Sichere Straßen
Kidical Mass Aktionsbündnis fordert Tempo 30 jetzt
Bundesweite Familienfahrraddemos fordern sichere Schulwege und Tempo 30. Eine forsa-Umfrage zeigt, dass viele Eltern den Schulweg ihrer Kinder als unsicher empfinden. Trotz bekannter Lösungen wie verkehrsberuhigten Zonen fehlt es an Umsetzung. Das Kidical Mass-Bündnis drängt auf schnelle Maßnahmen für eine kindgerechte Mobilität.
08.09.2026
Seit 2020 finden bundesweit Familienfahrraddemos für kindgerechte Straßen mit zehntausenden Teilnehmenden statt. Zum Schulbeginn rückt die Sicherheit von Schulwegen jedes Jahr politisch in den Fokus – an der Situation vor Ort ändert sich bisher aber nur wenig. Ein breites Bündnis fordert mit den Demonstrationen eine zügige Umsetzung wirksamer Maßnahmen. Bei den Kidical Mass-Aktionstagen vom 12. bis 27. September können die Kinder mit ihrem Fahrrad sicher auf der Straße fahren.
Nicht die Kinder müssen vorsichtiger werden, sondern die Straßen sicherer: Zu viel Autoverkehr und mangelhafte Infrastruktur erschweren die eigenständige Mobilität von Kindern und verringern so ihren Bewegungsradius. Eine forsa-Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt: Jedes fünfte Elternteil schätzt den Schulweg des eigenen Kindes als unsicher ein. In Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohner*innen sowie bei Eltern unter 40 Jahren sind es sogar 25 Prozent. Ein Drittel der Befragten hat bereits gefährliche Situationen durch Elterntaxis erlebt. Gleichzeitig befürworten mehr als 90 Prozent der Eltern konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit, darunter sichere Querungsmöglichkeiten, Tempo 30 und verkehrsberuhigte Zonen vor Schulen.
Mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung wurde die Einführung von Tempo 30 zwar auf dem Papier vereinfacht, auf der Straße ist davon allerdings bisher wenig angekommen. Auch die anderen erforderlichen Veränderungen sind schon seit langem bekannt: sichere und dichte Fuß- und Radwegenetze, verkehrsberuhigte Schulstraßen sowie gut einsehbare Querungen.
Für Kinder sollte es selbstverständlich sein, selbst zu erfahren, dass Radfahren Spaß macht und eigenständige Mobilität ermöglicht. Doch die Sorgen um ihre Sicherheit im Straßenverkehr sind bei Eltern groß, und damit Kinder sich sicher im Straßenverkehr bewegen können, muss dringend gehandelt werden.
Das Kidical-Mass-Bündnis will die Menschen für eine kindgerechte Mobilität begeistern. Fahrradfahren muss sicher und bequem werden, damit alle Generationen aufsatteln.
Ragnhild Sørensen, Changing Cities, sagt:
„Als ich Kind war, bin ich seit der ersten Klasse mit meinem gelben Rad zur Schule gefahren. Das war das erste Gefühl von Freiheit und Selbständigkeit. Diese Freude soll jedes Kind erleben dürfen, denn es ist wegweisend für ein erfülltes Leben. Das geht aber nur, wenn wir Erwachsenen den Rahmen dafür setzen: mit sicheren Rad- und Fußwegen und maximal Tempo 30 für den Autoverkehr. Verkehrsplanung für das gute Leben, sozusagen!“
Matthias Kurzeck, VCD-Bundesvorsitzender, sagt:
„Kinder brauchen keine leeren Versprechungen, sondern sichere Straßen – und zwar jetzt. Tempo 30 innerorts, dichte Fuß- und Radwegenetze, autofreie Schulstraßen und sichere Querungen machen den Verkehr nachweislich sicherer und ermöglichen Kindern, eigenständig unterwegs zu sein. Es darf nicht sein, dass Eltern ihre Kinder aus Angst mit dem Auto zur Schule fahren müssen und damit das Problem noch verschärfen. Die Lösungen sind längst da, jetzt muss die Politik handeln.”
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, sagt:
„Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können. Kinder, die sich selbstständig im Straßenverkehr bewegen und beispielsweise mit dem Rad zur Schule kommen, tun etwas für ihre Gesundheit und entwickeln vor allem ein Gefühl für ihren Sozialraum und ihre Mitmenschen. Das stärkt ihre Eigenständigkeit und fördert ihr Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen in der Wahrnehmung unterschiedlicher Lebensverhältnisse. Daher fordern wir eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Verkehrspolitik und eine echte Mobilitätswende.“
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