Jugendmedizin
BVKJ fordert umfassende Hilfe für psychisch belastete Jugendliche
Die psychische Gesundheit Jugendlicher verschlechtert sich dramatisch: Psychosomatische Leiden und Schulabsentismus nehmen massiv zu. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) warnt vor einem „strukturellen Versorgungsversagen“. Angesichts monatelanger Wartezeiten auf Therapieplätze fordert der Verband einen sofortigen Ausbau der Hilfsangebote und eine bessere Finanzierung.
16.03.2026
Die aktuell intensiv geführte Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche zeigt, wie groß die gesellschaftliche Sorge um die psychische Gesundheit junger Menschen inzwischen ist. Der Ausschuss Jugendmedizin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) begrüßt diese Debatte ausdrücklich und mahnt deutlich bessere therapeutische und pädagogische Unterstützungsangebote für die betroffenen Jugendlichen an.
In den kinder- und jugendärztlichen Praxen zeigt sich täglich, dass sich die gesundheitliche Situation vieler Jugendlicher dramatisch verschlechtert hat. Psychosomatische Erkrankungen, psychische Belastungen und Schulabsentismus nehmen deutlich zu, während flächendeckend geeignete Versorgungsstrukturen fehlen oder nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.
Michael Achenbach, Kinder- und Jugendarzt aus Plettenberg und Mitglied im Ausschuss Jugendmedizin des BVKJ, betont:
„Die Hütte brennt. Was wir derzeit erleben, ist kein vorübergehender Trend, sondern ein strukturelles Versorgungsversagen. Immer mehr Jugendliche klagen über anhaltende Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Angstzustände oder depressive Symptome.“
Dr. Kathrin Pfeil, Kinder- und Jugendärztin aus Schwaigern und Mitglied im Ausschuss Jugendmedizin des BVKJ, ergänzt:
„Immer häufiger sehen wir Schulabsentismus und sozialen Rückzug. Diese Jugendlichen sind nicht schulunwillig oder bequem. Schulabsentismus ist in vielen Fällen ein medizinisches Warnsignal – kein Erziehungsproblem.“
Dr. Soha Asgari, Sprecherin des Ausschusses Jugendmedizin des BVKJ, erklärt:
„Wir sagen Jugendlichen, dass sie Hilfe brauchen und müssen ihnen gleichzeitig erklären, dass es diese Hilfe nicht gibt. Notwendige Hilfsangebote sind nicht verfügbar oder nur mit monatelangen Wartezeiten erreichbar. Wartezeiten von mehreren Monaten auf psychotherapeutische oder kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung sind inzwischen vielerorts der Regelfall. Das ist für Familien verzweifelnd und für Ärztinnen und Ärzte ethisch kaum noch vertretbar.“
Der Ausschuss Jugendmedizin des BVKJ fordert daher einen massiven Ausbau psychosozialer Versorgungsangebote, deutlich mehr Therapieplätze sowie eine realistische Finanzierung sprechender Medizin.
Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) vom 20.02.2026
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