Social Media-Debatte

GEW: „Bildung statt Verbote!“

Die GEW fordert in der Debatte um Social Media- und Handynutzung eine Offensive für Medienbildung statt Verbote. Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum soll durch Plattformverantwortung gestärkt werden. Kritisch-reflexive Medienkompetenz soll in Schulen und außerschulischen Einrichtungen gefördert werden.

09.07.2026

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt mit Blick auf die Debatte um Social Media- und Handynutzung eine Offensive für mehr Medienbildung vor. Zentral sei zudem, den Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum durchzusetzen. Dafür müssten die Plattformen in die Pflicht genommen werden. „In der Schule und in außerschulischen Bildungseinrichtungen muss dringend ein kritisch-reflexiver, kreativer und mündiger Zugang zu Medien gefördert werden. Bildung statt Verbote“, sagte Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule in Frankfurt a.M. mit Blick auf die Tagung der Bildungsministerkonferenz (BMK), die ihre Empfehlungen zur Social Media-Nutzung verabschiedet hat. 

„Das ist aber nur ein Teil unseres vielschichtigen Lösungsansatzes. Die ausufernde Handy- und Social Media-Nutzung ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht alleine in den Bildungseinrichtungen bearbeitet werden kann. Es geht dabei nicht nur um die Dauer der Bildschirm- und Medienzeiten, sondern auch um die Ausgestaltung dieser Zeiten und die Inhalte, die geteilt und konsumiert werden. Wir müssen dringend weg von einer Kultur der Polarisierung und Aufmerksamkeitsökonomie. Das kann gelingen, wenn komplexe Probleme auch als solche wahrgenommen werden und eine echte demokratische Auseinandersetzung gepflegt wird.“ 

Die GEW-Schulexpertin schlug Lösungen vor, die neben einer Offensive für mehr Medienbildung und -kompetenz, die Demokratisierung des digitalen Raums, das Verbot suchtfördernder und manipulativer Designs (Dark Patterns) sowie einen intensiven Dialog zwischen Bildungseinrichtungen und Erziehungsberechtigten beinhalten. Zentral sei außerdem, dass die kommerziellen Anbieter, insbesondere die großen Tech-Konzerne dafür in die Pflicht genommen werden.

Ralf Becker, GEW-Vorstandsmitglied Berufliche Bildung und Weiterbildung, betonte: 

„Insbesondere den Plattformen der großen Tech-Konzerne muss endlich klare Kante gezeigt werden. Rechtliche Grundlagen dafür wie der Digital Services Act, aber auch bundes- und landesrechtliche Regelungen dürfen nicht aufgeweicht werden. Sie müssen stärker durchgesetzt werden. Anbieter müssen den Kinder- und Jugendschutz einhalten, sie müssen jugendgefährdende, diskriminierende und antidemokratische Inhalte unterbinden. Die Bundesregierung darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und diese auf die Kinder und Jugendlichen sowie deren Erziehungsberechtigte abschieben!“

Um einen besseren Umgang mit digitalen Medien zu pflegen und diesen in Bildungseinrichtungen zu fördern, machte sich Becker zudem für eine ausgewogene wissenschaftliche Forschung zu den Auswirkungen der Bildschirmzeit und Social Media-Nutzung auf die Gesundheit, das Lernen und Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen stark. Um mehr Medienkompetenz zu vermitteln, sollten an den Hochschulen entsprechende (Erweiterungs-)Studiengänge eingerichtet und Medienpädagogik als (Wahl-)Pflichtmodul aller Lehramtsstudiengänge etabliert werden. Allen pädagogischen Beschäftigten im Bildungsbereich seien gute Fort- und Weiterbildungen anzubieten.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 12.05.2026

Redaktion: Lena Gabert