Weltdrogentag 2022

Studie zum Substanzkonsum von Jugendlichen und Videos für Jugendliche aus suchtbelasteten Familien

Anlässlich des Weltdrogentags am 26. Juni legte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung neue Ergebnisse der Studie „Der Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2021 zu Alkohol, Rauchen, Cannabis und Trends.“ vor. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. veröffentlichte mehrere Videos für Jugendliche aus suchtbelasteten Familien.

21.07.2022

Anlässlich des Weltdrogentags am 26. Juni legte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) neue Ergebnisse zum Substanzkonsum von jungen Erwachsenen vor. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. veröffentlichte zudem fünf Videos, für Jugendliche, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen.

Studie zum Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland

In der Repräsentativbefragung erhebt die BZgA regelmäßig den Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum der 12- bis 25-jährigen Bevölkerung bundesweit. Für den Alkoholsurvey 2021 wurden 7.002 junge Menschen in der Zeit der Coronavirus-Pandemie von April bis Juni 2021 befragt.

Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen:

„Prävention lohnt sich immer! Das zeigen die Zahlen beim Alkohol und beim Tabak eindeutig. Auch beim Thema Cannabis brauchen wir noch wirksamere Prävention und zwar so breitflächig wie möglich. Die kontrollierte Cannabisabgabe an Erwachsene wird es insgesamt leichter machen, offen und ehrlich über dieses Thema zu sprechen. Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen von Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum gehört in jede Schule, in jeden Verein, in jede Familie. Die Zeit der Tabuisierung sollte jetzt endlich vorbei sein!“

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

„Die neuen Daten zum Substanzkonsum junger Menschen zeigen insgesamt positive Entwicklungen. Immer mehr Jugendliche haben noch nie in ihrem Leben geraucht. Der Konsum von Alkohol bei Jugendlichen geht ebenfalls zurück. Doch sehen wir mit großer Sorge den Anstieg beim Cannabiskonsum junger Menschen. Die Hälfte der jungen Erwachsenen hat Erfahrung mit dem Konsum von Cannabis. Je früher Cannabis konsumiert wird, desto riskanter. Der Konsum von Cannabis kann die Entwicklung des Gehirns im Jugendalter beeinträchtigen. Diese gesundheitlichen Risiken dürfen nicht kleingeredet werden. Deshalb sind Präventionsangebote der BZgA speziell für junge Menschen wichtig, um sie frühzeitig über die Wirkweisen zu informieren und für die Risiken von Cannabis zu sensibilisieren.“

Ergebnisse zum Alkoholkonsum

Die neuen BZgA-Studienergebnisse zeigen, dass aktuell 8,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen regelmäßig, also mindestens einmal wöchentlich, Alkohol trinken. Im Vergleich zu 21,2 Prozent im Jahr 2004 hat sich der Wert deutlich reduziert und erreicht den niedrigsten Stand seit Beginn der Beobachtung. Auch bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist der Anteil, der regelmäßig Alkohol trinkt, gesunken: Lag er im Jahr 2004 bei 43,6 Prozent, sind es aktuell 32,0 Prozent.

Die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens zeigt sich sowohl bei den 12- bis 17-Jährigen als auch bei 18- bis 25-Jährigen zwischen 2019 und 2021 rückläufig. Ein möglicher Grund für diese Entwicklung ist, dass es aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie weniger Konsumanlässe gab.

Ergebnisse zum Rauchverhalten

Die Raucherquote liegt stabil auf historisch tiefem Stand: 6,1 Prozent der Jugendlichen und 29,8 Prozent der jungen Erwachsenen gaben im Jahr 2021 an, zu rauchen. Im Jahr 2001 waren es 27,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 44,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen.

Ergebnisse zum Cannabiskonsum

Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen, die schon einmal Cannabis konsumiert haben, ist von 34,8 Prozent im Jahr 2012 auf 50,8 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Bei den 12- bis 17-Jährigen ist dieser Anteil im Vergleich zu 2019 nahezu unverändert mit 9,3 Prozent im Jahr 2021. Damit liegt er aktuell höher als noch vor zehn Jahren. Im Jahr 2011 gaben in dieser Altersgruppe 6,7 Prozent an, bereits Cannabis konsumiert zu haben.

Das Internetportal drugcom bietet aktuelle und wissenschaftlich fundierte Informationen der Cannabisprävention für junge Menschen sowie für Fachkräfte und schon drogenaffine junge Menschen. Mit einem Online-Selbsttest „Cannabis-Check“ kann der eigene Umgang überprüft werden. Das Online-Verhaltensänderungsprogramm „Quit the shit“ unterstützt individuell und persönlich bei der Konsumreduzierung. Es kann kostenfrei und anonym genutzt werden und hat in verschiedenen Studien seine Wirksamkeit bestätigt.

Das Beratungstelefon der BZgA zur Suchtvorbeugung ist unter 0221 89 20 31 von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr erreichbar – zum Preis entsprechend der Preisliste des Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz. Es bietet die Möglichkeit zu einer persönlichen Beratung und informiert über Hilfs- und Beratungsangebote vor Ort.

Über die Studie

Der BZgA-Alkoholsurvey 2021 wurde im Rahmen der BZgA-Jugendkampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ durchgeführt und vom Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) gefördert.

Die BZgA untersucht regelmäßig mit wiederholt durchgeführten Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Für den Alkoholsurvey 2021 wurden 7.002 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2021 befragt.

Der Studienbericht steht zum Download zur Verfügung.

Ein Faktenblatt mit ausgewählten Ergebnissen des BZgA-Alkoholsurveys 2021 steht ebenfalls als Download zur Verfügung.

Videos für Jugendliche aus suchtbelasteten Familien

Unter dem Reihentitel „Ich finde meinen Weg“ hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fünf animierte Videos für Jugendliche und junge Erwachsene aus suchtbelasteten Familien produziert. Ein begleitendes Faltblatt mit weiterführenden Informationen ergänzt das Angebot. Die etwa anderthalbminütigen Kurzfilme widmen sich zentralen Themen des Jugend- und jungen Erwachsenenalters: Ablösung von Zuhause, Liebe, Umgang mit Alkohol, Berufswahl und Selbstfindung.

Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der BZgA, erklärte:

„In Deutschland leben schätzungsweise über drei Millionen Kinder und Jugendliche in suchtbelasteten Familien. Am häufigsten geht es um Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit. Für Kinder und Jugendliche sind die emotionalen und psychischen Belastungen durch die Suchterkrankung ihrer Eltern enorm hoch. Gleichzeitig nimmt dadurch ihr späteres Suchtrisiko zu. Mit dem neuen Angebot der DHS und der BZgA möchten wir insbesondere betroffene Jugendliche und ihre Familien erreichen, sie stärken, begleiten und unterstützen, wenn sie Hilfe und Beratung brauchen.“

Christine Kreider, DHS Referentin für Prävention, erläuterte das Konzept der Videoreihe:

„In suchtbelasteten Familien dreht sich häufig alles um das suchtkranke Familienmitglied. Heranwachsende in Suchtfamilien erleben ein Familienklima, das oft nur wenig Raum lässt, unbeschwert Kind sein zu dürfen. Dies hat Folgen: für viele bis ins Erwachsenenalter hinein. So ist beispielsweise das Risiko erhöht, selbst alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängig zu werden. Doch Abhängigkeitserkrankungen sind nicht vorprogrammiert! Die Jugendlichen sollen sich in den Videos wiederfinden und verstanden fühlen. Außerdem weisen sie auf Hilfeangebote hin.“

Die Videos finden sich auf dem Youtube-Kanal der Deutschen Haupstelle für Suchtfragen. Bestellung und Download der Begleitbroschüre sind über das Bestellcenter möglich.

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu Substanzkonsum finden sich auf der Website des Bundesdrogenbeauftragten.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA) vom 23.06.2022 und Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. vom 21.06.2022

Redaktion: Silja Indolfo