Junge Drogentode

Junge Menschen brauchen schneller Hilfe bei Abhängigkeit

Caritas warnt vor steigenden Drogentoten bei Jugendlichen. 2025 starben 2.150 Menschen durch Drogen, jeder Vierte unter 30. Gefordert: altersgerechte Prävention, Früherkennung in Schulen und mehr Elternhilfe. Psychische Belastungen und leichter Drogenzugang verschärfen das Problem.

12.08.2026

Mit Blick auf den Internationalen Gedenktag für drogengebrauchende Menschen warnen der Deutsche Caritasverband (DCV) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Caritas Suchthilfe (BAG CaSu), dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene durch das bestehende Hilfesystem fallen. Angesichts der stark gestiegenen Zahl junger Drogentoter fordert die Caritas einen deutlichen Ausbau altersgerechter Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, bessere Unterstützungsangebote für Eltern sowie eine stärkere Früherkennung psychischer Belastungen und riskanten Konsums in Schulen.

Die Anfang Juli veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung zeigen eine alarmierende Entwicklung: Im Jahr 2025 starben bundesweit 2.150 Menschen infolge ihres Drogenkonsums. Besorgniserregend ist der starke Anstieg bei jungen Menschen. Jede vierte drogentote Person war jünger als 30 Jahre. Bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl der Drogentoten seit 2021 nahezu verdoppelt.

Dazu Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: 

„Neue Substanzen und neue, digital gestützte Vertriebswege machen Drogen leichter verfügbar und gefährlicher als je zuvor. Viele wissen nicht, welche Wirkstoffe sie tatsächlich konsumieren. Gerade junge Menschen brauchen frühzeitig Unterstützung. Rapide Verelendung fordert schnelle Intervention.“

Nach Beobachtung der Caritas verändern sich Konsummuster und Drogenmärkte rasant. Besonders Kokain, Crack und synthetische Opioide gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig nimmt der Mischkonsum zu. Mehr als vier von fünf Drogentoten starben 2025 im Zusammenhang mit mehreren gleichzeitig konsumierten Substanzen.

Die Einrichtungen der Caritas erleben diese Entwicklung unmittelbar. In der Caritas-Fachambulanz für substitutionsgestützte Behandlung in München begleitet das Projekt "SubPort" junge opioidabhängige Menschen zwischen 16 und 21 Jahren. Bundesweit existieren für diese Zielgruppe bislang nur zwei dieser ambulanten Angebote.

„Neben der leichteren Verfügbarkeit von Suchtmitteln, verstärkt auch über soziale Medien, beobachten wir vor allem einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen bei jungen Menschen. Häufig stehen Angst- und Panikstörungen am Beginn einer Abhängigkeitserkrankung. Der Einstieg geht dann über opioidhaltige Medikamente, die betäuben und beruhigensollen“, 

sagt Rüdiger Krause, Leiter der Fachambulanz für substitutionsgestützte Behandlung. Nach seiner Erfahrung bestehen erhebliche Versorgungslücken. Minderjährige Abhängige fänden oft weder in der Suchthilfe noch in der Jugendhilfe passende Angebote. Gleichzeitig seien die kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen vielerorts überlastet. „Wir brauchen dringend spezialisierte Behandlungs- und Wohnangebote für diese jungen Menschen“, fordert Krause.

Auch das Berliner Frühinterventionsprojekt HaLT, das Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre mit riskantem Alkohol- oder Drogenkonsum sowie deren Eltern berät, beobachtet einen engen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Suchtentwicklung. „Wir erleben häufig einen Bewältigungskonsum. Viele junge Menschen greifen zu Alkohol oder Drogen, weil sie keine anderen Strategien kennen, mit belastenden Gefühlen umzugehen“, sagt Sozialpädagogin Magda Bittner vom HaLT-Team.

Prävention muss deshalb früher ansetzen. Bereits in Kitas und Schulen sollten Kinder lernen, mit Stress, Ängsten und belastenden Situationen umzugehen. Gleichzeitig brauchen Eltern mehr Unterstützung, um ihre Kinder in schwierigen Situationen gut begleiten zu können. Zudem ist ein niedrigschwelliger Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung notwendig.

Deutscher Caritasverband (DCV) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Caritas Suchthilfe (BAG CaSu) unterstreichen: Wer jungen Menschen frühzeitig passende Hilfe anbietet, verhindert schwere Suchterkrankungen und rettet Leben. Jede drogentote Person ist eine zu viel.

Quelle: Deutscher Caritasverband e. V. vom 20.07.2026

Redaktion: Lena Gabert