Kita-Qualitätsgesetz
„Kinder brauchen Zeit, verlässliche Beziehungen und gut ausgebildete Fachkräfte“
Die GEW begrüßt zwar das Ziel des SCQEG, Kinder besser zu fördern, kritisiert aber die fehlenden strukturellen Standards. Statt nachhaltiger Verbesserungen rückt die Vermessung von Kindern in den Fokus. Notwendig seien Zeit, stabile Beziehungen und gut ausgebildete Fachkräfte. Die Finanzierung bleibt unzureichend.
16.09.2026
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt das Ziel vom Bundeskabinett beschlossenen Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes (SCQEG), Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft besser zu unterstützen. Zugleich setzt der Gesetzentwurf aus Sicht der Bildungsgewerkschaft falsche Schwerpunkte und ist eine Abkehr vom bisherigen Ziel, bundesweit einheitliche strukturelle Standards und damit gute Arbeits- und Rahmenbedingungen zu schaffen. Statt die strukturellen Voraussetzungen für gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung nachhaltig zu verbessern, rückt die Vermessung und Bewertung von Kindern stärker in den Mittelpunkt.
„Kinder brauchen keine Kita, in der sie immer mehr getestet und bewertet werden. Sie brauchen Zeit, verlässliche Beziehungen und gut ausgebildete Fachkräfte. Wer Bildungschancen verbessern will, muss zuerst die Rahmenbedingungen verbessern“,
sagt Doreen Siebernik, stellvertretende Vorsitzende der GEW und Leiterin des Organisationsbereiches Jugendhilfe und Sozialarbeit. Insbesondere in Zeiten des demographischen Wandels, habe es die Bundesregierung mit den Ländern verpasst, durch die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels, Arbeitsplätze zu erhalten, Familien Sicherheit zu geben und gleichzeitig die Qualität zu verbessern.
Der Gesetzentwurf sieht unter anderem eine verpflichtende Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens im fünften Lebensjahr vor. Dafür sollen Träger zusätzliche Zeitressourcen einplanen, jedoch ist eine Hinterlegung entsprechend notwendiger personeller Ressourcen nicht flächendeckend vorgesehen. Die GEW warnt davor, dass die Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstandes und deren Dokumentation in einem ohnehin überlasteten Kita-System zusätzliche Kapazitäten binden und letztlich zu einer weiteren Verknappung der Zeit für die pädagogische Arbeit bleibt.
„Zusätzliche Dokumentations- und Testpflichten dürfen nicht dazu führen, dass noch weniger Zeit für die Kinder bleibt“, fordert die stellvertretende GEW-Vorsitzende. Auch die geplante Weitergabe von Entwicklungs- und Sozialdaten beim Übergang von der Kita in die Grundschule sieht die GEW äußerst kritisch. Eine Übermittlung personenbezogener Daten ohne ausdrückliche Zustimmung der Eltern lehnt sie ab.
Positiv bewertet die GEW die geplante gezielte Unterstützung von Kitas in sozial herausfordernden Lagen als auch die Stärkung der Fachberatung. Einrichtungen mit besonders hohen sozialen Belastungen sollen zusätzliche Ressourcen für sprachliche Bildung und Kita-Sozialarbeit erhalten. Dennoch gibt es auch hierbei einen Wehrmustropfen: Es werden Mittel für maximal zehn Prozent der Einrichtungen zur Verfügung gestellt.
Der Bund stellt für die Jahre 2027 bis 2034 insgesamt rund 9,25 Milliarden Euro bereit, seine jährliche Beteiligung sinkt jedoch im Verlauf des Zeitraums.
„Wenn der Bund nachhaltig eine höhere Qualität der frühen Bildung einfordert, steht er auch in der Verantwortung, für deren Finanzierung zu sorgen. Die Finanzierung zu verknappen, wie nun beschlossen, wird in der angespannten Haushaltsituation die Ungleichheit eher verschärfen, statt diese zu beseitigen. Gute frühkindliche Bildung; Betreuung und Erziehung gibt es nicht zum Nulltarif. Deshalb brauchen wir weiterhin ein echtes Kita-Qualitätsgesetz mit bundeseinheitlichen, strukturellen Standards.“,
stellt Siebernik klar.
Quelle: Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft vom 03.09.2026
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