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COVID-19 derzeit die häufigste Todesursache

Die COVID-19-Pandemie hat die Europäische Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach wie vor fest im Griff. Vergangene Woche stieg die Zahl der gemeldeten Todesfälle aufgrund von COVID-19 auf fast 4200 pro Tag – eine Verdoppelung gegenüber den 2100 Todesfällen pro Tag Ende September; die Gesamtzahl der gemeldeten Todesfälle aufgrund des Virus in den 53 Ländern der Region erreichte die Marke von 1,5 Millionen. Nach Angaben des Institute for Health Metrics and Evaluation, das im Auftrag des WHO-Regionalbüros für Europa derartige Modellierungen durchführt, ist COVID-19 derzeit die häufigste Todesursache in Europa und Zentralasien.

26.11.2021

Zahl der COVID-19-Toten in der Europäischen Region der WHO könnte bis März 2022 die Zwei-Millionen-Marke überschreiten

Für 25 Länder wird eine hohe bis extrem hohe Bettenbelegung in den Krankenhäusern erwartet und für 49 der 53 Länder eine hohe bis extrem hohe Belastung der Intensivstationen bis zum 1. März 2022. Bei Fortsetzung der aktuellen Trends wird die Gesamtzahl der gemeldeten Todesfälle nach Schätzungen im Frühjahr bei über 2,2 Millionen liegen.

„Um mit diesem Virus zu leben und unser Alltagsleben fortsetzen zu können, brauchen wir einen ,Impfstoff-plus‘-Ansatz. Das bedeutet, dass man die üblichen Dosen Impfstoff erhält, sich im Falle eines Angebots eine Auffrischungsimpfung holt und vorbeugende Maßnahmen in die Alltagsroutine einbaut. Eine Kombination aus Maskentragen, Händewaschen, Durchlüften, Abstandhalten und in den Ellenbogen niesen ist einfach durchzuführen und trägt wirksam dazu bei, das Virus unter Kontrolle zu bringen und Gesellschaften am Laufen zu halten. Wir alle haben die Chance und die Pflicht, zur Abwendung unnötiger Tragödien und Todesfälle beizutragen und eine weitere Beeinträchtigung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens während der Wintersaison zu begrenzen“, sagte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

Faktoren hinter der steigenden Übertragung von COVID-19

Die drei wichtigsten Faktoren hinter den derzeit steigenden Neuinfektionszahlen sind:

  • In der Europäischen Region dominiert die hochansteckende „Delta-Variante“, und kein Land meldet einen Anteil von mehr als 1% einer anderen Variante.
  • Ferner haben in den vergangenen Monaten viele Länder ihrer Bevölkerung signalisiert, dass COVID-19 keine Notfallbedrohung darstellt, und entsprechend Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebote in überfüllten oder beengten Räumlichkeiten gelockert. Jetzt wird die Witterung kälter, und die Menschen treffen sich vermehrt in geschlossenen Räumen.
  • Schließlich sind aufgrund der weiterhin hohen Anzahl Ungeimpfter viele Menschen immer noch anfällig für das Virus.

Maßnahmen zur Verringerung der Übertragung und zur Stabilisierung der Pandemie in Europa und Zentralasien

„Nun, zu Ende des Jahres 2021, gilt es alles in unseren Kräften Stehende zu tun, indem wir uns impfen lassen und persönliche Schutzmaßnahmen ergreifen, um das letzte Mittel – Lockdowns und Schulschließungen – zu vermeiden. Wir wissen aus bitterer Erfahrung, dass dies weitreichende wirtschaftliche Folgen hätte und sich auch verheerend auf die psychische Gesundheit auswirken, zwischenmenschliche Gewalt begünstigen und das Wohlbefinden und das Lernen von Kindern beeinträchtigen würde“, erklärte Dr. Kluge.

Erhöhung der Impfquote

Die Impfstoffe gegen COVID-19 sind ein entscheidendes Instrument zur Verhinderung schwerer und tödlicher Verläufe und trotz der Entstehung mehrerer besorgniserregender Varianten weiterhin wirksam. Impfungen haben seit ihrer Einführung vor knapp einem Jahr Hunderttausende Menschenleben gerettet, unzählige Krankenhauseinweisungen verhindert und zur Entlastung der Gesundheitssysteme beigetragen.

Bisher wurden in der Europäischen Region der WHO über eine Milliarde Dosen verimpft, und 53,5% der Bürger sind komplett geimpft. Doch hinter diesen Zahlen verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, wo der Anteil der vollständig Geimpften zwischen unter 10% und über 80% der Gesamtbevölkerung liegt.

Jetzt kommt es entscheidend darauf an, die Impfraten in dem in Betracht kommenden Personenkreis in die Höhe zu schrauben und dabei die Gründe zu erkennen und zu berücksichtigen, aus denen Menschen bisher nicht geimpft wurden, und auch enger mit Verhaltens- und Kulturforschern zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, in welchem Grad systembezogene Zugangsbarrieren oder individuelle und gruppenbezogene Vorbehalte vorliegen. Der Corona-Pass ist ein kollektives Instrument, das Gesellschaften und Bürgern die Fortsetzung ihres normalen Alltagslebens ermöglichen soll.

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass der durch die Impfung erworbene Schutz vor Infektionen und milden Krankheitsverläufen allmählich nachlässt

Deshalb sollte der Schutz der anfälligsten Gruppen, insbesondere der Personen mit geschwächtem Immunsystem, durch eine Auffrischungsimpfung sichergestellt werden. Je nach nationalen Gegebenheiten und der Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie der Epidemiologie von COVID-19 sollten die Länder auch erwägen, vorbeugend der Altersgruppe über 60 Jahre und dem Gesundheitspersonal eine Auffrischungsimpfung zu geben.

Persönliche Schutzmaßnahmen ergreifen

Regelmäßiges Händewaschen, Einhaltung von Abstandsgeboten, das Tragen von Masken, Niesen in den Ellenbogen oder ein Taschentuch, Meiden von überfüllten, beengten oder geschlossenen Räumlichkeiten und Sicherstellung einer guten Belüftung von Innenräumen haben sich in Kombination als wirksame Mittel zur Verhinderung einer Infektion mit COVID-19 bewährt.

Gegenwärtig tragen 48% der Menschen in der Europäischen Region nach eigenen Angaben beim Verlassen der Wohnung eine Maske. Eine vergangene Woche veröffentlichte Studie über die Wirksamkeit gesundheitlicher Maßnahmen kam zu dem Ergebnis, dass das Tragen von Masken die Inzidenz von COVID-19 um 53% verringert. Wenn ab heute das Tragen von Masken zu 95% eingehalten würde, könnten nach Schätzungen bis 1. März 2022 über 160.000 Todesfälle verhindert werden.

Wenn wir im Winter wieder mehr Zeit in Innenräumen verbringen und an Feiern teilnehmen, gilt es wachsam zu bleiben, die eigenen Risiken zu steuern und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, die sich an bewährten Schutzmaßnahmen orientieren. Die Verflechtung solcher Maßnahmen mit gesundheitlichen Interventionen wie Selbstisolierung und Tests, Kontaktverfolgung und Quarantäne bewirkt einen maximalen Schutz der Bevölkerung vor dem Virus.

„Die aktuelle COVID-19-Situation in Europa und Zentralasien ist äußerst ernst. Wir stehen vor einem schwierigen Winter, aber wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren, denn wir alle – Regierungen, Gesundheitsbehörden und Bürger – können entscheidend dazu beitragen, die Pandemie zu stabilisieren,“ lautete das Fazit von Dr. Kluge.

Quelle: WHO-Regionalbüro für Europa vom 23.11.2021

Redaktion: Mareike Ketelaar

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