Kinderschutz

Save the Children veröffentlicht Leitfaden zu Kinderfotos und -videos

Alltagsfotos in Social Media können missbraucht werden – besonders wenn Kinder abgebildet sind. Ein neuer Leitfaden von Save the Children unterstützt Schulen, Kitas und andere Einrichtungen bzw. Akteur*innen dabei, Risiken zu erkennen und zu minimieren. Empfehlungen und Beispiele sollen zu einer sicheren Bildauswahl führen.

26.06.2025

Kinder, die ein Eis lutschen, in engen Trikots an Sportgeräten turnen, sich als Erwachsene verkleiden oder mit großen Augen in die Kamera schauen: Fotos und Videos müssen nicht zwingend nackte Haut zeigen, um für pädokriminelle Täter*innen interessant zu sein. Mit einem neuen Leitfaden ruft die Kinderrechtsorganisation Save the Children nun Schulen, Kindergärten, Vereine und andere Akteur*innen dazu auf, sich kritisch mit der Veröffentlichung aller Aufnahmen auseinanderzusetzen, die Kinder abbilden. 

Im Fokus stehen Fotos und Videos, die Kinder in alltäglichen Situationen zeigen, und auf den ersten Blick als harmlos empfunden werden – obwohl sie ebenfalls große Risiken bergen. Denn auch Alltagsaufnahmen werden von Social-Media-Kanälen und Webseiten gestohlen und in einschlägigen Internetforen hochgeladen. Dort werden die Fotos und Videos milliardenfach aufgerufen, getauscht und kommentiert. Das geschieht etwa mit sexualisierenden Texten, sexuellen Lauten oder bestimmten Hashtags und Emojis. Auch KI-Tools tragen dazu bei, dass Aufnahmen täuschend echt verändert werden. Mit sogenannten Deepnude-Generatoren oder Nudifiern können Bilder von bekleideten Kindern mit wenigen Klicks sexualisiert werden. 

Accounts von Eltern geraten dabei ebenso ins Visier von Täter*innen wie die Internetauftritte von Schulen, Horten, Kindergärten, Sportvereinen oder Organisationen. 

„Wer Alltagsaufnahmen von Kindern ins Netz stellt, sollte sich dieser Risiken bewusst sein – und wissen, welche Motive für pädokriminelle Täter*innen besonders interessant sind. Wir möchten Verantwortlichen in Institutionen und Organisationen Wissen an die Hand geben, um informiert zu entscheiden, welche Bilder sie teilen und welche besser nicht. Dabei schauen wir auch kritisch auf unsere eigenen Veröffentlichungen – immer mit dem Ziel, Kinder und ihre Rechte bestmöglich zu schützen“, 

sagt Britt Kalla, Expertin für institutionellen Kinderschutz bei Save the Children Deutschland und Autorin des Leitfadens.

„Die Sexualisierung von Aufnahmen, die Kinder und Jugendliche in alltäglichen Situationen zeigen, ist ein Phänomen, welches wir seit Jahren bei der Bearbeitung von Hinweisen und Recherchen beobachten – in zum Teil drastischen Ausprägungen. Neue technologische Entwicklungen, die eine Manipulation von Bildern und Videos ermöglichen, verstärken das Problem. Das Bewusstsein für Risiken auch in Institutionen und Organisationen zu schärfen, ist deshalb von großer Relevanz“, 

unterstreicht Jasmin Wahl, Leiterin des Bereichs Sexualisierte Gewalt bei jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Das Zentrum ist als Kooperationspartner am Leitfaden beteiligt.

Die Inhalte der Publikation basieren auf zahlreichen Gesprächen mit Expert*innen von Kinder- und Jugendschutzorganisationen und der Polizei. Die 36-seitige digitale Veröffentlichung gibt Hintergrundinformationen zu Pädokriminalität im Internet und erklärt mit vielen Beispielen, wie Täter*innen vorgehen. Anhand von Illustrationen werden riskante und weniger riskante Motive gegenübergestellt und Empfehlungen gegeben – sowohl zur Bildauswahl als auch zu technischen Sicherheitsvorkehrungen. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit den Rechten von Kindern, die durch die Zweckentfremdung ihres Bildmaterials verletzt werden. 

Weiterführende Informationen

  • Informationen zum Leitfaden finden Sie auch auf der Website von Save the Children. Er kann dort auf Deutsch (PDF: 906 KB) und Englisch (PDF: 844 KB) heruntergeladen werden.
  • Pädokriminalität ist ein Sammelbegriff für Handlungen an, mit oder vor Kindern, in denen sie sexualisierte Gewalt erfahren oder mit dieser konfrontiert sind. Der Begriff gilt unabhängig von Tatmotiven, zum Beispiel um Macht oder Gewaltfantasien auszuleben oder weil ein sexuelles Interesse an Kindern besteht.

Über jugendschutz.net

jugendschutz.net fungiert als das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Die Stelle recherchiert Gefahren und Risiken in jugendaffinen Diensten. Sie wirkt darauf hin, dass Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen beseitigt und Angebote so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche sie unbeschwert nutzen können. jugendschutz.net nimmt über seine Online-Beschwerdestelle Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendmedienschutz entgegen.

Quelle: Save the Children vom 17.06.2025

Redaktion: Celine Richter