Psychische Gesundheit
Gemeinsamer Aufruf zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Jedes siebte Kind weltweit lebt mit psychischen Belastungen – oft unerkannt und unbehandelt. UNESCO, UNICEF, das UN-Jugendbüro und die WHO fordern eine stärkere politische und finanzielle Priorisierung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Trotz wachsender Aufmerksamkeit fehlen globale Strategien, Finanzierung und Beteiligung junger Menschen.
14.11.2025
In den letzten zehn Jahren hat sich innerhalb des Systems der Vereinten Nationen die Anerkennung der psychischen Gesundheit als grundlegendes Menschenrecht weiter verfestigt. Trotz der weltweit wachsenden Aufmerksamkeit gibt es jedoch keine speziellen Beschlüsse der Vereinten Nationen, die die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen als eigenständige Priorität in den Bereichen Entwicklung, Gesundheit und Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt und es gibt auch keine einheitliche Darstellung, die ihren besonderen Entwicklungsbedürfnissen umfassend Rechnung trägt.
Zwar tauchen in den politischen Rahmenwerken der Vereinten Nationen zunehmend Verweise auf die psychische Gesundheit auf, doch sind Formulierungen, die sich speziell auf Kinder und Jugendliche beziehen, nach wie vor begrenzt. Dieses Fehlen führt zu fragmentierten, isolierten Ansätzen und chronischer Unterfinanzierung, insbesondere in den Bereichen Prävention und Frühintervention, obwohl es nachweislich skalierbare, kosteneffiziente Lösungen gibt.
Weltweit leidet schätzungsweise jede*r siebte (14,3%) 10- bis 19-Jährige*r an psychischen Erkrankungen, die jedoch weitgehend unerkannt und unbehandelt bleiben. Veröffentlichte Daten zeigen außerdem einen besorgniserregenden Anstieg der Selbstmordraten in vielen Ländern bei den 10- bis 24-Jährigen. Dies wird durch kürzlich veröffentlichte Daten des Global Mental Health Atlas untermauert, aus denen hervorgeht, dass nur 56% der Länder über eine eigene oder integrierte Politik oder einen Plan zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verfügen, während weniger als die Hälfte der befragten Länder gemeindebasierte, schulbasierte oder andere psychologische Dienste für Kinder und Jugendliche anbieten.
Um dieser dringenden Herausforderung sinnvoll zu begegnen, sind koordinierte, sektorübergreifende Maßnahmen unerlässlich, die die Bereiche Bildung, Gesundheit, soziale Absicherung, Klima, Digitalisierung und Kultur umfassen und auf rechtsbasierten, kinder- und jugendgerechten Rahmenwerken beruhen, die niemanden zurücklassen, auch nicht diejenigen, die sich in humanitären und fragilen Kontexten befinden.
Die politische Lücke
Trotz der zunehmenden Anerkennung der psychischen Gesundheit in den politischen Rahmenwerken der Vereinten Nationen bleiben Kinder und Jugendliche in globalen Verpflichtungen, Datensystemen und Finanzierungsprioritäten weitgehend unberücksichtigt. Zu den Lücken, die geschlossen werden müssen, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken, gehören:
- spezifische Beschlüsse zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen;
- altersspezifische Verpflichtungen innerhalb globaler Rahmenwerke;
- partizipative Mechanismen, die die Einbeziehung junger Menschen in die Gestaltung von Strategien und Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit gewährleisten;
- Aufsicht und Rechenschaftspflicht bei der Überwachung bestehender globaler politischer und finanzieller Verpflichtungen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Gemeinsamer Aufruf zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss als eigenständige globale Politik- und Investitionspriorität hervorgehoben und mit Ressourcen ausstattet werden, um ihre ausdrückliche Einbeziehung in künftige UN-Beschlüssen, Menschenrechtsrahmen und globale Überwachungsmechanismen im Anschluss an die Agenda 2030 sicherzustellen.
Es muss eine einheitliche Plattform für verschiedene Organisationen und viele Interessengruppen geschaffen werden – mit der UNESCO, UNICEF, dem Jugendbüro der Vereinten Nationen, der WHO und anderen relevanten UN-Einrichtungen sowie Mitgliedstaaten, Jugendnetzwerken und Partnern aus der Zivilgesellschaft –, um die globale Kohärenz zu stärken, gemeinsame technische Leitlinien bereitzustellen und die Finanzierungs- und Rechenschaftsmechanismen für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sektorübergreifend aufeinander abzustimmen.
Mitgliedstaaten müssen ermutigt werden, nationale Strategien und Maßnahmen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu verabschieden und umzusetzen, die mit dem umfassenden Aktionsplan der WHO zur psychischen Gesundheit und dem gemeinsamen Programm von UNICEF und WHO zu psychischer Gesundheit und psychosozialem Wohlbefinden und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Einklang stehen.
Die Strategien und Maßnahmen sollten relevante Leitlinien des OHCHR zu Menschenrechten und Inklusion von Menschen mit Behinderungen enthalten, wobei der Schwerpunkt auf gemeindebasierten und rechtsbasierten Ansätzen liegen sollte, sowie die UNESCO-Empfehlung von 2023 zur Bildung für Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung, in der sichere, inklusive und unterstützende Lernumgebungen als Grundlage für das allgemeine Wohlbefinden der Lernenden hervorgehoben werden.
Eine sinnvolle Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Konzeption, Umsetzung, Überwachung und Bewertung von Maßnahmen und Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit soll sichergestellt werden.
Es soll in Prävention, Förderung und Schutz investiert werden. Durch einen ganzheitlichen Ansatz, der gemeindebasierte, schulbasierte und digitale Plattformdienste mit Bildungs-, Gesundheits-, Kunst-, Sport-, Klima- und Schutzsystemen verbindet, werden junge Menschen dort abgeholt, wo sie stehen, und es wird ein unterstützendes Umfeld geschaffen, in dem sie sich entfalten können.
Die Integration zentraler Indikatoren für psychische Gesundheit in die umfassendere Überwachung der Gesundheit, Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, einschließlich Haushaltserhebungen (z. B. MICS) und nationaler Informationssysteme, um die Rechenschaftspflicht, Gerechtigkeit und sektorübergreifende Sichtbarkeit der Fortschritte zu stärken.
Text übersetzt aus dem Englischen
Quelle: World Health Organization vom 07.11.2025
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