Ganztagsbildung

Bildungslandschaften 2020: Kein Masterplan, aber viele Rezepte für gute Bildung

Vier Personen auf dem Podium

In der Abschlussrunde stand die Frage im Raum: Welche Aufgabe hat der Staat, welche Rolle übernehmen Stiftungen im deutschen Bildungssystem. (v.l.n.r.: Dieter Assel, Fachbereichsleiter aus Weiterstadt, Dr. Bernd Ebersold, Geschäftsführer der Jacobs Founda

Was ist das Rezept für eine funktionierende Bildungslandschaft? Diese Frage stellte der Moderator auf der Konferenz „Bildungslandschaften 2020“ am 23. Februar im Berliner Spreespeicher gleich zu Beginn - und sie begleitete die 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kommunen, Land, Bund, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über den ganzen Tag hinweg.

01.03.2012

Herbert Schubert, Professor für Sozialmanagement und Soziologie an der Fachhochschule Köln, lieferte die empirischen Zutaten. Er hat untersucht, wie sich die vier Modellkommunen im Rahmen des Programms Lebenswelt Schule verändert haben, um jedes Kind und jeden Jugendlichen optimal zu fördern. „Alle Kommunen wollten ein konkretes Problem lösen. Diesem Ziel sind sie bedeutend näher gekommen: Sie übernehmen Verantwortung für Bildung, haben ihre Arbeitsstrukturen verändert.“, so Schubert. Das kann Helga Supola, Bildungsplanerin aus Bad Bramstedt, nur bestätigen: „Wir sind alle miteinander ins Gespräch gekommen. Das ist das Wichtigste, damit wir nicht als Einzelkämpfer auftreten, sondern gemeinsam handeln für die Zukunft.“

Praktische Zutaten für eine funktionierende Bildungslandschaft gibt es viele. Wichtig ist, dass sie an die Ausgangsbedingungen der Kommune angepasst sind. Mario Tibussek, Programmleiter bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, erklärt den Ansatz des Programms Lebenswelt Schule: „Wir hatten als Stiftung bewusst keinen Masterplan, mit dem wir zu den Kommunen gegangen sind. Wir hatten eine Vision, wie lokale Bildungslandschaften aussehen können und haben mit den Kommunen dann so lange diskutiert, bis wir Lösungen für einzelne Ziele und Probleme gefunden haben.“ Professor Schubert ergänzt: „Aus den Entwicklungen in den Modellkommunen kann man jetzt übergreifende Erfolgsfaktoren ableiten, zum Beispiel ein verbindliches Gesamtkonzept, die Beteiligung aller Akteure vor Ort und eine neutrale Prozessbegleitung.“

Die Diskussionen um gute Rezepte gehen auf der Konferenz in den Themeninseln weiter. Experten erörtern mit Vertretern aus der Praxis wichtige Elemente einer funktionierenden Bildungslandschaft, z.B. Partizipation, individuelle Lernwegbegleitung oder der Übergang von der Schule in den Beruf. Die Ergebnisse schreiben sie auf blaue Puzzleteile, die, zu einem großen Puzzle zusammengesetzt neben der Hauptbühne stehen. Sie zeigen, was die Kommunen bis 2020 erreichen wollen: Eine Gesamtkonzeption für Bildung, eine konsequente Armutsberichterstattung oder einem Maßnahmenplan, wie Jugendliche ihre Kompetenzen und Talente für einen Beruf entdecken können.

Die Frage nach der Verantwortung steht auch in der Abschlussrunde im Mittelpunkt: Welche Aufgaben hat der Staat, und welche übernehmen Stiftungen? Wolfgang Schroeder, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg stellt klar: „Die Hälfte des deutschen Bruttoinlandproduktes läuft über den Staat. Stiftungen, Vereine und zivilgesellschaftliches Engagement alleine können das Bildungssystem nicht richten.“ Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS entgegnet, dass sie die Aufgabe von Stiftungen nicht darin sehe, den Staat zu ersetzen: „ Wir übernehmen als Stiftung privat Verantwortung, aber wollen Lösungen gemeinsam mit öffentlichen Partnern entwickeln. Es gibt unterschiedliche Ministerien und Aufgaben, und dazwischen braucht es eine Brücke. Stiftungen sind mit Ideen, Kreativität und Fachwissen in der Lage, diese Brückenfunktion zu übernehmen, zum Beispiel zwischen den Ressorts Bildung und Soziales.“

Mit der Konferenz „Bildungslandschaften 2020“ endet das Programm Lebenswelt Schule der DKJS und der Jacobs Foundation, das vier Jahre lang Modellkommunen auf dem Weg zur Bildungslandschaft begleitet hat. Sandro Giuliani von der Jacobs Foundation, blickt zurück: „Das Programm hat viele Impulse auf verschiedenen Ebenen ausgelöst, wie es mit dem Ansatz der Bildungslandschaften weitergeht: in den Kommunen, in der Frage, wie eine langfristige Unterstützung der Kommunen in Deutschland aussehen kann und wie die Jacobs Foundation Bildungslandschaften in der Schweiz unterstützen kann.“ 

Gleichzeitig dient die Veranstaltung dem Wissenstransfer in der Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit der DKJS. Die Stadt Kassel arbeitet als Beispielkommune in der Initiative mit. Von dort ist Gabriele Steinbach, Leiterin des Schulverwaltungsamts, angereist. Sie hat schon eine ganz konkrete Vorstellung von der Kasseler Bildungslandschaft 2020: „Unser Wunsch ist, dass im Jahr 2020 alle Schulen in Kassel ganztägig arbeiten. Und hoffentlich können wir bis dahin das Modell der Bildungsregion, das wir gerade im Stadtteil Waldau testen, auf ganz Kassel ausweiten.“

Mehr Infos zur Veranstaltung und zum Thema Bildungslandschaften gibt es auf <link http: www.lokale-bildungslandschaften.de _blank external-link-new-window external link in new>www.lokale-bildungslandschaften.de. 

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Redaktion: Ilja Koschembar

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