KI in der Bildung

Schulen stärken, damit aus der Chance kein Rückschritt wird

KI in Schulen bietet Chancen wie individualisiertes Lernen, birgt aber Risiken wie soziale Ungleichheit durch ungleiche Zugänge. Laut Trendmonitor 2026 profitieren medienkompetente Schüler*innen mehr. Der VBE fordert politische Maßnahmen für Infrastruktur, Datenschutz und Fortbildungen, um gerechte Teilhabe zu sichern. Lehrkräfte brauchen ebenfalls klare Regeln und Rechtssicherheit.

02.10.2026

„KI wird nicht automatisch zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Sie kann und wird auch keine Lehrkraft und keine Beziehungsebene ersetzen können. Sie kann individuelle Förderung verbessern und Teilhabe ermöglichen. Sie kann aber ebenso bestehende Unterschiede verstärken, wenn Zugang, Ausstattung und Unterstützung vom Wohnort oder vom Elternhaus abhängen. Deshalb muss die Politik sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von den Chancen profitieren können. Wenn KI zur Privatsache der Familien wird, wird aus digitaler Innovation ein neuer Treiber sozialer Ungleichheit“, 

betont Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), anlässlich des am 23.09.2026 veröffentlichten „Trendmonitor 2026 – KI in der Bildung“ der Telekom-Stiftung.

Dieser zeigt, dass künstliche Intelligenz längst in den Schulen angekommen ist und sowohl Chancen als auch Gefahren mit sich bringt. Sie kann individualisiertes und inklusives Lernen unterstützen, zugleich aber auch die digitale Kluft zwischen Schüler*innen vergrößern. Der Trendmonitor basiert auf einer Analyse von 258 KI-Anwendungen und einer Befragung von 81 Expert*innen. Danach profitieren medienkompetente Lernende voraussichtlich stärker von KI, während Schüler*innen mit geringeren digitalen Kompetenzen Gefahr laufen, KI vor allem aus Bequemlichkeit zu nutzen. Gleichzeitig sehen die Befragten großes Potenzial für individualisiertes Lernen und für Anwendungen, die Barrieren abbauen können.

Hierzu Neckov: 

„Politik ist in der Verantwortung. Es braucht eine verlässliche digitale Infrastruktur, die sicherstellt, dass alle Schüler:innen partizipieren können, datenschutzkonforme und barrierefreie Anwendungen sowie gezielte Unterstützung für Schulen in sozial besonders herausfordernden Lagen. Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht die Herkunft darüber entscheidet, ob ein Kind KI sinnvoll und kritisch nutzen lernt.“

Lehrkräfte brauchen Zeit und Rechtssicherheit

Viele Lehrkräfte nutzen KI zunehmend, fühlen sich im Umgang damit aber noch unsicher. In der zugrunde gelegten Befragung geben 57 Prozent an, sich eher oder sehr unsicher zu fühlen. Rund 64 Prozent fühlen sich weniger gut oder schlecht darüber informiert, wie sie KI rechtssicher einsetzen dürfen. Als besonders dringlich werden deshalb Fortbildungen und die Förderung reflexiver KI-Kompetenzen bewertet.

„Wer möchte, dass KI zur besseren individuellen Förderung beiträgt, muss die Lehrkräfte dafür ausstatten. Sie brauchen klare Regeln, qualifizierte Fortbildungen und ausreichend Zeit, um den Einsatz gemeinsam im Kollegium zu entwickeln. Zudem muss das Thema stärker in der Ausbildung verankert werden. Lehrkräfte können digitale Ungleichheiten ausgleichen, aber nicht nebenbei. KI darf nicht zur zusätzlichen Belastung oder zum Ersatz für fehlendes Personal werden. Entscheidend ist nicht, wie schnell möglichst viele Anwendungen eingesetzt werden, sondern ob alle Kinder dadurch besser lernen können.“

Quelle: Verband Bildung und Erziehung e. V. vom 23.09.2026

Redaktion: Adrian Halle