WHO-Bericht
Körperliche Bestrafung schadet der Gesundheit von Kindern
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in einem neuen Bericht vor den gravierenden Folgen körperlicher Bestrafung: Weltweit sind jährlich über eine Milliarde Kinder betroffen. Die Praxis verursacht nicht nur Verletzungen, sondern auch psychische Belastungen wie Angst und Depressionen und hemmt die gesunde Entwicklung.
05.09.2025
Ein neuer Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass körperliche Bestrafung nach wie vor erschreckend weit verbreitet ist und erhebliche Schäden für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern verursacht.
Weltweit sind schätzungsweise 1,2 Milliarden Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren jedes Jahr zu Hause körperlicher Bestrafung ausgesetzt. Daten aus 58 Ländern zeigen, dass 17 % der Kinder, die im vergangenen Monat körperliche Bestrafung erlebt haben, deren schwerste Formen erlitten – darunter Schläge auf den Kopf, das Gesicht oder die Ohren oder hartes und wiederholtes Schlagen.
Die Häufigkeit körperlicher Bestrafung zu Hause unterscheidet sich stark zwischen den Ländern. Bei Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren lagen die von Eltern und Betreuungspersonen selbst berichteten Raten körperlicher Bestrafung im vergangenen Monat zwischen 30 % in Kasachstan und 32 % in der Ukraine bis hin zu 63 % in Serbien, 64 % in Sierra Leone und 77 % in Togo.
Auch in Schulen ist diese Praxis weit verbreitet. In Afrika und Mittelamerika erleben etwa 70 % der Kinder während ihrer Schulzeit körperliche Bestrafung, verglichen mit rund 25 % in der Region Westpazifik.
„Es gibt inzwischen überwältigende wissenschaftliche Belege dafür, dass körperliche Bestrafung mit vielfältigen Risiken für die Gesundheit von Kindern verbunden ist“,
sagte Etienne Krug, Direktor der WHO-Abteilung für Gesundheitsdeterminanten, Förderung und Prävention.
„Sie bringt keinerlei Nutzen für das Verhalten, die Entwicklung oder das Wohlbefinden von Kindern – und auch keinen Vorteil für Eltern oder Gesellschaften. Es ist an der Zeit, diese schädliche Praxis zu beenden, damit Kinder zu Hause und in der Schule gedeihen können.“
Der Bericht mit dem Titel Corporal punishment of children: the public health impact („Körperliche Bestrafung von Kindern: die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit“) hebt hervor, dass Kinder mit Behinderungen, Kinder von Eltern, die selbst körperliche Bestrafung erfahren haben, sowie Kinder von Eltern mit Suchtproblemen, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen am stärksten gefährdet sind, körperliche Bestrafung zu erleben. Breitere gesellschaftliche Faktoren wie Armut, Rassismus und Diskriminierung erhöhen das Risiko zusätzlich.
Die gesundheitlichen Folgen körperlicher Bestrafung von Kindern sind tiefgreifend und weitreichend. Über unmittelbare Verletzungen hinaus löst die Praxis schädliche biologische Reaktionen aus, darunter eine erhöhte Stresshormon-Reaktivität sowie Veränderungen in Struktur und Funktion des Gehirns, die eine gesunde Entwicklung beeinträchtigen können.
Analysen aus 49 einkommensschwachen und mittleren Ländern zeigen, dass Kinder, die körperliche Bestrafung erfahren, im Durchschnitt 24 % seltener eine altersgerechte Entwicklung aufweisen als Gleichaltrige ohne diese Erfahrung. Ebenso schwerwiegend sind die Folgen für die psychische Gesundheit: Kinder, die körperliche Bestrafung erleben, haben ein erhöhtes Risiko für Angststörungen, Depressionen, geringes Selbstwertgefühl und emotionale Instabilität. Diese Auswirkungen setzen sich häufig bis ins Erwachsenenalter fort – mit höheren Raten von Angst und Depression, Substanzmissbrauch sowie Suizidgedanken, -versuchen oder -vollzügen.
Körperliche Bestrafung hat auch weitreichende gesellschaftliche Folgen. Kinder, die sie erleben, entwickeln häufiger aggressives Verhalten, haben größere Schwierigkeiten in der Schule und neigen als Erwachsene eher zu gewalttätigem, antisozialem oder kriminellem Verhalten. Darüber hinaus fördert die Praxis eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt und verstärkt schädliche Zyklen über Generationen hinweg.
Obwohl viele Länder körperliche Bestrafung inzwischen verboten haben, zeigt ihre anhaltende Verbreitung – und die fortbestehende Überzeugung, sie sei notwendig –, dass gesetzliche Regelungen allein nicht ausreichen. Die WHO betont, dass rechtliche Maßnahmen mit öffentlichen Aufklärungskampagnen und direkter Unterstützung für Eltern, Betreuungspersonen und Lehrkräfte kombiniert werden müssen, um positive, gewaltfreie Formen der Erziehung zu fördern. Corporal punishment of children: the public health impact liefert weitere Argumente dafür, das Spektrum an Maßnahmen auszuweiten, die zur Beseitigung dieser Form von Gewalt gegen Kinder erforderlich sind.
Quelle: World Health Organization (WHO) vom 20.08.2025
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