Bildungsforschung

"Eulen" benachteiligt

Eine Eule als Trophäe des Wettbewerbes

Die JAZ-Trophäe „Eule“

Eine Studie der Universität Bologna und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg belegt: Schülerinnen und Schüler sowie Studierende vom Abendtyp sind in der Schule bzw. im Studium benachteiligt. Im Alter zwischen 12 und 20 Jahren sind die "Eulen" klar in der Überzahl.

14.07.2015

Als Abendtypen ("Eulen") werden Menschen bezeichnet, die ihre höchste Leistungsfähigkeit gegen Nachmittag oder Abend erreichen. Im Gegensatz dazu stehen die Frühaufsteher ("Lerchen"), die morgens problemlos aufstehen und schnell ihr Leistungshoch erreichen.

Um herauszufinden, welche Auswirkungen diese unterschiedlichen Chronotyp auf akademische Leistungen haben, analysierten die Professoren Lorenzo Tonetti, Vincenzo Natale und Christoph Randler 31 Studien mit insgesamt 27.309 Probanden: "Wir haben weltweit alle Studien zu dem Thema gesichtet und einer Meta-Analyse unterzogen", erklärt Professor Randler (Heidelberg). Dabei zeigte sich, dass Abendtypen auf allen Kontinenten schlechtere akademische Leistungen erbringen als Frühaufsteher.

Auch konnte erstmals nachgewiesen werden, dass dieser Effekt bei Jugendlichen stärker ausgeprägt ist als bei Studierenden. Die Wissenschaftler vermuten hierbei einen Zusammenhang zwischen dem verordneten Schulanfang bei Jugendlichen, während Studierende eine gewisse Freiheit bezüglich ihrer Tagesplanung haben. Sie könnten laut Randler eher im Einklang mit ihrem Biorhythmus lernen.

Dazu kommt, dass Jugendliche im Alter zwischen 12 und 20 Jahren eine starke Abend- oder Nachtorientierung durchleben: "In dieser Altersgruppe sind die ‚Eulen‘ demnach klar in der Überzahl. Das ist kein Randphänomen, sondern betrifft weite Teile der Schülerschaft", ist sich Randler sicher. Dennoch sei die Schule mit ihrem frühen Unterrichtsbeginn weiterhin auf "Lerchen" zugeschnitten, was die "Eulen" benachteilige: "Die Abendtypen sind genauso intelligent wie Frühaufsteher, sie müssen ihre Leistung lediglich zur ‚falschen‘ Uhrzeit abrufen."

Als eine Konsequenz ihrer Meta-Analyse fordert das internationale Forscherteam, den Schulbeginn zumindest ab Klasse 7 auf einen späteren Zeitpunkt zu legen. "9.00 Uhr, da sind sich viele Wissenschaftler einig, wäre ein guter Zeitpunkt", so Randler abschließend.

Die Meta-Analyse des deutsch-italienischen Forscherteams wurde im renommierten Fachmagazin Chronobiology International publiziert.

Quelle: Pädagogische Hochschule Heidelberg vom 13.07.2015.

Redaktion: Svenja Karrenstein

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