Jugendforschung

Saarland: 4. Kinder- und Jugendbericht vorgestellt

An einem Zaun stehen viele Kinder und schauen auf die andere Seite.

Der 4. Kinder- und Jugendbericht des Saarlands legt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowie der sich veränderten familialen Lebensformen und -strukturen die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen dar.

23.07.2014

„Der Bericht zeigt, dass das Saarland besonders lebenswert für Kinder und Jugendliche ist. Vor allem im Bereich der „Frühen Hilfen“ nimmt unser Land eine bundesweite Vorreiterrolle ein. Der Bericht macht aber auch deutlich, dass sich die Formen von Kindheit und Jugend verändert haben und sich zudem noch weiter verändern werden. Dies stellt uns vor neue Herausforderungen, die es nun zu bewältigen gilt. Unser Ziel bleibt es, allen Kindern im Saarland gute Zukunftschancen zu bieten“, so Minister Storm.

Der 4. Kinder- und Jugendbericht legt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowie der sich veränderten familialen Lebensformen und -strukturen die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen dar. So geht er unter anderem auf die wachsende, teilweise ganztägige Betreuung von jungen Kindern durch Institutionen im Bereich des Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungswesens, die steigende Zahl von Alleinerziehenden wie auch auf die starke Medialisierung von Kindern und Jugendlichen ein. Insgesamt bietet er, unterlegt durch eine Vielzahl von Informationen, Daten und Fakten, eine fundierte Grundlage für das weitere Handeln und zeichnet ein differenziertes Bild über Veränderungen von Kindheit und Jugend in unserer Gesellschaft.
Im Hinblick auf die derzeitige Situation im Saarland zieht der Bericht ein weitgehend positives Fazit.

Demnach zeigten die ausdifferenzierten Maßnahmen und Bemühungen, die die Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Land mit jährlich rund 400 Mio. Euro finanzieren, teilweise sogar bundesweit beachtete und einmalige Ergebnisse.

So nimmt das Saarland mit den 2007 als Landesprogramm gestarteten „Frühe Hilfen - Keiner fällt durchs Netz“ eine Vorreiterrolle im Bereich Prävention und Kinderschutz ein, die modellhaft für die Verstetigung des Programms „Frühe Hilfen“ auf Bundesebene waren. Die Schaffung eines „Verbindlichen Einladungssystems zur Steigerung der Wahrnehmung der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder im Saarland“ ist dabei nur ein Beispiel für die gelungene Verbindung von gesundheitlicher Prävention mit dem Ziel eines effektiven Kinderschutzes.

„Trotz dieses positiven Befundes stehen wir vor großen Herausforderungen, denn bundesweit und daher auch im Saarland tragen Familien das höchste Armutsrisiko. Dies gilt insbesondere für Ein-Eltern-Familien, Mehr-Kind-Familien sowie Familien mit Migrationshintergrund. Nur durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten können wir diese Aufgabe im Sinne der jungen Generation anpacken und lösen“, macht Storm deutlich.

„Daher werden wir auf Basis des vorliegenden Berichtes in den kommenden Wochen einen intensiven Dialog über dessen Ergebnisse führen und gemeinsam die daraus folgenden Konsequenzen und Maßnahmen besprechen. Im Rahmen der Saarländischen Generationenpolitik sollen dabei vor allem die jugendpolitischen Akteure gestärkt werden.“ Münden soll dieser Dialog laut Storm nach Absprache mit den Regierungskoalitionen in einer jugendpolitischen Debatte im Saarländischen Landtag zum Jahresende.

Sozialminister Storm nannte bei der Vorstellung des Berichtes im Rahmen der heutigen Landespressekonferenz auch bereits Handlungsschwerpunkte für konkrete Maßnahmen in den kommenden Monaten. So sollen unter anderem die vorbildlichen Angebote im Bereich der „Frühen Hilfen" weiter ausgebaut und mit anderen Angeboten vernetzt werden. Damit sollen im Sinne eines Lebensphasenmodells Betreuungsketten entstehen, die ein besonderes Augenmerk auf die Problemlagen von überdurchschnittlich stark belasteten Familien legen. Außerdem sollen hierbei die Chancen und Grenzen der Einbeziehung von ehrenamtlichem Engagement ausgelotet werden.
Im Bereich des Kinderschutzes kündigt Storm an, zum einen die spezifischen Präventionsangebote zu verstetigen und teilweise ausbauen sowie zum anderen die Schaffung eines Ombudssystems intensiv prüfen zu wollen.

Im Rahmen des saarländischen Vorsitzes der Jugend- und Familienministerkonferenz im Jahr 2015 möchte Storm zudem einen inhaltlichen Schwerpunkt hinsichtlich der besonderen Situation von Alleinerziehenden setzen. „Hier gilt es bundesweit Lösungen zu finden, die eine faire Teilhabe an Bildung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben ermöglichen. Hier wollen wir gemeinsam mit allen Ländern Vorschläge im Sinne einer präventiven Armuts- und aktiven Kinder- und Familienpolitik erarbeiten“, unterstreicht Storm seine Ziele.

Hintergrund

Der 4. Kinder- und Jugendbericht wurde gemäß dem 1. Ausführungsgesetz zum Kinder- und Jugendhilfegesetzes erstellt. Danach ist die Landesregierung beauftragt, einmal in der Legislaturperiode über die wichtigsten Entwicklungstendenzen in der Kinder- und Jugendpolitik im Lande zu berichten.

Als Thema befasst er sich mit „Neue Familialität als Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe“. Hintergrund dieser Aufgabenstellung ist der Umstand, dass in den letzten Jahren die Bedeutung von Familienpolitik erheblich gewachsen ist und auch die Kinder- und Jugendhilfe aufgewertet und ausgeweitet wurde - sie gilt heute als Regelangebot für alle Kinder, Jugendlichen und Familien und bietet den Familien in ihren differenzierten Formen ein umfassendes Unterstützungsangebot zur Bewältigung unterschiedlicher Aufgabenstellungen.

Der Bericht wurde vom Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. gemeinsam mit einer aus Vertreterinnen und Vertretern der saarländischen Jugendhilfe und weiteren betroffenen Arbeitsfeldern besetzten Lenkungsgruppe erarbeitet.

Quelle: Landesregierung Saarland vom 22.07.2014

Redaktion: Nadine Paffhausen

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