Kinderschutz
Kindernothilfe: Wir brauchen verpflichtende Kinderschutzkonzepte
Die Kindernothilfe begrüßt das vom Bundesjustizministerium vorgelegte Reformpaket zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Es seien jedoch noch weitergehende Schritte nötig. So fordert die Kinderrechtsorganisation verpflichtende Schutzkonzepte für Kitas, Schulen, Behörden, Sportvereine, Kirchen und anderen Institutionen.
08.07.2020
„Das Reformpaket zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist mehr als überfällig, aber es reicht nicht“, kommentiert Jörg Lichtenberg, Kinderschutzexperte der Kindernothilfe, die Pläne von Justizministerin Christine Lambrecht. „Wir brauchen verpflichtende Kinderschutzkonzepte für Kitas, Schulen, Behörden, Sportvereine, Kirchen und andere Institutionen, damit sie sich zu sicheren Orten für Mädchen und Jungen entwickeln.“
Nach offiziellen Angaben haben nur 13 Prozent der Schulen und 22 Prozent der Kitas in Deutschland ein Schutzkonzept. Gerade einmal ein Drittel aller Sportvereine bewertet das Thema Kinderschutz als wichtig. Die unfassbar hohen Zahlen an Verdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach, Münster und Lügde würden deutlich zeigen, welches Ausmaß sexualisierte Gewalt gegen Kinder habe: Der Betroffenenrat geht davon aus, dass in diesem Zusammenhang mehr als eine Million Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. „Dieses schreckliche Verbrechen an Kindern kommt nicht vereinzelt vor, sondern es ist ein riesengroßes Problem der gesamten Gesellschaft“, so Lichtenberg weiter. „Wenn wir Kinder wirklich schützen wollen, brauchen wir funktionierende Systeme, in denen Kinder und ihre Bedürfnisse auch wirklich im Mittelpunkt stehen.“
Kinderschutzkonzepte wirken sowohl in der Prävention als auch in der Intervention. Es geht also darum, Mitarbeitende zu qualifizieren, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen. Es geht aber auch um ein schnelles und vernetztes Handeln der Behörden und Institutionen, wenn sich Mädchen und Jungen akut in Gefahr befinden.
Als eine der größten christlichen Kinderrechtsorganisationen in Europa unterstützt die Kindernothilfe seit mehr als 60 Jahren benachteiligte Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Sie fördert 595 Projekte und leistet humanitäre Hilfe. Zurzeit schützt, stärkt und fördert die Kindernothilfe mehr als 2 Millionen Kinder und ihre Familien und Gemeinschaften in insgesamt 32 Ländern der Erde, um ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Quelle: Kindernothilfe e.V. vom 02.07.2020
Termine zum Thema
-
21.08.2026
„Queerness Interkulturell“ - Ein Fachaustausch mit Queeraspora
-
14.09.2026
Basisschulung - Kinderschutz & Kindeswohlgefährdung
-
16.09.2026
Umsetzung des institutionellen Schutzauftrages in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung und Inobhutnahme
-
17.09.2026
Kinderschutz im (internationalen) Jugendkulturaustausch und bei Begegnungsreisen
-
24.09.2026
Fachwerkstatt - Jüdisches Leben und Antisemitismus als Themen in der Jugendarbeit
Materialien zum Thema
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Demokratie im Austausch – Politische Bildung in türkisch-deutschen Jugendbegegnungen
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Partizipation und Prävention ‒ Gemeinsam Kinderschutz stärken
-
Studie
Beteiligung als soziale Frage. Eine sozialisationstheoretische Bestandsaufnahme zu Familie, Schule und Partizipation junger Menschen in Deutschland.
-
Artikel / Aufsatz
Kinderschutzkonzept Kita - Der Komplett-Guide
-
Broschüre
Ehrenamtliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit
Projekte zum Thema
-
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
Kinder-Ministerium.de
-
MUTPraxis
Traumapädagogische Stabilisierung und psychosoziale Prävention im pädagogischen Alltag (MUTPraxis)
-
Trauerland - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e. V.
Trauerland-Pop-Up: Anlaufstelle für trauernde Jugendliche im Bremer Zentrum
-
Stiftung "Achtung!Kinderseele"
Nicht jedes Schulkind ist schon schulstark – ein Pilotprojekt der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ will das ändern
-
Deutsches Jugendinstitut; Institut für Soziale Arbeit; BAG Die Kinderschutz-Zentren
Qualitätsentwicklungsverfahren im jugendamtlichen Kinderschutz in Nordrhein-Westfalen
Institutionen zum Thema
-
Verband / Interessenvertretung
Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e. V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
AMYNA e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
vageMUTIG Ann-Christin Gericks
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
MUTPraxis
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
AMYNA e.V. - Schutz von Mädchen* und Jungen* vor sexueller Gewalt