Befragung
Fast jeder zweite junge Mensch erlebt sexualisierte Gewalt
Fast jede*r zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt – das zeigt eine Studie des DJI und der Hochschule Hannover mit rund 3.000 Schüler*innen. Besonders betroffen sind Mädchen, meist durch Mitschüler*innen. Schutzkonzepte an Schulen helfen nachweislich: Wo Klima und Prävention stimmen, sinkt das Risiko deutlich. Schulen brauchen eine neue Kultur des Hinschauens und Handelns.
18.07.2025
Sexuelle Beleidigungen, verstörende Pornografie oder ungewollte Berührungen – fast jeder zweite junge Mensch, der die siebte bis neunte Schulklasse besucht, berichtet, im vergangenen Jahr eine Form von sexualisierter Gewalt erlebt zu haben. Dieses Ergebnis geht aus einer Befragung von mehr als 1.600 Schüler*innen an 30 weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg, Hamburg und Rheinland-Pfalz im Jahr 2023 und einer Wiederholungsbefragung von mehr als 1.200 Schüler*innen im Jahr 2024 hervor, die Forschende des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und der Hochschule Hannover durchführten. Mädchen sind demnach besonders betroffen und meist sind Mitschüler*innen die Gewaltausübenden.
Am weitesten verbreitet sind laut der Studie mit dem Titel „Entwicklung und Wirkung von Schutzkonzepten an Schulen“ Kommentare, Beleidigungen und Witze mit sexuellem Inhalt, also Formen sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt, von denen zu beiden Befragungszeitpunkten jeweils circa 37 Prozent der Schüler*innen berichteten. Etwa 20 Prozent der Befragten waren ungewollt mit Pornografie konfrontiert, 15 Prozent gaben ungewollte sexuelle Berührungen an und knapp 10 Prozent schwere Formen sexueller Gewalt, wie ungewollte Berührungen an Geschlechtsteilen oder den Zwang zu sexuellen Handlungen.
„Die Ergebnisse sind deutlicher Anlass zur Sorge“,
schreiben die DJI-Wissenschaftlerinnen Dr. Regine Derr und Sabeth Eppinger in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse und betonen die wichtige Rolle von Prävention und Intervention nach erlebter sexualisierter Gewalt, aber auch die pädagogische Beziehung sowie das Verhältnis der Schüler*innen untereinander.
Schulen brauchen eine neue Kultur des Miteinanders
Mit der Studie, für die auch Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende befragt wurden, konnten die DJI-Forschenden nachweisen, welche Faktoren vor Gewalt schützen: So gehen ein großes Wohlbefinden an der Schule und ein gutes Klassenklima, das sich beispielsweise durch engen Zusammenhalt, gegenseitige Fürsorge und die konstruktive Lösung von Konflikten innerhalb der Klasse auszeichnet, sowie ein gutes Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schüler*innen mit weniger erlebter Gewalt bei den Schüler*innen einher – und umgekehrt. Weniger Erfahrungen sexueller Gewalt schilderten zudem diejenigen, an deren Schule im Beobachtungszeitraum das bestehende Schutzkonzept weiterentwickelt wurde. Solche Schutzkonzepte umfassen beispielsweise einen Handlungsplan bei Hinweisen auf sexualisierte Gewalt, Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und sexualpädagogische Angebote für Schüler*innen. In ihrem Artikel „Ein schützendes Schulklima entwickeln“ schildern die DJI-Autorinnen, welche Rolle den Schulleitungen beim Etablieren von Schutzkonzepten zukommt und wie sie an ihren Schulen eine neue Kultur des Miteinanders fördern können.
Weitere Informationen
- DJI-Studie „Entwicklung und Wirkung von Schutzkonzepten an Schulen“ (SchuLae)
- „Ein schützendes Schulklima entwickeln“, Artikel aus DJI Impulse 1/25
- Online-Schwerpunkt zu DJI Impulse 1/25 „Kinder und Jugendliche wirksam schützen“
- Printausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse 1/25
Quelle: Deutsches Jugendinstitut e.V. vom 26.06.2025
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