Pandemiefolgen
10 Millionen Mädchen durch Covid-19 zusätzlich von Kinderheirat bedroht
Am internationalen Weltfrauentag warnt UNICEF, dass die Errungenschaften des letzten Jahrzehnts – die Verhinderung von 25 Millionen Kinderehen – nun ernsthaft bedroht sind. Zehn Millionen zusätzliche Kinderehen könnten bis zum Ende des Jahrzehnts geschlossen werden und die jahrelangen Fortschritte bei der Bekämpfung dieser Praxis gefährden, so eine neue Analyse, die UNICEF veröffentlicht hat.
10.03.2021
Der Bericht „COVID-19: A threat to progress against child marriage“ (Covid-19: Eine Bedrohung für den Fortschritt im Kampf gegen Kinderehen) – veröffentlicht am Internationalen Weltfrauentag – warnt, dass Schulschließungen, wirtschaftliche Belastung, Unterbrechungen von Dienstleistungen, Schwangerschaften und der Tod von Eltern aufgrund der Corona-Pandemie die am meisten gefährdeten Mädchen einem erhöhten Risiko aussetzen, verheiratet zur werden.
Schon vor dem Ausbruch von Covid-19 waren 100 Millionen Mädchen im nächsten Jahrzehnt dem Risiko einer Kinderheirat ausgesetzt, und das obwohl die Anzahl in mehreren Ländern in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. In den letzten zehn Jahren war der Anteil junger Frauen, die als Kinder verheiratet wurden, weltweit um 15 Prozent gesunken, von beinahe eine von vier auf eine von fünf. Das entspricht etwa 25 Millionen Ehen, die verhindert werden konnten – ein Erfolg, der nun in Gefahr ist.
Covid-19 hat die Lage für Millionen von Mädchen verschärft
„Covid-19 hat eine bereits schwierige Situation für Millionen von Mädchen noch schlimmer gemacht. Geschlossene Schulen, Isolation von Freundinnen und Freunden und Unterstützungsnetzwerken sowie steigende Armut haben Öl in ein Feuer gegossen, das die Welt ohnehin bereits kaum löschen konnte. Aber wir können und wir müssen die Kinderheirat vollständig abschaffen", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Der Internationale Weltfrauentag ist ein wichtiger Moment, um uns daran zu erinnern, was diese Mädchen zu verlieren haben, wenn wir nicht rasch handeln – ihre Bildung, ihre Gesundheit und ihre Zukunft."
Kinderheirat bedroht psychische und physische Gesundheit von Mädchen
Mädchen, die im Kindesalter heiraten, müssen mit unmittelbaren und lebenslangen Folgen rechnen. Es ist wahrscheinlicher, dass sie häusliche Gewalt erfahren und nicht die Schule weiterbesuchen. Kinderheirat erhöht das Risiko einer frühen und ungeplanten Schwangerschaft. Dies erhöht wiederum das Risiko von Komplikationen und Sterblichkeit bei Müttern. Kinderheirat kann Mädchen auch von ihren Familien und Freundinnen und Freunden isolieren und sie von der Teilnahme an ihren Gemeinschaften ausschließen. Das bedroht sowohl ihre psychische Gesundheit als auch ihr Wohlbefinden.
Covid-19 hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben von Mädchen. Pandemiebedingte Reisebeschränkungen und räumliche Distanz erschweren Mädchen den Zugang zu medizinischer Versorgung, sozialen Dienstleistungen und gemeinschaftlicher Unterstützung, die sie vor Kinderehen, ungewollter Schwangerschaft und geschlechtsspezifischer Gewalt schützen. Da die Schulen geschlossen bleiben, ist es wahrscheinlicher, dass Mädchen ihre Ausbildung abbrechen und nicht zum Unterricht zurückkehren werden. Arbeitsplatzverluste und erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit können Familien auch dazu zwingen, ihre Töchter zu verheiraten, um die finanzielle Belastung zu verringern.
Weltweit sind schätzungsweise 650 Millionen Mädchen und Frauen betroffen
Weltweit wurden schätzungsweise 650 Millionen heute lebende Mädchen und Frauen im Kindesalter verheiratet, etwa die Hälfte davon in Bangladesch, Brasilien, Äthiopien, Indien und Nigeria. Um die Auswirkungen von Covid-19 auszugleichen und die Praxis bis 2030 zu beenden – wie in den nachhaltigen Entwicklungszielen festgelegt – müssen die Fortschritte deutlich beschleunigt werden.
„Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie sind sofortige Maßnahmen erforderlich, um die Folgen für Mädchen und ihre Familien zu mildern", fügt Fore hinzu. „Durch die Wiedereröffnung von Schulen, die Umsetzung wirksamer Gesetze und Politiken, die Sicherstellung des Zugangs zu Gesundheits- und Sozialdiensten – einschließlich geschlechtsspezifischer und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsdienste – und die Bereitstellung umfassender sozialer Schutzmaßnahmen für Familien können wir das Risiko eines Mädchens, dass ihr ihre Kindheit durch Kinderheirat gestohlen wird, deutlich verringern."
Quelle: UNICEF vom 08.03.2021
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