Jugendstudie

Erfahrung demokratischer Selbstwirksamkeit geht mit weniger Vorurteilen einher

Die Evangelische Jugend in Deutschland hat in einer repräsentativen Jugendstudie die Zusammenhänge von Religiosität, Demokratievertrauen und Islamfeindlichkeit untersucht. Im Rahmen der jährlichen Fachtagung des Kompetenznetzwerks Islam- und Muslimfeindlichkeit am 10. November werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

08.11.2021

Seit Januar 2020 ist die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) Partner im „Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit“ und stellt sich damit gegen die anhaltend hohe Islamfeindlichkeit. Anhand von präventiven Bildungsangeboten und einem mobilen Ausstellungsformat wirkt die Evangelische Jugend in diesem Zusammenhang in die Regelstrukturen der Kinder- und Jugendarbeit hinein. Mit ihrer aktuellen Studie zur Verbreitung islamfeindlicher Einstellungen unter Jugendlichen hat sie nun auch erstmals eine repräsentative Vorurteilsstudie im Jugendalter vorgelegt, die zugleich auf religiöse Orientierungen und Engagement fokussiert, was bisher eine Forschungslücke darstellte.

Für die repräsentative Jugendstudie „Perspektiven auf Gesellschaft, Religion und Islamdebatte“ wurden von Februar bis April 2021 Jugendliche im Alter von 14 bis 29 Jahren anhand eines Onlinefragebogens zu ihren Einstellungen in Bezug auf Religion, Demokratie und gegenüber Minderheiten befragt. Neben einer repräsentativen Stichprobe, die durch das Meinungsforschungsinstitut forsa gewonnen wurde, wurde zudem eine Sonderstichprobe unter in der Evangelischen Jugend aktiven Jugendlichen gezogen. Durchgeführt wurde die Studie von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der aej im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit Olga Janzen in Kooperation mit Petra-Angela Ahrens vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Präsentation der Studie vor Ort und im Internet

Die neue Studie belegt eine geringere Vorurteilsbehaftung der befragten Jugendlichen gegenüber bisherigen Studien des Erwachsenenalters. Als wichtigste Faktoren, die mit einer Zustimmung zu islamfeindlichen Aussagen in Zusammenhang stehen, ermittelt die Studie in erster Linie das Gefühl, keinen Einfluss auf demokratische Prozesse zu haben. In geringerem Maß gilt entsprechendes auch für eine stark ausgeprägte Religiosität, insbesondere für ein exklusives Religionsverständnis. Faktoren, die die Zustimmung zu Vorurteilen verringern, sind die allgemeine Zufriedenheit mit dem demokratischen System, die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht sowie eine höhere Bildung der Eltern.

Die Ergebnisse der Studie werden am 10. November 2021 im Rahmen der jährlichen Fachtagung des Kompetenznetzwerks Islam- und Muslimfeindlichkeit erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Fachtagung trägt den Titel „Jung, aufgeschlossen, postmigrantisch?“ Vorurteile und Rassismuserfahrungen einer neuen deutschen Generation und wird live aus dem dbb forum Berlin gestreamt. Mitte 2022 erscheint darüber hinaus eine Publikation zu den Studienergebnissen mit Handlungsempfehlungen für die Regelstrukturen der Kinder- und Jugendarbeit.

Ergebnisse geben Impulse für die Jugendarbeit

Für die aej als Partner im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit stellen die Studienergebnisse einen wichtigen Meilenstein dar, um die eigenen Bildungsformate künftig noch passgenauer an den Bedarfen von Jugendlichen auszurichten und die Politik auf die Herausforderungen im Ringen um eine vielfältige und offene Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Michael Peters, aej-Generalsekretär, erklärte dazu: „Die Ergebnisse der Studie machen Mut, dass partizipative Jugendarbeit, wie sie in zahlreichen Verbände geleistet wird, die Demokratie so stärkt, wie sie soll. Sie mahnen uns aber gleichzeitig, problematische Faktoren im Blick zu haben, auch in den eigenen Reihen. Insbesondere verstehe ich sie als einen Aufruf, gezielt diejenigen Jugendlichen zu fördern, die aus weniger privilegierten Elternhäusern stammen.“

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) vom 08.11.2021

Redaktion: Roman Thieltges

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