Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
Studie zur schulischen Inklusion: Positionspapier formuliert Empfehlungen für die Bildungspolitik
Die Daten der Langzeitstudie „Inklusion in und nach der Sekundarstufe I in Deutschland“ (INSIDE) stehen der wissenschaftlichen Gemeinschaft ab sofort zur Verfügung. Parallel dazu veröffentlichten die INSIDE-Projektpartner ein Positionspapier, das auf Basis der bisherigen Studienergebnisse Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Weiterentwicklung inklusiver Bildung in Deutschland formuliert.
17.07.2026
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hat sich Deutschland zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet. Infolgedessen werden Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarfen zunehmend gemeinsam an allgemeinen Schulen unterrichtet. Doch insbesondere für die Sekundarstufe I sowie für die anschließenden Übergänge in Ausbildung, weiterführende Bildungsgänge oder das Berufsleben bestehen erhebliche Forschungsbedarfe zum Gelingen inklusiver Bildung und zu den Bildungswegen von Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
INSIDE liefert erstmals Daten zum Stand der schulischen Inklusion
Hier setzt die INSIDE-Studie an, die zwischen 2019 und 2024 insgesamt fünf Erhebungswellen durchgeführt hat, um den Stand der schulischen Inklusion in und nach der Sekundarstufe I zu erfassen. Zu Beginn nahmen mehr als 4.500 Schüler*innen der sechsten Jahrgangsstufe, mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarfen, teil. Neben wiederholten Befragungen wurden regelmäßig Kompetenztests durchgeführt. Darüber hinaus erfasste die Studie Informationen aus dem schulischen und familiären Umfeld durch Befragungen von Lehr- und Fachkräften, Schulleitungen sowie Eltern. Der nun verfügbare Datensatz enthält die aufbereiteten Längsschnittdaten aller fünf Erhebungswellen und steht der wissenschaftlichen Gemeinschaft kostenfrei für Analysen zur Verfügung.
Positionspapier formuliert bildungspolitische Empfehlungen
Zeitgleich mit der Datenveröffentlichung haben Wissenschaftler*innen des INSIDE-Projekts ein Positionspapier (PDF: 279 KB) veröffentlicht, das zentrale bisherige INSIDE-Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger aufbereitet. Im Fokus stehen dabei unterschiedliche Formen der Umsetzung inklusiver Bildung sowie deren Auswirkungen auf die schulische Entwicklung und die Bildungswege von Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
Auf Grundlage der bisherigen INSIDE-Ergebnisse empfehlen die Autor*innen unter anderem ein breites Verständnis von Inklusion, das alle Schüler*innen einbezieht und eine ganzheitlich inklusive Schulentwicklung unterstützt. Weitere Empfehlungen betreffen die verbindliche Zusammenarbeit von sonderpädagogischen und allgemeinpädagogischen Lehrkräften, die stärkere Verankerung des professionellen Umgangs mit Heterogenität in der Lehrkräftebildung sowie die Förderung sozialer Teilhabe, grundlegender Kompetenzen und überfachlicher Fähigkeiten.
Darüber hinaus formuliert das Positionspapier weitere bildungspolitische Empfehlungen. Dazu zählen die Entwicklung klarer Indikatoren für schulische Inklusionsziele, die stärkere Ausarbeitung inklusiver Konzepte insbesondere für Gymnasien sowie eine engere Zusammenarbeit von allgemeiner und sonderpädagogischer Lehrkräftebildung bereits an den Hochschulen.
INSIDE als Kooperationsprojekt
Die INSIDE-Studie wurde als gemeinsames Forschungsprojekt des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi), der Humboldt-Universität zu Berlin, der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Potsdam durchgeführt. Ziel der Studie war es, die Gelingensbedingungen inklusiven Unterrichts sowie die Umsetzung und Auswirkungen inklusiver Bildung in Deutschland umfassend und längsschnittlich zu untersuchen. Die Erhebungen wurden bundesweit in 14 Bundesländern durchgeführt. Mit der Veröffentlichung des Scientific-Use-Files und des Positionspapiers werden die im INSIDE-Projekt gewonnenen Daten und Erkenntnisse sowohl für die wissenschaftliche Weiterarbeit als auch für die Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung inklusiver Bildung in Deutschland zugänglich gemacht.
Über das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi)
Das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) in Bamberg untersucht Bildungsprozesse von der Geburt bis ins hohe Erwachsenenalter. Um die bildungswissenschaftliche Längsschnittforschung in Deutschland zu fördern, stellt das LIfBi eine grundlegende, überregional und international bedeutsame, forschungsbasierte Infrastruktur für die empirische Bildungsforschung zur Verfügung. Kern des Instituts ist das Nationale Bildungspanel (NEPS), das am LIfBi beheimatet ist und die Expertise eines deutschlandweiten, interdisziplinären Exzellenznetzwerks vereint.
Quelle: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe vom 29.06.2026
Materialien zum Thema
-
Studie
Beteiligung als soziale Frage. Eine sozialisationstheoretische Bestandsaufnahme zu Familie, Schule und Partizipation junger Menschen in Deutschland.
-
Podcast
Podcast: Was ist FFIPS? Und warum?
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Trotzdem über Israel und Palästina sprechen – Der Nahostkonflikt in der Bildungsarbeit
-
Broschüre
Trans* ganz einfach – im Job, in der Familie, auf Klassenfahrten – Praxisnahe Infos für Angehörige, Freund*innen und Fachkräfte
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 4-2025
Projekte zum Thema
-
MUTPraxis
Traumapädagogische Stabilisierung und psychosoziale Prävention im pädagogischen Alltag (MUTPraxis)
-
Stiftung "Achtung!Kinderseele"
Nicht jedes Schulkind ist schon schulstark – ein Pilotprojekt der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ will das ändern
-
Studio Gaus GmbH
Dandelin geht zur Schule
-
Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit e.V. und Deutscher Präventionstag
CleaRNetworking
-
Reinhard Gansert
SpoSpiTo-Bewegungs-Pass an Grundschulen – Laufend zu mehr Gesundheit und Klimaschutz