Handlungskompetenz
Demokratie als Spielprinzip: Was wir gegen Rechtsextremismus im Gaming tun können
Viele Menschen spielen gerne. Ob Action-, Strategie-, oder Abenteuerspiel, ob allein oder im Team: Die Vielfalt an Spielen ist groß und bietet für viele Vorlieben etwas. Doch der Spielspaß kann durch Hass, Diskriminierung und demokratiegefährdende Inhalte getrübt werden. Auch Rechtsextremist*innen haben das Potenzial von Gamingräumen erkannt, um dort ihre menschenfeindlichen Botschaften zu verbreiten.
11.08.2025
„Wir beobachten, dass es auf einigen Gaming-Plattformen immer noch zu wenig Regulierung gibt, was die Verbreitung von Extremismus angeht. So finden sich zum Beispiel auch demokratiefeindliche Memes und Hassrede in Chats“, sagt Jamina Diel. Sie ergänzt: „Auch beliebte Spiele werden mit Symbolen, Codes etc. verändert, sodass sie auf einmal politische Aussagen enthalten, die den Werten der Demokratie entgegenstehen.“ Die Pädagogin arbeitet bei Violence Prevention Network und setzt sich in ihrer Arbeit mit Rechtsextremismus und Hassrede in Online-Games auseinander.
Herausforderungen begegnen
„Besonders stark von Hass und Belästigung in Online-Spielen betroffen sind Frauen und Schwarze Menschen, wie Studien zeigen; unter anderem die Umfrage der amerikanischen Organisation Anti-Defamation League“, betont Jamina Diel. Sie fügt hinzu: „Um Hassrede im digitalen Raum zu erkennen und zu wissen, wie man damit umgehen kann, haben wir drei Module entwickelt. Sie richten sich in erster Linie an ehrenamtliche Engagierte, aber auch pädagogische Fachkräfte können diese in ihrer Arbeit nutzen, um sich Kompetenzen, Wissen und Strategien zur Förderung von Resilienz anzueignen.“
Berührungsängste Adieu! Als pädagogische Fachkraft handlungsfähig sein
Grundlage und Voraussetzung, um junge Menschen für Rechtsextremismus im Gaming zu sensibilisieren, ist ein offener und vertrauensvoller Austausch untereinander. Jamina Diel sieht es als wesentlich an, dass pädagogische Fachkräfte in ihrer Rolle als Begleitende ehrliches Interesse zeigen, für das, was Kinder und Jugendliche beschäftigt.
„Bei einigen Fachkräften nehmen wir den mangelnden Bezug zu Gaming wahr. Sie fühlen sich zum Beispiel unsicher, weil sie nicht genau wissen, welche Spiele bei Heranwachsenden beliebt sind oder weil sie bestimmtes Fachvokabular aus der Gaming-Szene nicht kennen. Zusätzlich kann eine eher negative Berichterstattung in den Medien dazu beitragen, Skepsis zu entwickeln, wenn es um Gaming geht. Hier kann ich pädagogische Fachkräfte nur ermutigen, auf Kinder und Jugendliche zuzugehen und überhaupt erst einmal zu fragen, was ihnen am Spielen Spaß macht und welche Spiele sie gerne spielen. Denn nur, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis existiert, werden Pädagog*innen auch als Ansprechpersonen wahrgenommen. Das ist besonders wichtig, wenn junge Menschen mit etwas konfrontiert werden, was sie verunsichert, was ihnen Angst oder Sorgen macht und was sie nicht einordnen können.“
Strategien von Rechtsextremist*innen in Games
Rechtsextreme Akteur*innen nutzen Humor, zum Beispiel in Memes und Sharepics, als zentrales Mittel, um demokratie- und menschenfeindliche Ansichten in Online-Games zu verbreiten.
„Nicht immer ist es leicht, gleich zu erkennen, wenn rassistische und diskriminierende Botschaften unter dem Deckmantel des Humors verpackt sind. Insbesondere junge Menschen erfassen oft nicht, was da verbreitet wird“, betont die Pädagogin. „Rechtsextremist*innen geht es darum, den Raum des Sagbaren und den öffentlichen Diskurs weiter nach rechtsaußen zu verschieben.“
Rechtsextremismus in Games erkennen
Um rechtsextreme Inhalte in Games zu erkennen, ist es sinnvoll, sich mit Kommunikationsstrategien von Rechtsextremist*innen auseinanderzusetzen.
„Dabei geht es insbesondere darum zu reflektieren, welche Funktion Kommunikationsstrategien haben und wie Rechtsextremismus versucht, an Bedürfnisse, Emotionen und Zugehörigkeitsgefühle anzudocken. Zudem ist es hilfreich, konkrete Codes, Symbole und zentrale Narrative von Rechtsextremist*innen zu kennen, um sie in Games zu erkennen und einordnen zu können; zur Einführung haben wir für Fachkräfte einen Online-Kurs hierzu entwickelt“,
sagt Jamina Diel.
Sie führt aus:
„Für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen ab 14 Jahren haben wir drei digitale Übungen entwickelt, die jungen Menschen helfen sollen, Rechtsextremismus frühzeitig zu erkennen und Handlungsstrategien zu entwickeln. In einem Mini-Game geht es um Erfahrungen mit Hassrede und Diskriminierung. Die Spielenden setzen sich mit abwertender Sprache und menschenfeindlichem Verhalten auseinander und werden zugleich für eine diskriminierungsarme Kommunikationskultur sensibilisiert. In einem interaktiven Video lernen Jugendliche, welche zentralen Elemente Rechtsextremismus ausmachen und wie Rechtsextremist*innen den Gaming-Kontext missbrauchen, um ihre Ideologie zu verbreiten. In drei fiktionalen Szenen auf einer digitalen Spieleplattform üben Jugendliche, rechtsextreme Symbole und Codes zu erkennen.“
Weitere Informationen
- Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt auf ihrer Website Spiele zur politischen Bildung vor. Es geht unter anderem darum, Geschichte erfahrbar zu machen, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und kritisches Denken zu fördern.
- Welche Spielarten Teil der Jugendkultur sind, erläutert der Spieleratgeber NRW auf seiner Website.
- Die Stiftung Digitale Spielekultur stellt auf ihrer Website Spiele vor, die Themen der deutschen Zeitgeschichte behandeln - darunter zum Beispiel Nationalsozialismus, Holocaust, Kolonialismus und Migration.
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Gish-Galopp und andere Herausforderungen. Fortbildung für Dialog- und Handlungsfähigkeit
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Fortbildungsnetz sG - Datenbank für Fortbildungsangebote zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend
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pro:dis – Distanzierungsberatung in Jugendarbeit und angrenzenden Arbeitsfeldern
Institutionen zum Thema
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Fort-/Weiterbildungsanbieter
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Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland
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Verband / Interessenvertretung
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Fort-/Weiterbildungsanbieter
AMYNA e.V. - Schutz von Mädchen* und Jungen* vor sexueller Gewalt
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GAMESHIFT NRW / Pacemaker Initiative