Mecklenburg-Vorpommern
Mit Jugendbegegnungen Demokratie stärken
Der internationale Jugendaustausch fördert Toleranz, interkulturelle Kompetenz und demokratische Werte. Besonders in Ostdeutschland fehlt es jedoch an Ressourcen für solche Programme. Das DFJW und der Landesjugendring M-V fordern mehr politische und finanzielle Unterstützung, um Jugendarbeit zu stärken.
16.10.2024
Jugendaustausch und internationale Jugendarbeit setzen demokratiefeindlichen, anti-europäischen und rechtsextremen Einstellungen wichtige Erfahrungen entgegen: Wenn junge Menschen bei einem mehrtägigen Austausch in einer Gastfamilie in Frankreich leben, bei einem Sportfest grenzüberschreitend Freundschaften schließen oder bei einem Azubi-Jugendaustausch Croissants backen lernen, so ist dies eine lebensprägende Erfahrung für junge Menschen. Während für die Bundesrepublik Jugendaustausch schon seit dem Elysée-Vertrag zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 eine Selbstverständlichkeit war, ist dies in Ostdeutschland noch bis heute nicht der Fall. Doch das Erlernen interkultureller Kompetenzen und das Kennenlernen von anderen jungen Menschen aus Europa baut Vorurteile ab, fördert Toleranz, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein und trägt damit zum Erleben und Leben demokratischer Werte bei.
Netzwerktreffen in Rostock
Um bestehende Strukturen der Jugendhilfe und der Jugendarbeit bestmöglich zu stärken und enge Netzwerke zu schmieden und neue Projekte zu entwickeln, treffen sich vom 8. bis 11. Oktober mehrere regionale Akteur*innen des Jugendaustauschs zum deutsch-französischen Netzwerktreffen „PASSAGE“ in Rostock. In Vorträgen und Workshops werden Möglichkeiten und Perspektiven des deutsch-französischen Jugendaustauschs diskutiert und erarbeitet.
Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) und der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern fordern:
„Jugendaustausch ist ein wichtiger Pfeiler unserer Demokratie. Politische Entscheidungsträger müssen sie endlich auch als solche verstehen und behandeln. Dafür braucht es den Willen und die finanzielle Unterstützung – auf Ebene der Kommunen, der Bundesländer und auf der Ebene des Bundes. Im vergangenen Jahr hat die Ministerpräsidentenkonferenz Ost in Chemnitz beschlossen, Schul- und Jugendaustausch zwischen Ostdeutschland und Frankreich zu intensiveren. Wir stehen bereit, dies ab 2025 in die Tat umzusetzen.“
Gerade im ländlichen Raum sind Trägerdichte und Personaldecken sehr dünn; es fehlen Mittel, Ausstattung und Ressourcen, um die Unsicherheiten junger Menschen aufzufangen oder mit ihnen in den Austausch zu treten, Möglichkeiten zur Beteiligung aufzuzeigen und unterstützend zu begleiten. Das wirkt sich auch auf die Chancen junger Menschen aus, Erfahrungen bei europäischen und internationalen Jugendbegegnungen sammeln zu können. Es herrscht ein Mangel an Räumen, in denen junge Menschen Selbst- und Mitbestimmung als grundlegende Demokratieerfahrung machen können.
Tobias Bütow, DFJW-Generalsekretär betont:
„Wir sind stolz darauf, dass wir bereits mehr als 150.000 Euro pro Haushaltsjahr in Austauschprojekte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Frankreich investieren. Wir möchten junge Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit unterstützen und stärken, aktive Beteiligung zu leben. Denn wenn Jugendbegegnungen ein zentraler Ort für Teilhabe und Mitgestaltung sind, lernen sie, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und sich zu engagieren. Der Jugendaustausch mit Frankreich und anderen europäischen Partnerländern ist eine einzigartige Chance für jeden jungen Menschen. Wir dürfen demokratiefeindliche Milieus, die die Werte der Kinder- und Jugendarbeit ablehnen, hier nicht die Oberhand gewinnen lassen.“
Dr. Ina Bösefeldt, Geschäftsführerin des Landesjugendringes M-V fügt an:
„Ja, Jugendarbeit – ob regional, national oder international - kostet Geld. Aber es handelt sich um Investitionen, die sich langfristig auszahlen: Junge Menschen sind die Gegenwart und unsere Zukunft. Wir alle profitieren davon, wenn sie Bock auf Demokratie haben.“
Weitere Informationen zu PASSAGE
Das deutsch-französische Netzwerktreffen findet vom 08. – 11. Oktober in Rostock statt. Es bringt Akteur*innen aus Bildung, Jugendhilfe, Kultur, Politik und Verwaltung aus Norddeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) und Südostfrankreich (Marseille sowie der Région PACA) zusammen. Die Teilnehmenden erwartet ein buntes Programm aus Projektbesuchen, Workshops und weiteren Austauschformaten.
Quelle: Landesjugendring Meckelnburg-Vorpommern vom 07.10.2024
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