden. Wenn ihre Stimmen gehört und ernst genommen werden, entsteht echte Beteiligung und Prävention wird wirksamer. Methoden der Kulturellen Bildung bieten eine große Vielfalt an Möglichkeiten, damit junge Menschen ihre Erfahrungen ausdrücken und sich aktiv einbringen können.“
Das Förderprogramm „Start2Act“ der BKJ unterstützt Träger der Kulturellen Bildung dabei, sichere Orte zu werden, an denen Kinder und Jugendliche vor (sexualisierter) Gewalt geschützt sind. Im Rahmen einer Kampagne stellt die BKJ ein Materialpaket zum Thema Kinderschutz bereit, das Plakate zur Orientierung im Verdachtsfall enthält und Fachkräfte in der praktischen Prävention unterstützt. Begleitet wird die Aktion von Informations- und Sensibilisierungsinhalten auf Social Media. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten gibt es hier.
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