Nationaler Aktionsplan Kinder- und Jugendbeteiligung
Beteiligung stärkt Demokratie
Die Abschlussdokumentation des Nationalen Aktionsplans (NAP) für Kinder- und Jugendbeteiligung hebt die Bedeutung der echten Beteiligung junger Menschen für die Demokratie hervor. Es wird betont, dass inklusive, niedrigschwellige Zugänge nötig sind und die Prozesse an die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen angepasst werden müssen. Trotz Fortschritten bleibt noch Entwicklungsbedarf.
06.06.2025
In ihrem Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2021 hatte die vergangene Bundesregierung festgelegt, dass mithilfe eines Nationalen Aktionsplans (NAP) für Kinder- und Jugendbeteiligung die Beteiligung junger Menschen in Deutschland gestärkt und die Jugendstrategie der Bundesregierung weiterentwickelt werden sollte. Als Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) durfte ich die Jugendsozialarbeit beim NAP im jugendpolitischen Beirat des Ministeriums vertreten. Die Abschlussdokumentation samt Handlungsempfehlungen wurden nun veröffentlicht und sind online zugänglich. Ich möchte im Folgenden zwei der Empfehlungen hervorheben:
- Kinder- und Jugendbeteiligung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie. Diese gesellschaftliche Relevanz soll deutlicher in der Öffentlichkeitsarbeit herausgestellt werden.
- Es soll sichergestellt werden, dass alle jungen Menschen in ihrer ganzen Vielfalt an Beteiligungsformaten mitwirken können. Besonders wichtig ist dabei, niedrigschwellige, diversitätssensible und inklusive Zugänge zu ermöglichen. (…) Dabei ist zu berücksichtigen, dass junge Menschen auch das Recht haben, sich nicht zu beteiligen. Darüber hinaus werden einzelne Formate und Inhalte nur für bestimmte Zielgruppen von jungen Menschen von Bedeutung und Interesse sein.
Die Kinder- und Jugendbeteiligung hat in Deutschland in den vergangenen Jahren auf allen politischen Ebenen und in nahezu allen gesellschaftlichen Teilbereichen, vor allem in der pädagogischen Praxis, einen Aufschwung erfahren und wird zunehmend umgesetzt. Es besteht jedoch noch Entwicklungsbedarf, um die Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachhaltig zu stärken. Dies gilt auch für die Jugendsozialarbeit. Trotz zunehmender Gelegenheiten und den vielfältigen Gründen, warum junge Menschen an allen sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden sollten, mangelt es in Deutschland noch immer an vielen Stellen an tatsächlichen Mitwirkungsmöglichkeiten. Der 17. Kinder- und Jugendbericht spricht von „Nicht-Beteiligung“ und kritisiert, dass insbesondere in den multiplen Krisen der letzten Jahre die Anliegen von jungen Menschen bei Entscheidungen kaum berücksichtigt wurden.
Leider macht der Koalitionsvertrag — als wichtige Grundlage für die Jugendpolitik der neuen Bundesregierung — wenig Hoffnung auf eine positive Weiterentwicklung. Hier heißt es nur schmal: „Wir veranstalten einen nationalen Kinder- und Jugendgipfel, um jungen Menschen Gelegenheit zu geben, ihre Anliegen zu artikulieren, mit Politikerinnen und Politikern zu diskutieren und Schwerpunkte für künftige Kinder- und Jugendpolitik vorzuschlagen.“
Das ist sehr wenig. Hoffnung macht jedoch, dass im ausrichtenden Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), wie auch bei den freien Trägerstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe, nicht zuletzt durch den NAP, eine sehr hilfreiche Expertise aufgebaut wurde und auf vielfältige positive Praxiserfahrungen zurückgegriffen werden kann.
Es schadet dennoch sicherlich nicht, die NAP-Dokumentation auch der neuen Hausleitung noch einmal mit auf den Weg zu geben. In diesem Zuge würde ich auch einige zugespitzte Botschaften ergänzen:
- Ein Event, wie ein Kinder- und Jugendgipfel, läuft immer Gefahr, Symbolpolitik ohne nachhaltige Wirkung zu bleiben: Alle fahren nach Hause und machen das, was sie schon immer gemacht haben.
- Echte Beteiligung ist keine Simulation.
- Wer Beteiligung wirklich will, muss Adultismus und Ausgrenzung bekämpfen.
- Es geht nicht primär darum, Beteiligungsformate an die Prozesse anzufügen, sondern durch Beteiligung die Prozesse an die Lebenswirklichkeit und die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen anzupassen.
- Nur durch eine Absenkung des Wahlalters entsteht Relevanz für die Politik; und die Bedürfnisse von jungen Menschen kommen auf die Tagesordnungen der Parteien und Fraktionen.
Abschlussbericht Nationaler Aktionsplan Kinder- und Jugendbeteiligung
Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit vom 21.05.2025
Termine zum Thema
-
15.09.2026
Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von gesellschaftlicher Polarisierung, Demokratiefeindlichkeit und Rechtsruck
-
16.09.2026
Bildungsforum Ruhr 2026 am 16.09.2026 im Umspannwerk Recklinghausen
-
30.09.2026
Online-Vortrag: Rückführungen planen sind gute Perspektiven
-
16.10.2026
Junge Klimakonferenz (LCOY) 2026
-
27.10.2026
Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe. Impuls (4/4) "Übergänge entwicklungsförderlich gestalten"
Materialien zum Thema
-
Studie
Abbruchrisiken in der Kinderpflege- und Erzieher*innenausbildung. Studie zu institutionellen und individuellen Einflussfaktoren in NRW
-
Studie
Beteiligung als soziale Frage. Eine sozialisationstheoretische Bestandsaufnahme zu Familie, Schule und Partizipation junger Menschen in Deutschland.
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Handreichung - Resilienz gegenüber rechtsextremer Einflussnahme
-
Zeitschrift / Periodikum
Außerschulische Bildung 2/2026 - „Zukunft Demokratie-Bildung“
-
Artikel / Aufsatz
Analysepapier „Gegenstandsangemessene Wirkungsevaluation in Demokratieförderung und nonformaler politischer Bildung. Eine fachliche Einordnung am Beispiel des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!’"
Projekte zum Thema
-
Kindersprachbrücke Jena e.V.
PARTS - Programm zur Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz
-
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN)
Eine bessere Welt für alle
-
Lehnitz Connect
Lehnitz Connect
-
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Bruchlininen - Lebenswege zwischen Freiheit und Unterdrückung
-
Careleaver. e.V.
Benefizlauf LASS LAUFEN vom 01. bis 31. Oktober
Institutionen zum Thema
-
Sonstige
BERNI - Überregionale Ombudsstelle Kinder- und Jugendhilfe Niedersachsen
-
Außeruniversitäre Forschungs-/Serviceeinrichtung
ISA – Institut für soziale Arbeit e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
-
Verband / Interessenvertretung
Kinder- und Jugendinteressenvertretung Hessen
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
medien.rlp – Institut für Medien und Pädagogik e.V.