Nordrhein-Westfalen

Historisch niedrige Wahlbeteiligung – Politik braucht mehr Vertrauen junger Menschen

Mit 55,5 Prozent war die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in NRW auf einem historischen Tiefstand. Der Landesjugendring NRW fordert deswegen eine stärkere Sichtbarkeit der Themen junger Menschen im politischen Diskurs und eine Stärkung von Räumen, in denen sie wirksam demokratisch handeln können – wie zum Beispiel in der Jugendverbandsarbeit.

27.06.2022

Der Vorstand des Landesjugendrings NRW ist bestürzt über die geringe Wahlbeteiligung in NRW. Lediglich 55,5 Prozent aller Wahlberechtigten sind am 15. Mai 2022 an die Wahlurnen gegangen – eine historisch schlechte Zahl. Die Daten über Wähler:innenwanderungen legen nahe, dass dies auch auf junge Menschen zutrifft: Von 810 000 Erstwähler:innen sind 440 000 nicht zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von nur ca. 46 Prozent bei den jungen Menschen.

„Einen Grund dafür sehen wir im generellen Misstrauen junger Menschen gegenüber parlamentarischer Politik. Das hat bereits die Shell Jugendstudie 2019 gezeigt“, erläuterte Maja Tölke, Vorsitzende des Landesjugendring NRW. „Die Erfahrung, dass ihre Bedürfnisse und Interessen während der Pandemie politisch kaum berücksichtigt worden sind, dürften dieses Gefühl noch verstärkt haben.“

Nun zeigen Erkenntnisse der sogenannten „Demokratiebefragung“, die der Landesjugendring NRW bereits 2021 in Auftrag gegeben hat: Junge Menschen, die in Jugendverbänden aktiv sind, interessieren sich deutlich stärker für Politik als der Bevölkerungsdurchschnitt ihrer Altersgruppe. So geben knapp 75 Prozent der Befragten an, interessiert oder stark interessiert an Politik zu sein.

Jugendliche in Jugendverbänden haben hohes Vertrauen in Demokratie

Das Interesse für Politik ist damit deutlich höher als unter den Befragten der Shell Jugendstudie, die alle vier Jahre untersucht, wie die Generation der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland aufwächst. Kinder und Jugendliche, die in Jugendverbänden engagiert sind, haben ein größeres Vertrauen in Politik und ein größeres Interesse daran, selbst aktiver Teil einer demokratischen Gesellschaft zu sein. Jugendverbände sind damit Werkstätten der Demokratie und bestärken junge Menschen in ihrem politischen und gesellschaftlichen Engagement.

Es wird offensichtlich, dass die Politik auch auf Landesebene ein Problem damit hat, vor allem junge Menschen zu erreichen. Die im Sondierungspapier von CDU und Grünen angekündigte Absenkung des Wahlalters ist darum ein unabdingbarer und richtiger Schritt. Sie alleine reicht aber nicht aus: Der Landesjugendring NRW fordert deshalb eine stärkere Repräsentation von Themen junger Menschen im politischen Diskurs, mehr Investitionen in politische Bildung und mehr Räume für Demokratieerfahrungen – nicht zuletzt durch eine finanzielle Stärkung der Jugendverbandsarbeit als Werkstätten der Demokratie.

Quelle: Landesjugendring NRW vom 08.06.2022

Redaktion: Laura Burger

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