Sorgearbeit
Elterngelddiskussion verspielt Vertrauen
Die eaf warnt vor Elterngeld-Kürzungen durch Umverteilung der Bezugszeiten ohne Ausweitung. Dies verschärft finanzielle Nöte und verfestigt Rollenbilder. Gefordert wird ein 6+6+6-Modell als Ausbau, nicht zulasten der Familien. Im Vordergrund steht die egalitäre Verteilung der Versorgungsarbeit und die Emanzipation von traditionellen Rollen.
27.07.2026
Vor dem Hintergrund aktueller Medienberichte über die Umbaupläne des Bundesfamilien ministeriums beim Elterngeld warnt die evangelische arbeitsgemeinschaft familie e. V. (eaf) davor, dass eine Neuaufteilung der Mindestbezugszeiten beim Elterngeld faktisch zu Kürzungen für junge Familien führen kann. Den Berichten zufolge soll der volle Elterngeldbezug an mehr Vätermonate als bisher geknüpft werden, ohne dass sich die Gesamtzahl der Elterngeldmonate erhöht. Dies kommt in der Realität für viele Familien einer Kürzung des Elterngeldes gleich. Denn aus finanziellen Gründen ist es häufig nicht möglich, auf das Einkommen des zweiten Elternteils zu verzichten. Für diese Familien bliebe es dann bei einer verkürzten Bezugsdauer für das Elterngeld.
„Die Umsetzung der Vorschläge würde nicht zu einer egalitären Verteilung der Sorgearbeit führen. Im Gegenteil: In der Regel werden die Mütter die restlichen Monate ihrer Elternzeit ohne Lohnersatz mit dem gemeinsamen Kind zu Hause bleiben, ehe der gesetzliche Anspruch auf einen Betreuungsplatz überhaupt greift. Dies verschärft finanzielle Nöte und verfestigt traditionelle Rollen in der Familie“,
warnt Bundesgeschäftsführerin Nicole Trieloff. „Junge Erwachsene mit Kinderwunsch müssen darauf vertrauen können, dass die bisherigen Zusagen der Familienpolitik auch in Zukunft gelten: Mindestens 12 Monate Elterngeldbezug für jede Familie auch dann, wenn nur ein Elternteil die Leistung in Anspruch nehmen kann.“
Die Ausweitung der exklusiven Vätermonate sind eine langjährige Forderung auch der eaf, allerdings als 6+6+6-Modell: Sechs Monate exklusiv für die Mutter, sechs Monate exklusiv für den zweiten Elternteil und weitere sechs Monate zur freien Aufteilung. „Mehr exklusive Partnermonate sind richtig — aber als Ausbau, nicht als Umverteilung zulasten der Familie. Auch im Vorschlag der eaf bleibt die Möglichkeit erhalten, dass nur ein Elternteil bis zu 12 Monate Elterngeld bezieht. Dahinter sollte keine Reform zurückfallen“, so Trieloff abschließend.
Quelle: evangelische arbeitsgmeinschaft familie e.V. (eaf)
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