Bildungspotenziale

Wie können Mindeststandards zu einer besseren Bildung beitragen?

Mindeststandards definieren, welche Kompetenzen Schüler:innen in bestimmten Bildungsetappen erworben haben sollten. In Deutschland kommen sie bislang nur uneinheitlich zum Einsatz und werden kaum dazu genutzt, die Qualität im Schulsystem zu sichern und zu verbessern. Expert:innen des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN) sehen hier große Entwicklungsmöglichkeiten und wollen eine breite Debatte zu dem Thema anstoßen. Dazu nahm das Bildungspolitische Forum 2022 am Dienstag, den 27. September, zentrale Fragen und Herausforderungen rund um Mindeststandards in den Blick.

05.10.2022

Diskussionspapier zeichnet Bildungsstandards in Deutschland

Das Bildungspolitische Forum 2022 fand in der Hessischen Landesvertretung in Berlin als Präsenzveranstaltung statt. Dort gab es einen intensiven Austausch über einheitliche und verbindliche Vorgaben durch Mindeststandards, wie auch aus einem nun von den Forschenden veröffentlichten Diskussionspapier hervorgeht: „Immer noch ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die ein geringes Kompetenzniveau erreichen und Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren, deutlich zu hoch“, heißt es in der Veröffentlichung. Betroffen sind häufig Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Die Organisator:innen des Forums gehen davon aus, dass Mindeststandards ein wichtiges Instrument sein können, um diesen Leistungs- und Gerechtigkeitsproblemen im Schulwesen zu begegnen und die Bildung für alle langfristig zu verbessern.

Das Diskussionspapier (PDF: 493 KB) ist online verfügbar. Es zeichnet die bisherige Entwicklung der Bildungsstandards in Deutschland nach und weist auf Entwicklungsbedarfe und zentrale, noch offene Fragen hin.

Bildungspolitisches Forum thematisiert Fragen und Herausforderungen

Die Forschenden weisen auf grundsätzliche Fragen hin, die noch offen sind und die es zu beantworten gilt. Dazu gehörten zum Beispiel, welche Mindeststandards bislang existieren und wie sie festgelegt werden, welche unerwünschten Nebenfolgen diese Standards haben können und was es braucht, um Mindeststandards zu sichern. Zudem gelte es, diese Fragen nicht nur für die verschiedenen Etappen im Schulsystem zu diskutieren, sondern viel mehr auch die frühe Bildung, die berufliche Bildung und die Hochschulbildung sowie den Bereich der digitalen Kompetenzen in den Blick zu nehmen.

Unter dem Titel „Mindeststandards – ein Beitrag zu besserer Bildung für alle?“ wurde das Thema in mehreren Keynotes, Foren und einer Podiumsdiskussion vertieft. Das Bildungspolitische Forum wird jedes Jahr vom Leibniz-Forschungsnetzwerk Bildungspotenziale (LERN) organisiert. Ziel ist, gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Bildungspraxis und der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Herausforderungen im Bildungswesen zu diskutieren.

Über das LERN-Netzwerk

Im Leibniz-Forschungsnetzwerk Bildungspotenziale (LERN) haben sich Forscher:innen aus Erziehungswissenschaft, Fachdidaktiken, Linguistik, Kultur-, Medien- und Neurowissenschaften, Ökonomie, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie sowie Informationswissenschaft und Informatik an 25 Einrichtungen zusammengeschlossen, um ihre Expertise zu bündeln und Entscheidungsträger:innen in der Bildungsadministration zu beraten. Das Netzwerk will dazu beitragen, Potenziale von Bildung und für Bildung besser zu erschließen und Ansatzpunkte für tragfähige Konzepte und erfolgsversprechende Reformen zu finden. Die Koordinationsstelle des Netzwerks ist am DIPF angesiedelt.

Quelle: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation vom 27.09.2022

Redaktion: Johanna Fock

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