UNICEF-Bericht

Corona-Pandemie – Gravierende Folgen durch Schulschließungen weltweit

Zu Beginn des dritten Jahres der Pandemie sind Schulen in 23 Ländern, in denen rund 405 Millionen Kinder im Schulalter leben, immer noch nicht vollständig geöffnet. Viele Schulkinder laufen Gefahr, nie in die Schule zurückzukehren. Dies zeigen die gravierenden Zahlen eines aktuellen Berichts von UNICEF.

05.04.2022

Der veröffentlichte UNICEF-Bericht „Are children really learning“ enthält länderspezifische Daten über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Schulschließungen auf Kinder sowie eine Analyse der Lernsituation vor Beginn der Pandemie. Laut dem Bericht haben 147 Millionen Kinder in den letzten zwei Jahren mehr als die Hälfte des Präsenzunterrichts verpasst. Dies entspricht zwei Billionen Stunden verlorenem Präsenzunterricht weltweit.

„Wenn Kinder nicht mit ihren Lehrer*innen und Gleichaltrigen interagieren können, wirkt sich dies auf ihr Lernen aus. Und wenn sie gar keine Möglichkeit mehr haben, sich direkt auszutauschen, kann dieser Lernverlust dauerhaft werden“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Durch die zunehmende Ungleichheit beim Zugang zum Lernen steigt die Gefahr, dass Bildung spaltet und nicht eint. Wenn die Welt an der Bildung der Kinder scheitert, wird uns das alle betreffen.“

Viele Kinder kehren nach Schulöffnung nicht zurück

Der Bericht zeigt zudem, dass viele Kinder nicht in die Schule zurückkehrt sind, nachdem ihre Schulen wieder geöffnet wurden. Beispielsweise zeigen Daten aus Liberia, dass 43 Prozent der Jungen und Mädchen den öffentlichen Schulen fernblieben, als diese im Dezember 2020 wieder öffneten. In Südafrika hat sich die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, zwischen März 2020 und Juli 2021 von 250.000 auf 750.000 Schulkinder verdreifacht. Und in Malawi stieg die Schulabbruchsquote bei Mädchen in der Sekundarstufe zwischen 2020 und 2021 um 48 Prozent – von 6,4 auf 9,5 Prozent. In Kenia ergab eine Umfrage unter 4.000 Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren, dass 16 Prozent der Mädchen und 8 Prozent der Jungen nach der Wiedereröffnung nicht zum Unterricht zurückgekehrt sind.

Kinder, die nicht zur Schule gehen, sind besonders verletzlich und benachteiligt. Es ist weniger wahrscheinlich, dass sie die grundlegenden Kenntnisse im Lesen und Rechnen erlernen. Ohne das Sicherheitsnetz, das die Schule bietet, steigt zudem das Risiko von lebenslanger Ausbeutung, Armut und Benachteiligung.

Schlechtes Lernniveau durch Pandemie weiter verschärft

32 Länder und Gebiete haben bereits vor Ausbruch der Pandemie ein sehr schlechtes Lernniveau aufgewiesen, welches höchstwahrscheinlich durch die Pandemie weiter verschärft wurde, so der Bericht. In den analysierten Ländern ist das Lerntempo so langsam, dass die meisten Schulkinder sieben Jahre brauchen würden, um grundlegende Kenntnisse im Lesen zu erwerben, anstatt zwei Jahre – und 11 Jahre, um grundlegende Kenntnisse im Rechnen zu erlernen. Häufig gibt es keine Garantie, dass die Schulkinder überhaupt grundlegende Kenntnisse im Lesen und Rechnen erlernen.

„Bereits vor der Pandemie wurden die am stärksten benachteiligten Kinder zurückgelassen. Wir müssen die Kinder in die Klassenzimmer bringen, ihren Lernstand ermitteln und ihnen die intensive Unterstützung zukommen lassen, die sie brauchen, um den versäumten Lernstoff nachzuholen. Und wir müssen dafür sorgen, dass das Lehrpersonal über die nötige Ausbildung und Unterrichtsmaterialien verfügt. Wir brauchen eine neue Normalität. Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass wir weniger tun können“, sagte Russell.

Der Bericht Are Children Really Learning? Exploring foundational skills in the midst of a learning crisis steht im englischen Original online bei UNICEF zur Verfügung.

Quelle: UNICEF vom 30.03.2022

Redaktion: Laura Burger

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