Mentale Gesundheit

Jugendliche in Krisen unterstützen sich gegenseitig

SOS-Kinderdorf stellt „Mental Health Peers“ vor – Bundesfamilienministerium fördert Programm. Es bildet Jugendliche zu Unterstützer*innen für Gleichaltrige in psychischen Krisen aus. Das Training betont die Prinzipien „Hinschauen“, „Zuhören“ und „Handeln“, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und Hilfe zu leiten. Fachkräfte leiten die Jugendlichen an, um Überforderung zu vermeiden.

26.11.2025

Essstörungen, Ängste und Depressionen unter Jugendlichen haben in der Pandemie zugenommen. Eine wichtige Rolle beim Umgang mit mentalen Krisen spielen Freund*innen und Gleichaltrige, an die sich betroffene Heranwachsende oftmals als erstes wenden. Genau dort setzen die „SOS-Mental Health Peers“ an: Mit Workshops und Kursen an Schulen sensibilisiert SOS-Kinderdorf junge Menschen für das Thema mentale Gesundheit und stärkt sie im Umgang mit psychischen Belastungen.

„Das Präventionsprogramm setzt auf einen Peer-to-Peer-Ansatz, bei dem Jugendliche aktiv andere Jugendliche unterstützen. Um dabei nicht selbst in eine Überforderung zu kommen, werden sie von pädagogischen Fachkräften eng begleitet“, 

sagt Prof. Dr. Inga Pinhard, Pädagogik-Leiterin bei SOS-Kinderdorf.

Das Programm der „SOS-Mental Health Peers“ wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und setzt auf einen zweistufigen Ansatz: Es schult Fachkräfte und bildet sie zu Mental Health Tutor*innen aus; diese bilden interessierte Schüler*innen zu Mental Health Peers weiter. Das Programm richtet sich an Schüler*innen ab der 8. Schulklasse in allen Schulformen und erfolgt im Rahmen der Schulsozialarbeit.

„Frühzeitige Hilfe bei psychischen Problemen kann entscheidend sein, gerade für Jugendliche. Eine große Rolle kann hier die Unterstützung von Gleichaltrigen spielen. Denn ihren Peers vertrauen sich junge Menschen in Krisen eher an – und auf dem Weg zu einer professionellen Beratung gibt eine Begleitung durch Freund*innen Mut und Halt“, 

erläutert Pädagogin Pinhard den Grundgedanken hinter dem Präventionsprogramm.

Hinschauen. Zuhören. Handeln.

Im Fokus des Trainings stehen die drei Grundprinzipen „Hinschauen“, „Zuhören“ und „Handeln“: Junge Menschen sollen lernen, Belastungen bei Gleichaltrigen wahrzunehmen, sensibel und offen für ihre Anliegen zu sein und sie gemeinsam mit den Sozialarbeiter*innen an passende Unterstützungsangebote oder professionelle Hilfe zu vermitteln. „Wir wollen Jugendliche dazu befähigen, ihre Freundinnen und Freunde aktiv stärken zu können“, so Pinhard. Essenziell sei dabei die Begleitung durch Fachkräfte, um Mental Health Peers vor Überforderung zu schützen und sie darin zu fördern, eigene Grenzen zu erkennen und zu wahren.

Schulsozialarbeiter*innen werden zu Mental Health-Tutor*innen

Aktuell laufen Trainings für interessierte Fachkräfte der Schulsozialarbeit, die Mental Health Peers ausbilden und sie in ihrer Aufgabe an der Schule begleiten. Zum Einstieg können Schulsozialarbeiter*innen zudem auf ein Web Based Training „Traumasensibler Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen“ zurückgreifen. Hier erlernen sie Grundprinzipien, die ihnen bei der Unterstützung von psychisch belasteten oder traumatisierten jungen Menschen helfen.

Weiterführende Informationen

Quelle: SOS-Kinderdorf e.V. vom 10.10.2025

Redaktion: Klara Neumann