Fachkräftemangel
Allgemeinen Sozialen Dienst entlasten
Am 22. November 2022 beschäftigte sich das Präsidium des Deutsches Städtetags mit dem Fachkräftemangel und der Personalentwicklung in den Allgemeinen Sozialen Diensten (ASD). Ausgehend von einer Skizzierung und Evaluation der aktuellen Situation, auch vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine, wurden Lösungsvorschläge und Forderungen an Bund und Länder formuliert.
30.11.2022
In einem Rundschreiben des Deutsches Städtetags heißt es dazu:
„Die ASD erfüllen zentrale Aufgaben bei der Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit sozialen Hilfsleistungen und bei der Wahrnehmung öffentlicher Kontrollaufgaben, z.B. im Kinderschutz. Die Situation im ASD hat sich im Jahr 2022 besonders zugespitzt. Mittlerweile ist die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen auf-grund der sehr starken Auslastung der Inobhutnahmestellen und der stationären Heime nur noch nach bundesweiter Suche nach freien Plätzen möglich.“
Die Jugendämter weisen schon länger auf eine Überforderung der Beschäftigten in den ASD hin. Eine weitere Überlastung könne nun dazu führen, dass der Kinderschutz nicht mehr im notwendigen Maße gewährleistet werde kann. Diese Entwicklung, so führt das Präsidium des Deutschen Städtetags aus, gäbe es nicht nur aufgrund der gegenwärtigen Krisen, sondern auch wegen des sich stetig verschärfenden Fachkräftemangels in Sozial- und Erziehungsberufen. Auch ein rapider Anstieg an benötigten Personalressourcen und eine hohe personelle Fluktuation im Bereich spitzen die Problematik zu.
„Besonders stark wirkt sich der Fachkräftemangel auch beim Ausbau der Kapazitäten bei den Inobhutnahmestellen und den stationären Heimen für Kinder und Jugendliche aus. Der Bedarf steigt ständig, aber es ist kaum noch möglich, Träger für den Bau und Betrieb zusätzlicher stationärer Plätze zu finden.“
Lösungsmöglichkeiten und Forderungen an Bund und Länder
Aus der oben geschilderten Problematik ergibt sich für den Deutschen Städtetag die Forderung an Bund und Länder, Kommunen bei der Lösung zu unterstützen. Insbesondere beispielsweise bei der Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten (UMA) auf kleinere Kommunen oder bei der Überprüfung des Erziehungshilfebedarfs bei jungen Volljährigen bedürfe es Unterstützung.
Gleichzeitig bedarf es aus Sicht des Deutschen Städtetages einer Fachkräfteinitiative, die z.B. den Ausbau der Kapazitäten an Fachhochschulen im Bereich Soziale Arbeit beinhaltet. Ebenso müssten die Zugangsvoraussetzungen zur Tätigkeit im ASD neu geprüft werden. Außerdem appelliert der Deutsche Städtetag an Bund und Länder:
„Nicht zuletzt sorgen immer neue Aufgaben durch den Gesetzgeber für eine Überlastung der ASD. Bund und Länder müssen die personellen Engpässe in der sozialen Arbeit ernst nehmen und bei Gesetzesnovellierungen auf eine Entlastung der Sozialen Dienste achten. Die Schaffung neuer Aufgaben insbesondere im Verwaltungsbereich muss nach Möglichkeit vermieden werden, um nicht die Wahrnehmung der kinderschutzrelevanten Aufgaben zu gefährden.“
Das BMFSFJ hat angekündigt, noch im Dezember zu einem Gespräch mit Bundesländern, Kommunalen Spitzenverbänden, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege einzuladen, um die Probleme zu erörtern und eine gemeinsame Initiative zur Verbesserung der Situation zu starten.
Weitere Informationen
Der Beschluss (PDF: 163 KB) des Präsidiums des Deutschen Städtetags kann als PDF nachgelesen werden.
Quelle: Rundschreiben vom 29.11.2022 des Präsidiums des Deutschen Städtetags
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