Gesundheit

WHO betont die Bedeutung der Bekämpfung von Hörverlust im Kindesalter

Weltweit leben über 95 Millionen Kinder und Jugendliche mit unbehandeltem Hörverlust – mit gravierenden Folgen für Sprachentwicklung, Bildung und soziale Teilhabe. Zum Welt-Hörtag 2026 fordert die WHO Regierungen und Fachkräfte zum dringenden Handeln auf: von Hörscreenings in Schulen bis hin zu erschwinglichen Versorgungsangeboten in der Gemeinde. Denn kein Kind sollte zurückgelassen werden.

12.03.2026

Am Welt-Hörtag unter dem Motto „Von der Gemeinschaft bis zum Klassenzimmer: Hörversorgung für alle Kinder“ fordert die WHO Regierungen, die Zivilgesellschaft und Partner im Gesundheits- und Bildungswesen auf, dringend Maßnahmen zum Schutz des Gehörs von Kindern zu ergreifen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Förderung guter Ohr- und Hörpraktiken als Teil von Gesundheitsprogrammen in Schulen zur Vorbeugung von Hörverlust;
  • Integration von Ohr- und Hörscreenings in Gesundheitsprogramme von Schulen und Gemeinden mit klaren Überweisungswegen; und
  • die Bereitstellung genauer Informationen und praktischer Hilfsmittel für Lehrer*innen, Eltern, Gesundheitspersonal und Kinder.

Weltweit leben über 95 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 19 Jahren mit unbehandeltem Hörverlust und ohne Zugang zu den erforderlichen Dienstleistungen. Kürzlich veröffentlichte Daten der WHO und der Global Burden of Disease zeigen, dass diese Prävalenz in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, insbesondere in Afrika und Südostasien, unverhältnismäßig hoch ist.

Behandlung von Hörverlust durch evidenzbasierte Maßnahmen

Die WHO stellt Ländern technische Ressourcen zur Unterstützung der Ohr- und Hörversorgung zur Verfügung, darunter:

Die WHO hat außerdem Schulungsmaterialien entwickelt, um Gesundheitsfachkräften die Fähigkeiten zu vermitteln, häufige Ohr- und Hörprobleme zu erkennen und zu behandeln und Patienten bei Bedarf an höher qualifizierte Fachkräfte zu überweisen. Durch die Integration dieser Instrumente in die nationalen Gesundheitssysteme kann die Lücke beim Zugang zur Hörversorgung erheblich verringert werden.

In Kürze wird ein umfassendes Paket evidenzbasierter Maßnahmen für den Einsatz in der primären Gesundheitsversorgung sowie WHOears, eine kostenlose mobile Anwendung für iOS- und Android-Plattformen, zur Unterstützung der Umsetzung von Hörscreening-Programmen in Schulen und Gemeinden verfügbar sein. Durch die Möglichkeit, dass geschulte Personen Hörscreenings für Kinder in Schulen und Gemeinden durchführen können, wird die App den Zugang über die traditionellen Kliniken hinaus erweitern und die Bemühungen zur Früherkennung verstärken.

„Die WHO schätzt, dass fast 60 % der Ohr- und Hörprobleme in lokalen Gesundheitskliniken mit geschultem Gesundheitspersonal und der Verfügbarkeit der erforderlichen Geräte, Medikamente und Hörgeräte verhindert oder behandelt werden könnten“, sagte Dévora Kestel, Direktorin a.i. der WHO-Abteilung für nichtübertragbare Krankheiten und psychische Gesundheit. „Doch heute erhalten über 80 % der Menschen, die eine Ohr- und Hörversorgung benötigen, diese nicht. Diese Lücke hat schwerwiegende Folgen für Kinder und beeinträchtigt ihre Bildung, ihr psychisches Wohlbefinden und ihre zukünftigen Lebensgrundlagen.“

Auswirkungen von unbehandeltem Hörverlust

Unbehandelter Hörverlust beeinträchtigt nicht nur die Hörfähigkeit eines Kindes. Er kann auch die Sprachentwicklung verzögern, die kognitive Entwicklung behindern und die soziale Interaktion einschränken. Diese Herausforderungen führen oft zu schlechteren Bildungsergebnissen, geringeren Beschäftigungsaussichten und langfristigen wirtschaftlichen Nachteilen.

Die Prävention vermeidbarer Hörverluste, die frühzeitige Erkennung und rechtzeitige Intervention sind entscheidend für die Verbesserung der Ergebnisse für Kinder mit Hörverlust. Die Stärkung der primären Gesundheitsversorgungssysteme um Ohr- und Hördienstleistungen stellt sicher, dass Kinder die benötigte Versorgung erhalten, wenn sie sie benötigen.

Für Kinder, die bereits mit Hörproblemen leben, kann der rechtzeitige Zugang zu kostengünstigen, evidenzbasierten Interventionen – darunter Medikamente, Operationen, Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Rehabilitationstherapie, Gebärdensprache und andere assistive Technologien wie Induktionsschleifensysteme und Untertitelung – langfristige Folgen verhindern und eine uneingeschränkte Teilnahme am Schul- und Gemeinschaftsleben ermöglichen.

„Gemeinden und Schulen bieten eine natürliche und effektive Plattform, um Kinder sowohl mit Präventionsmaßnahmen als auch mit frühzeitiger Versorgung zu erreichen“, sagte Dr. Shelly Chadha, Teamleiterin für Augen-, Ohren- und Mundgesundheit bei der WHO. „Da nun praktische und erschwingliche Lösungen zur Verfügung stehen, sollte kein Kind aufgrund von unbehandelten Ohr- und Hörproblemen zurückgelassen werden.“

Quelle: World Health Organization (WHO) vom 03.03.2026, übersetzt vom Englischen ins Deutsche durch die Redaktion

Redaktion: Lena Gabert