Schulbarometer
„Mehr Ressourcen für eine gute soziale Infrastruktur nötig!“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert angesichts der Ergebnisse des Schulbarometers der Bosch Stiftung eine Stärkung der sozialen Infrastruktur an Schulen. Die psychische Belastung von Schüler*innen sei besorgniserregend. Die GEW betont die Notwendigkeit, psychologische und therapeutische Angebote sowie die Schulsozialarbeit auszubauen.
06.05.2026
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat mit Blick auf die Ergebnisse des Schulbarometers der Bosch Stiftung zur psychischen Belastung der Schülerinnen und Schüler angemahnt, die soziale Infrastruktur zu stärken. „Die Befunde sind besorgniserregend und zeigen einen riesigen Handlungsbedarf“, sagte Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule, am Mittwoch in Frankfurt a.M.
„Die mentale Gesundheit der Kinder darf nicht von den finanziellen Ressourcen der Eltern abhängen. Die Versorgung mit (schul)psychologischen und therapeutischen Angeboten sowie die Schulsozialarbeit müssen dringend ausgebaut und verbessert werden. Gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Lage mit Krisen, Kriegen und wachsender sozialer Ungleichheit sehen wir uns stattdessen mit Kürzungen bei der sozialen Infrastruktur konfrontiert. Das ist der falsche Weg und völlig inakzeptabel.“
So sei beispielsweise das Programm Mental Health Coaches an Schulen mit dem Bundeshaushalt 2026 gestrichen worden. In manchen Bundesländern – etwa in Hessen – würden Ressourcen an Schulen in Brennpunkten gestrichen. Zudem würden die Honorare für Therapeut*innen zum 1. April 2026 gesenkt. Das verschlimmere die ohnehin schwierige Situation, einen Therapieplatz zu finden – gerade für gesetzlich Versicherte.
„Das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte an Schulen muss in der schulpolitischen Debatte einen höheren Stellenwert bekommen. In dieser dominieren aktuell Themen wie das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler oder die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Die Daten des Schulbarometers sind ein Weckruf, sich intensiver mit dem Aspekt des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit zu befassen“,
betonte die GEW-Schulexpertin.
„Wir brauchen dringend eine zeitliche Entlastung der Lehrkräfte und eine adäquate Ausstattung der Schulen mit finanziellen und personellen Ressourcen sowie den Ausbau multiprofessioneller Teams, um die Schul- und Unterrichtsqualität zu verbessern. Lehrkräfte brauchen Zeit, um die pädagogische Beziehung zu pflegen und damit für ein größeres Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler zu sorgen. Wir müssen eine gute Schule mit guten Arbeits- und Lernbedingungen ins Zentrum rücken. Schulen müssen Raum für einen sicheren, gesunden und wertschätzenden Umgang der Lernenden bieten. Deshalb schlagen wir vor, das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zum Indikator für die Schulqualität zu erheben, zum Beispiel im Startchancenprogramm.“
Zudem machte sich Bensinger-Stolze dafür stark, die Mitbestimmung der Schüler*innen an der Schule zu verbessern:
„Die Vertretungsgremien müssen ernst genommen und Partizipation, zum Beispiel durch Klassenräte, gestärkt werden. Wir begrüßen, dass Kinder und Jugendliche sich mehr Beteiligung an der Unterrichts- und Schulgestaltung wünschen. Partizipation und eine bessere Beteiligung sind wichtige Elemente für mehr Wohlbefinden und gelebte Demokratiebildung. Lehrkräfte sind häufig an curriculare Vorgaben, Prüfungsformate und Notengebungen gebunden, die nicht in der Schule, sondern auf höherer Ebene entschieden werden. Wir freuen uns sehr, dass Kinder und Jugendliche Mitbestimmungsthemen und Partizipation positiv sehen und diese dezidiert einfordern. Das stimmt zuversichtlich für die Zukunft!“
Info: Das erste Mal seit der Pandemie ist laut Deutschem Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung die psychische Belastung der Schüler*innen wieder gestiegen. Jedes vierte Kind zeigt psychische Auffälligkeiten. 31 Prozent der Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen sind psychisch belastet.
43 Prozent der Schüler*innen halten ihre Vertretungsgremien für wirkungslos. Eine deutliche Mehrheit von 64 bis 74 Prozent wünscht sich mehr Mitbestimmung in fast allen schulischen Bereichen, etwa bei Unterrichtsinhalten und den Bewertungskriterien von Noten.
Weiterführende Informationen
Zu den Kürzungen in Hessen:
www.gew-hessen.de/details/gew-fordert-stopp-der-bildungskuerzungen
Honorar-Kürzungen:
www1.wdr.de/nachrichten/therapieplatz-kassenpatient-psychotherapeut-honorar-kuerzung-100.html
Quelle: Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft vom 18.03.2026
Termine zum Thema
Materialien zum Thema
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Trotzdem über Israel und Palästina sprechen – Der Nahostkonflikt in der Bildungsarbeit
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Gish-Galopp und andere Herausforderungen. Fortbildung für Dialog- und Handlungsfähigkeit
-
Broschüre
Trans* ganz einfach – im Job, in der Familie, auf Klassenfahrten – Praxisnahe Infos für Angehörige, Freund*innen und Fachkräfte
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 4-2025
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Armutssensible Haltung im Schulkontext
Projekte zum Thema
-
MUTPraxis
Traumapädagogische Stabilisierung und psychosoziale Prävention im pädagogischen Alltag (MUTPraxis)
-
Universität Münster (JuPa-Quali)
JuPa - Soziale Teilhabe von Jugendlichen in stationären Jugendhilfe-Einrichtungen und Pflegefamilien in Zeiten von Pandemien ermöglichen
-
Stiftung "Achtung!Kinderseele"
Nicht jedes Schulkind ist schon schulstark – ein Pilotprojekt der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ will das ändern
-
NACOA Deutschland e.V. und Drogenhilfe Köln gGmbH
Hilfen im Netz
-
Studio Gaus GmbH
Dandelin geht zur Schule