Europarat
Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch muss auf soliderer Datengrundlage beruhen, nicht nur auf Strafstatistiken
Der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, betont, wie wichtig es sei, Daten aus verschiedenen Quellen zu sammeln, etwa aus den Bereichen Bildung und Gesundheit, von Telefonhotlines, Kinderschutzdiensten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und von Kindern selbst. Diese Daten seien wichtig, um eine bessere Politik zu entwickeln, Täter vor Gericht zu bringen und sexuellen Missbrauch zu verhindern.
18.12.2025
Daten sind entscheidend, um bessere Politik zu entwickeln, Täter vor Gericht zu bringen und sexuellen Missbrauch zu verhindern
„Um wirksam zu sein, müssen die Maßnahmen, die wir ergreifen, um Kinder zu schützen und Täter zu fassen, evidenzbasiert sein. [...] Viele Staaten erheben weiterhin nur grundlegende Daten aus der Strafjustiz oder verwenden diese Daten nicht angemessen. Die in den Berichten enthaltenen Fakten und Zahlen dürfen nicht wirkungslos bleiben: Sie müssen den politisch Verantwortlichen zur Kenntnis gebracht und deren Entscheidungen als Grundlage dienen, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Das Erheben von Daten ist ein erster Schritt in die richtige Richtung und eine Investition, die sich lohnt“,
so der Generalsekretär des Europarates Alain Berset.
Europarat fordert wirksamere Datenerhebung zur Verbrechensbekämpfung
In einem kürzlich veröffentlichten Bericht über Datenerhebungsmechanismen betont der Lanzarote-Ausschuss, dass es wichtig sei, sich auf andere Datenquellen als Strafstatistiken zu stützen. In der Tat wird sexueller Missbrauch von Kindern häufig nicht gemeldet. Um diesem Problem zu begegnen, müssen zahlreiche Akteure einbezogen werden, darunter Kinderschutzdienste, multidisziplinäre Stellen für minderjährige Opfer und Zeugen (wie die „Barnahus“-Einrichtungen), Angehörige der Erziehungs- und Gesundheitsberufe, die wertvolle Informationen sammeln können, um die Art und die Ursachen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs von Kindern besser zu verstehen und wirksame Lösungen zu entwickeln.
Die Kinder, denen die Maßnahmen zu ihrem Schutz letztendlich zugutekommen, können wichtige Informationen über die Risiken, denen Sie ausgesetzt sind, die Realität vor Ort und die Ansätze liefern, die funktionieren oder nicht funktionieren. Darüber hinaus könnte die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für den Schutz von Kindern einsetzen, die Qualität der erhobenen Daten erheblich verbessern. Die Einrichtung einer Plattform, auf der die Informationen nationaler und lokaler Akteure zentral gesammelt werden, könnte zudem zur besseren Koordinierung der Maßnahmen beitragen. Dies setzt voraus, dass sich alle Akteure der Datenerfassung auf standardisierte Methoden zur Klassifizierung ihrer Informationen einigen, um Doppelgleisigkeit und Inkonsistenz zu vermeiden.
Hintergrund
Im Mittelpunkt der Konferenz zum Kapazitätsaufbau, die am 18. November in Chișinău anlässlich des Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch stattfindet, wird vor allem die Stärkung der Datenerhebungsmechanismen in den Vertragsstaaten der Lanzarote-Konvention stehen. Dies ist die erste Großveranstaltung, die im Rahmen des moldauischen Vorsitzes im Ministerkomitee des Europarates organisiert wird.
Der 2015 vom Europarat ins Leben gerufene Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch soll das Bewusstsein schärfen und eine offene Debatte über sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch von Kindern ermöglichen, um der Stigmatisierung von Opfern und Überlebenden ein Ende zu setzen.
Quelle: Europarat vom 17.11.2025
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