Krieg gegen die Ukraine
Armut in der Ukraine massiv gestiegen
Drei Jahre nach der Eskalation des Krieges in der Ukraine kämpfen fast 75 Prozent der Menschen mit extremer Armut. Familien können sich kaum Essen, Kleidung oder Reparaturen leisten. Besonders Frauen und Kinder leiden. Save the Children warnt vor dramatischen Folgen und fordert mehr Unterstützung, um Not und Trennungen von Kindern zu verhindern. Millionen sind auf Hilfe angewiesen.
04.03.2025
Drei Jahre seit der Eskalation des Krieges in der Ukraine kommen fast 75 Prozent der Menschen kaum über die Runden. Familien können sich häufig keine nahrhaften Lebensmittel, Kleidung oder Reparaturen für ihre zerbombten Häuser leisten, und vor allem Frauen und Kinder leiden unter der wachsenden Armut. Dies geht aus Zahlen der Vereinten Nationen und einer aktuellen Bedarfsanalyse von Save the Children hervor.
Laut der Analyse der Kinderrechtsorganisation können 55 Prozent der 873 Befragten in der Ukraine ihre Miete nicht pünktlich zahlen und 46 Prozent sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um ihre Nebenkosten zu decken. Rund 42 Prozent der Haushalte haben Schwierigkeiten, an grundlegende Hygieneartikel wie Seife oder Shampoo zu kommen. Familien greifen in ihrer finanziellen Not teilweise zu verzweifelten Maßnahmen und sehen sich gezwungen, ihre Wohnung zu verkaufen, ihre Kinder ins Heim zu schicken oder risikoreicher Arbeit nachzugehen.
„Der Krieg in der Ukraine hat Kinder nicht nur vertrieben, ihre Schulen und Wohnhäuser zerstört, Angehörige und Freunde getötet und sie gezwungen, stundenlang voller Angst in eiskalten Schutzkellern auszuharren – er hat auch viele Kinder in Armut gestürzt. Ich habe Familien getroffen, die in zerstörten Häusern leben und sich die Reparaturen einfach nicht leisten können. Einige wissen nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll, andere müssen nachts frieren, weil das Geld für Decken und Winterkleidung fehlt. Kinder leiden am meisten unter den Auswirkungen dieses Krieges – wir dürfen sie nicht im Stich lassen“,
sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der erst Ende vergangenen Jahres in der Ukraine war.
Millionen von Menschen in der Ukraine haben durch den Krieg ihre Arbeit verloren, insbesondere vertriebene Frauen. Die Gehälter sind von einem monatlichen Durchschnitt von 7.000 Hrywna (UAH) oder 160 Euro im Jahr 2022 auf 5.000 UAH (114 Euro) gesunken, während die Lebensmittelpreise
drastisch gestiegen sind. So haben sich die Kosten für Kohl, Karotten und Kartoffeln seit 2022 mehr als verdoppelt. Schätzungen zufolge werden in diesem Jahr fast fünf Millionen Menschen in der Ukraine – davon 60 Prozent Frauen und Kinder – von Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Die Situation ist für einige Familien so prekär, dass sie keine andere Wahl sehen, als ihre Kinder einem Heim oder Verwandten anzuvertrauen, damit sie sicher untergebracht und ausreichend ernährt werden.
Seit dem Tod ihrer Mutter und der Eskalation des Krieges, der sie aus ihrer Heimatregion Donezk vertrieb, lebt die 14-jährige Yana* zusammen mit ihrer Großmutter Raisa*, 61, in einer von 1.800 Sammelunterkünften in der Ukraine. Hier teilen sich Vertriebene unterschiedlichen Alters und Geschlechts Schlafsäle, Gemeinschaftsbäder und Küchen.
„Es ging mir immer gut, aber dann ist mein Ehemann gestorben und ein Jahr später meine Tochter. Dann begann der Krieg und wir kamen in eine hoffnungslose Lage. Mit meiner Rente von 3.000 UAH (68 Euro) im Monat konnte ich nicht überleben. Die Preise sind in die Höhe geschossen. Ich fürchte, ich werde meinem Enkelkind nicht helfen können. Es ist sehr schwer für mich. Ich war noch nie in so einer Situation“,
sagt Raisa.
Save the Children fordert die Regierung der Ukraine und die internationale Gemeinschaft auf, Investitionen in Bildung, Gesundheit, Ernährung und soziale Unterstützung zu priorisieren. Nur so kann es gelingen, die Menschen aus der Armut zu holen, die Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen und
dafür zu sorgen, dass Kinder nicht aus der Not heraus von ihren Eltern getrennt werden.
Seit dem 24. Februar 2022 hat Save the Children seine Programme in der Ukraine erheblich ausgeweitet und mehr als 3,8 Millionen Kinder und Erwachsene unterstützt. Die Kinderrechtsorganisation hat den unmittelbaren Bedarf von Kindern und Familien durch die Bereitstellung von Bargeld-Nothilfen im Wert von insgesamt 60 Millionen US-Dollar, Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Hygieneartikeln und Winterausstattung gedeckt. Zudem bietet Save the Children unter anderem Bildungsprogramme an und leistet psychosoziale Unterstützung.
* Name zum Schutz geändert
Quelle: Save the Children vom 17.02.2025
Termine zum Thema
-
15.10.2026
Eurodesk Förderworkshop in Dortmund
-
04.11.2026
Kinderarmut und politische Bildung Zugänge schaffen, Teilhabe stärken
-
11.11.2026
Russlands Krieg gegen die Ukraine: Was hat das mit uns zu tun? - Zwischen Wehrpflichtdebatte, Geschichtsverfälschung und politischer Kritik
-
17.11.2026
Basisschulung - Kinderschutz & Kindeswohlgefährdung
-
27.01.2027
Inklusiver Kinderschutz - Kinder mit Beeinträchtigungen ganzheitlich im Schutzauftrag denken
Materialien zum Thema
-
Artikel / Aufsatz
Führerschein und Jobsuche: Warum es Pflegekinder und Careleaver*innen schwerer haben
-
Broschüre
Wegweiser zur Finanzierung Internationaler Jugendarbeit in Sachsen
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Finanzbildung für Jugendliche: kostenloses Lernmaterial
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Kartenset Sexuelle Bildung
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Praxisleitfaden „Das erweiterte Erziehungsprivileg – Jugendschutzrelevante Medien in der Kinder- und Jugendarbeit rechtssicher einsetzen“
Projekte zum Thema
-
Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Nordhein-Westfalen e.V.
Elterntalk in NRW
-
LAG / Fachstelle Jungenarbeit NRW
„Inside out“ - Praxisprojekt der LAG Jungenarbeit NRW 2026
-
LAG Jungenarbeit NRW e.V.
Praxisprojekt 2025 - Mal Dich frei
-
Hoschule für Soziale Arbeit – Fachhochschule Nordwestschweiz
Hausbesuche im Kindes- und Erwachsenenschutz in der Schweiz
Institutionen zum Thema
-
Sonstige
Öffentlicher Gesundheitsdienst
-
Sonstige
Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Kindernothilfe e.V.
-
Verband / Interessenvertretung
AWO Bundesverband e.V.
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
LIMAN - Kinder-, Jugend- und Familienhilfe